Ärzte Zeitung online, 13.02.2014

Kommentar zum Elternunterhalt

Dickes Blut

Von Martin Wortmann

Blut ist dicker als Wasser, heißt es. Und folgt man dem Bundesgerichtshof (BGH), dann ist es richtig dick. Auch nach Jahrzehnte langem Schweigen reißt der Blutsfaden immer noch nicht ab, urteilten die Karlsruher Richter. Ein Sohn muss danach mit für die Heimkosten seines Vaters aufkommen, obwohl der 40 Jahre lang jeglichen Kontakt abgelehnt hatte.

Zerwürfnisse zwischen Eltern und Kind sind nicht selten, und die Frage des Elternunterhalts ist dann schwer zu beantworten.

Doch die Gesetzeslage ist eigentlich recht klar: Nur wenn Eltern ihren Nachwuchs "gröblich vernachlässigt" oder eine "schwere Verfehlung" begangen haben, kommen Kinder um die grundsätzliche Pflicht zur Zahlung von Elternunterhalt herum.

Im Streitfall war der Sohn immerhin schon volljährig, als der Vater den Kontakt abbrach, seine "Verfehlung" nach Überzeugung des BGH daher nicht "schwer".

Moralisch mögen vor allem die Betroffenen dies anders bewerten. Doch vor dem Hintergrund eines weiteren BGH-Urteils bereits aus 2002 erscheinen die gesetzlichen Regelungen und das daraus abgeleitete neue Urteil durchaus als fairer Kompromiss. Danach dürfen die Kinder nicht überfordert werden, ihr Lebensstandard und vor allem ihre Altersvorsorge bleiben gesichert.

Lesen Sie dazu auch:
Elternunterhalt: Kinder müssen trotz Kontaktabbruchs zahlen

Topics
Schlagworte
Pflege (5217)
Recht (12652)
Organisationen
BGH (985)
Personen
Martin Wortmann (490)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »