Ärzte Zeitung, 29.05.2012

Ärztetag stärkt Arbeitsmedizin den Rücken

Krankheit kostet Produktivität und Wohlstand. Die Rolle der Arbeitsmedizin muss daher nach Auffassung des Ärztetages gestärkt werden - betriebliche Prävention als Querschnittsaufgabe verstanden werden.

Von Helmut Laschet

Ärztetag stärkt der Arbeitsmedizin den Rücken

Ein tiefer Blick für den Betriebsarzt. Der Ärztetag stellt sich hinter die Arbeitsmediziner.

© Klaro

NÜRNBERG. 225 Milliarden Euro gehen der deutschen Volkswirtschaft verloren, weil kranke Arbeitskräfte in den Betrieben fehlen. Die wichtige Rolle der betrieblichen Prävention und der Arbeitsmedizin wird nach Auffassung des Deutschen Ärztetages dabei noch erheblich unterschätzt.

Studien von Unternehmensberatungen (Booz & Company) zeigten, dass jeder Euro, der in betriebliche Gesundheitsförderung investiert wird, eine hohe Rendite zwischen fünf und 16 Euro erzeugt.

Eine besondere Rolle spielen bei der betrieblichen Gesundheitsprävention Arbeitsmediziner und Betriebsärzte. Eine Herausforderung für die Arbeitsmedizin stelle das zunehmende Alter der Belegschaften durch den demografischen Wandel dar.

Immer mehr ältere Arbeitnehmer

Bei länger werdender Lebensarbeitszeit müssten ältere Beschäftigte und chronisch Kranke gezielt bei Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden.

Nach Angaben des Arbeitsmediziners Professor Stefan Letzel von der Universität Mainz fallen in der Altersgruppe der über 55-jährigen Mitarbeiter im Durchschnitt pro Jahr 20 Arbeitsunfähigkeitstage an - das ist fast das Doppelte der 40- bis 45-jährigen.

Die Gruppe der älteren Arbeitnehmer und deren Produktivität hat aber in Zukunft eine wachsende Bedeutung: Sukzessive steigt das gesetzliche Renteneintrittsalter auf 67 Jahre; nur wer dies erreicht, kann eine ausreichende Alterssicherung erwarten.

Zudem wächst der Anteil dieser Altersgruppe, während die Zahl jüngerer Mitarbeiter in allen Betrieben künftig sinken wird.

Vor diesem Hintergrund hat der Ärztetag in Nürnberg Ende vergangener Woche eine Reihe von Forderungen beschlossen:

Die Zusammenarbeit der Sozialversicherungen und des staatliche Arbeits- und Gesundheitsschutzes muss verbessert werden, die Prävention soll intensiviert werden.

Betriebliche Gesundheitsförderung braucht ein regionales sektorenübergreifendes Konzept, in dem Betriebsärzte mit Haus- und Fachärzten zusammenwirken. Landesärztekammern sowie Wissenschaftler aus der Arbeitsmedizin sollten dabei beteiligt werden.

Das Bundesgesundheitsministerium muss eine Präventionsstrategie entwickeln, bei der Betriebsärzte einbezogen werden; diese Ärzte müssen bei präventivmedizinischen Leistungen wie Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen die gleiche Vergütung enthalten wie die Vertragsärzte.

Die Länder werden aufgefordert, mehr Lehrstühle für Arbeitsmedizin einzurichten.

Die Arbeitsmedizin und die betriebsärztliche Betreuung müssen zu einer zentralen Säule der Gesundheitsvorsorge ausgebaut werden. Grund: Betriebsärzte erreichen auch diejenigen Menschen, die aus eigener Initiative keine Präventionsangebote in Anspruch nehmen.

Sie haben als ärztliche Berater von beschäftigten und Unternehmen eine Schlüsselposition und daher eine wichtige "Lotsenfunktion zwischen präventiver und kurativer Medizin".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. mehr »

Elektrostimulation macht Gelähmten Beine

Querschnittgelähmte können mit Krücken wieder gehen – dank einer individuell angepassten epiduralen Stimulation. Allerdings ist die Therapie nicht für jeden geeignet. mehr »