Ärzte Zeitung, 13.05.2012

Amtsärzte - Konkurrenten für den Hausarzt?

Die Regionen kämpfen gegen den drohenden Ärztemangel. Jetzt melden sich die Amtsärzte zu Wort: auch sie seien doch ein Teil der ambulanten Versorgung. Aber müssen Hausärzte wirklich Konkurrenz erwarten?

Amtsärzte in die ambulante Versorgung - nur mit Kooperation

Auch ein Beispiel ambulanter Versorgung durch den ÖGD: Grippeimpfung.

© Kay Nietfeld / dpa

ERFURT (nös). In Zeiten drohenden Ärztemangels suchen die Verantwortlichen in den Regionen nach neuen Konzepten für die Versorgung.

Immerhin: Das Versorgungsstrukturgesetz soll mit etlichen Maßnahmen Ärzte in die Niederlassung locken. Stichworte sind die kleinteilige Bedarfsplanung und die Beteiligung der Länder.

Und auch die rund 3000 Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) stellen sich die Frage, ob und wie sie Teil der ambulanten Versorgung sein können.

Ein "klares Nein" kommt von den Landkreisen. "Der ÖGD hat wichtigere Aufgaben", sagte Jörg Freese vom Deutschen Landkreistag am Freitag beim 62. Kongress der Amtsärzte (BVÖGD) und Amtszahnärzte (BZÖG) in Erfurt.

Allerdings hätten die Kreise eine Menge Kompetenz einzubringen, etwa beim Rettungsdienst und den Kliniken.

Dem Nein widersprach Thüringens KV-Chefin Regine Feldmann: "Was ist denn ambulant? Impfen!" Und das sei eine typische Aufgabe des ÖGD.

Auch die MRSA-Bekämpfung "geht gar nicht ohne den ÖGD", wie die entsprechenden Netzwerke gegen multiresistente Erreger (MRE) zeigten. Dem pflichtete die BVÖGD-Vorsitzende Dr. Ute Teichert-Barthel bei: "Die Netzwerke funktionieren nur gemeinsam."

Doch dass dadurch im Gesundheitswesen effektiv Geld gespart werde, werde von den Kassen bislang nur wenig anerkannt.

"Dann findet sich auch eine Kasse, die zahlt"

Dr. Christian Peters vom AOK-Bundesverband stimmte ihr schmunzelnd zu: "Sie sparen unser Geld, nicht nur in der Prävention, auch bei der Vermeidung von Folgekrankheiten."

Teichert-Barthel forderte denn auch von den Kassen Finanzierungsmodelle für den ÖGD. Peters gab zu bedenken: "Wenn wir mit einem weiteren Sektor verhandeln, müssen wir das Geld woanders wegnehmen. Da strampeln die KVen. Solange Sie nicht mit allen reden, geht es nicht."

Dass Amtsärzte schon heute einen Teil der ambulanten Versorgung übernehmen, zeigen Beispiele aus den Regionen. In Berlin etwa betreut der ÖGD Sinti und Roma: "Die sind schwer krank, das kann kein Hausarzt alleine lösen", berichtete eine Teilnehmerin.

In Mainz werden Fälle von Tuberkulose zentral vom ÖGD behandelt, auch die Substitutionsbehandlung ist dort öffentliche Aufgabe.

Negativ-Beispiel aus sich des ÖGD ist die Polio-Impfung: "Seitdem die Kinderärzte sie machen, ist das im ÖGD vorbei, und nach der Einschulung geht alles schief", hieß es in Erfurt.

KV-Chefin Feldmann warb daher für Kooperation: "Definiert werden müssen die sozial-medizinischen Aufgaben. Das geht aber nur in den Regionen - und an einem Tisch."

AOK-Vertreter Peters: "Und dann findet sich auch eine Kasse, die das zahlt."

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