Ärzte Zeitung online, 09.02.2017

Steigende Nachfrage

Fachkräfte für ambulante Pflege gesucht

Die Nachfrage steigt: Die ambulante Versorgung im Nordosten muss dringend ausgebaut werden.

SCHWERIN. In keinem anderen Bundesland ist das Risiko, pflegebedürftig zu werden, so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern. Landessozialministerin Stefanie Drese (SPD) will deshalb die ambulante Versorgung weiter ausbauen – allerdings fehlen ihr die Fachkräfte.

26,3 Prozent der Pflegebedürftigen werden in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 23,5 Prozent. Fast jeder zweite von ihnen wird im Nordosten ausschließlich durch Angehörige betreut. "Für die Betreuung durch professionelle Anbieter fehlt schlichtweg qualifiziertes Pflegepersonal", sagt etwa Barmer-Landeschef Henning Kutzbach.

Seine Kasse und das Sozialministerium wollen deshalb die pflegenden Angehörigen stärker als bislang unterstützen. Denn die Zahlen zeigen, dass ohne pflegende Angehörige die ambulante Pflege nicht zu bewältigen wäre. Schon heute sind 80.000 Menschen im Nordosten auf Hilfe bei der Pflege angewiesen, bis 2050 wird ihre Zahl auf 118.000 ansteigen. Bei Menschen in Mecklenburg-Vorpommern über 60 Jahren liegt das Risiko, pflegebedürftig zu werden, bei 4,5 Prozent. Zum Vergleich: In Bayern liegt diese Kennzahl laut Barmer nur bei 2,6 Prozent.

Fachkräfte, die diese Menschen unterstützen könnten, werden im Nordosten schon heute händeringend gesucht. Der Bedarf an Vollzeitstellen soll von 17.000 in 2013 auf 25.000 im Jahr 2030 steigen. Drese hat dafür die Gründe ausgemacht: mangelnde Anerkennung und Bezahlung. "Wer heute sein Personal nicht anständig bezahlt, darf sich morgen nicht über Fachkräftemangel und fehlenden Nachwuchs beklagen", sagte Drese.

Stationäre Pflege spielt im Nordosten eine geringere Rolle als im Bundesdurchschnitt. Auf 100 Pflegebedürftige kommen dort 29 Heimplätze, bundesweit dagegen 34. Kutzbach stellte trotz der Bemühungen um die ambulante Versorgung klar: "Pflegeheime werden auch künftig gebraucht." (di)

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