Ärzte Zeitung, 23.11.2016

Förderprogramme

Bayerische Perspektiven für die Pflege?

Die bayerische Gesundheitspolitik versucht, die Bedingungen für die Pflege zu verbessern. Ein Überblick über laufende Förderprogramme.

Von Christina Bauer

MÜNCHEN. Das Thema Pflege beschäftigt die bayerische Gesundheitspolitik. In einer Debatte im Landtag sagte Ministerin Melanie Huml jüngst: "Mein Ziel ist, dass Pflegebedürftige möglichst lange selbstständig leben können und bestmögliche Unterstützung bekommen."

Im Rahmen des Dritten Pflegestärkungsgesetzes müssten nun die Bedingungen gezielt verbessert werden, so Huml. In Bayern gibt es laut Pflegestatistik 2013 329.016 Pflegebedürftige, mit stark steigender Prognose. Von ihnen werden 112.010 stationär in Heimen betreut, ambulante Pflegedienste versorgen 74.852 Menschen. Die meisten aber werden von Angehörigen zu Hause gepflegt.

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) fördert seit 2008 ambulant betreute Wohngemeinschaften. Wie eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage mitteilte, wurden bis 2015 bayernweit 60 solcher WGs mit insgesamt 2,1 Millionen Euro unterstützt.

In diesem Jahr wurden bislang zwölf Förderanträge gestellt. Sie werden nun beurteilt nach der neuen Förderrichtlinie Pflege, die seit Anfang 2016 gilt. Auch diese sieht für ambulant betreute WGs eine Anschubfinanzierung von bis zu 40.000 Euro vor. Darüber hinaus gibt es nun noch zwei weitere Zuschussarten. Eine davon zielt auf eine demenzgerechte, räumliche Gestaltung in der Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege. Solche Angebote können besonders pflegende Angehörige vorübergehend entlasten. Bisher liegen dem StMGP fünf Anträge vor. Es sind Zuschüsse bis zu 75.000 Euro möglich.

Eine dritte Förderschiene berücksichtigt innovative Einzelprojekte, die Rahmenbedingungen in der Pflege verbessern. Bisher wurden zwei Projekte beantragt und die Förderung zugesagt. Vorgesehen sind Zuschüsse von bis zu 60.000 Euro. Parallel versucht das Ministerium seit längerem, Einrichtungen zum Ausbilden von Pflegekräften und junge Menschen zur Wahl des Pflegeberufs zu motivieren. Eine Kampagne läuft seit Ende 2009 unter dem Titel "Herzwerker". Seitdem stieg die Zahl der Pflegeschüler um 40 Prozent, was das Ministerium als Erfolg wertet.

Insgesamt fordert Huml "mehr gesellschaftliche Anerkennung für professionelle und häusliche Pflege". Derzeit arbeiten in Bayern etwa 42.600 Personen bei ambulanten Pflegediensten, 96.530 in Pflegeheimen. Im Juli 2017 soll beim Bayerischen Pflegegipfel in Nürnberg der Kurs für die nächsten Jahre festgelegt werden.

Interdisziplinäre Vernetzung und das Entwickeln gemeinsamer Lösungen sollen im Mittelpunkt stehen. Pflegekräfte, Kommunen, Einrichtungsträger, Wissenschaft, Krankenkassen sowie Betroffene und ihre Angehörigen werden vertreten sein. Mit Ausnahme einer vorbereitenden Veranstaltung im September ist es das erste Treffen dieser Art in Bayern.

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