Ärzte Zeitung, 15.01.2015

Gesundheitsberufe

Engpässe bei Fachkräften werden größer

In Gesundheitsberufen sind Fachkräfte schon heute oftmals schwer zu finden. Forscher warnen in einer Studie: Es kommt noch schlimmer.

BERLIN. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wird dramatisch werden, wenn die geburtenstarken Babyboomer in den nächsten 15 Jahren in Rente gehen.

Darauf weist ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das Bundeswirtschaftsministerium hin.

Dafür hat das IW sogenannte Engpassberufe analysiert, bei denen die Zahl der Arbeitslosen in einem Monat nicht ausreicht, um die offenen Stellen zu besetzen.

26 Engpassberufe

Im Berufsfeld "Gesundheit, Soziales, Bildung" identifizierten die Forscher insgesamt 98 Berufsgattungen. Davon galten 26 als Engpassberufe, zwölf davon wiesen "starke Engpässe" auf.

Von den zehn am stärksten betroffenen Berufen entfallen vier auf das Gesundheitswesen: In der Fachkrankenpflege standen im September vergangenen Jahres 38 Arbeitslose 100 offene Stellen gegenüber.

In der Physiotherapie kamen 53 Arbeitslose auf 100 unbesetzte Stellen. In der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik war das Verhältnis 57 zu 100, in der Sprachtherapie 78 zu 100. Die Situation dürfte tatsächlich noch schwieriger sein.

Denn in der Statistik wird eine bundesweite Mobilität der Beschäftigten unterstellt, die in der Praxis nicht gegeben ist.

Steigender Altersdurchschnitt

Verschärft wird die Entwicklung durch den steigenden Altersdurchschnitt der Beschäftigten: In der Gesundheits- und Krankenpflege sind 175.000 von 568.000 Fachkräften älter als 50 Jahre (30 Prozent).

Doch der Anteil variiert je nach Beruf. Beispiel Physiotherapie: Dort ist der Anteil Älterer mit 17 Prozent stark unterdurchschnittlich.

Anders stellt sich die Situation in der Altenpflege dar: Dieser Engpassberuf weist mit 36 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil älterer Beschäftigter auf.

Angesichts der alternden Bevölkerung wird die Nachfrage nach Leistungen in der Altenpflege steigen. Die IW-Forscher gehen daher von einer Verschärfung des Fachkräfteengpasses aus. (fst)

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