Ärzte Zeitung online, 08.03.2019

Pflegekräfte

Auf den Intensivstationen sieht es düster aus

Viele Intensivkräfte wollen ihren Beruf in den nächsten fünf Jahren aufgeben oder die Arbeitszeit reduzieren. Das kann fatale Folgen für die deutsche Krankenhauslandschaft haben.

Von Christiane Badenberg

Viele Intensivpflegekräfte planen Absprung

Die Arbeitsbelastung auf den Intensivstationen habe deutlich zugenommen, beklagten 97 Prozent der befragten Intensivpflegekräfte.

© K-H Krauskopf, Wuppertal (Symbolbild)

NEU-ISENBURG. Der Mangel an Intensivpflegekräften könnte sich in den nächsten Jahren weiter dramatisch verschärfen. Darauf deuten Ergebnisse einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) und des Marburger Bundes (MB) hin.

An der Umfrage haben sich vom 14. bis 21. Januar 2498 Intensivpflegekräfte beteiligt. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) gab an, ihren Beruf in den nächsten fünf Jahren aufgeben zu wollen. Weitere 34 Prozent planen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren.

Fast alle (97 Prozent) sind der Auffassung, die Arbeitsbelastung habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, die Arbeitsbedingungen hätten sich dabei erheblich verschlechtert. 94 Prozent haben das Gefühl, ökonomische Interessen ständen im Vordergrund.

Vielen Intensivpflegekräften macht zudem der hohe Zeitdruck zu schaffen sowie der schlechte Personalschlüssel. So gilt für die meisten ein Personalschlüssel von zwei Patienten pro Pflegekraft als annehmbar. Derzeit betreue eine Pflegekraft aber meistens zweieinhalb bis drei Patienten.

Babyboomer gehen bald in Rente

„Wenn wir die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege nicht deutlich verbessern, ist die Patientenversorgung in den kommenden Jahren massiv in Gefahr“, warnt Professor Christian Karagiannidis, leitender Oberarzt an der Lungenklinik Köln-Merheim und Präsident elect der DGIIN.

Es drohe ein Drittel der Fachkräfte in diesem Bereich verloren zu gehen. Zudem würden durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden.

„Die Arbeitsbedingungen der Pflegenden müssen sich drastisch und zeitnah verbessern. Dazu gehört ein verlässlicher Betreuungsschlüssel, mehr Wertschätzung vonseiten der Klinikträger und eine bessere Bezahlung“, fordert der Sektionssprecher Pflege der DGIIN, Carsten Hermes.

Einnahmen brechen weg

„Die Ergebnisse unserer Umfrage belegen eine dramatische Entwicklung in der Intensivpflege, die gravierende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung und die Kliniklandschaft haben wird“, sagt Michael Krakau, zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes NRW/Rheinland-Pfalz und Leiter der Sektion Notfall- und Internistische Intensivmedizin in der Medizinischen Klinik Holweide in Köln.

Durch den sich verschärfenden Personalmangel drohe ein unstrukturierter Verlust von Intensivbetten, die für die medizinische Versorgung der Bevölkerung dringend benötigt würden, fürchtet Krakau. „Die wegbrechenden Einnahmen können auch zur existenziellen Gefahr für Krankenhäuser werden“, mahnt er.

Schon seit längerer Zeit werden wegen Personalmangels immer häufiger Betten auf Intensivstationen gesperrt. Das hat eine Online-Umfrage der DGIIN bereits im vergangenen Jahr ergeben.

Damals beteiligten sich etwa 445 der 1036 Weiterbildungsbefugten an der Umfrage. Dreiviertel der Intensivstationen gaben an, dass sie in den vergangenen Monaten Betten sperren mussten. 22 Prozent berichteten sogar von täglichen Bettensperrungen.

Oft seien es zwei Betten gewesen, meistens für einen Zeitraum von ein bis vier Tagen. Als Gründe nannten fast die Hälfte der Befragten einen Mangel an Pflegepersonal, etwa 20 Prozent gaben einen kombinierten Mangel an Ärzten und Pflegekräften als Ursache an.

Personaluntergrenzen eingeführt

Die Belastung auf den Intensivstationen sollte sich eigentlich durch die zum Jahresbeginn eingeführten Personaluntergrenzen für Intensivstationen bessern. So sieht auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in den Personaluntergrenzen und dem Pflegepersonalstärkungsgesetz richtige Ansätze.

Mit den momentan geltenden Vorgaben werde aber das Gegenteil erreicht, heißt es. Denn Intensivstationen, die sich einst an die strengeren DIVI-Empfehlungen gehalten haben, würden nun wegen der großzügigeren gesetzlichen Untergrenzen Personal abbauen.

Seit Januar dieses Jahres gelten für Intensivstationen Pflegepersonaluntergrenzen in der Tagschicht von 2,5 Patienten je Pflegekraft, in der Nachtschicht von 3,5 Patienten je Pflegekraft. Allerdings werden bis zum Ende dieses Monats Verstöße gegen die Personaluntergrenzen-Verordnung nicht geahndet. Danach drohen Abschläge bei der Vergütung.

Die DIVI empfiehlt grundsätzlich einen Betreuungsschlüssel von einer Pflegekraft auf zwei Patienten.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 08.03.2019 um 17:39 Uhr.

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