Ärzte Zeitung, 15.05.2013

Prävention

Hausärzteverband will Sonderfonds

Am heutigen Mittwoch hört der Gesundheitsausschuss Experten zum geplanten Präventionsgesetz. Dem Hausärzteverband geht der Entwurf nicht weit genug. Er fordert einen Sonderfonds - um die Kassen zu mehr Prävention zu zwingen.

Von Sunna Gieseke

aerztin-gespraech-A.jpg

Kinder- und Jugendärzte als Lotse: Ihre Position als Erstversorger will die SPD stärken.

© Alexander Raths / fotolia.com

BERLIN. Ein Sonderfonds "Prävention" soll es richten: Nur die Kassen, die ihren Mitgliedern tatsächlich Präventionsleistungen erstatten, sollen entsprechende Mittel erhalten.

Das hat der Hausärzteverband in seiner Stellungnahme zu einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages gefordert. Am Mittwoch werden dort Experten zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Förderung der Prävention angehört.

Der Hausärzteverband begrüßt zwar den Gesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition, hält jedoch einige Regelungen für unzureichend. Aufgrund des besonderen Stellenwertes von Prävention bedürfe es einer stringenteren und transparenteren Finanzierung der Präventionsleistungen.

Die Mittel dafür sollen in einem Sonderfonds bereitgestellt werden. Das Bundesversicherungsamt erhielte dann die Aufgabe, diesen Topf zu verwalten. Zudem seien ärztliche Leistungen in der Prävention und Gesundheitsförderung "gesondert und zusätzlich zu vergüten", heißt es in der Stellungnahme.

Kritik am Gesetzentwurf kommt auch seitens der kommunalen Spitzenverbände: Zu viel Gewicht liege in dem Entwurf auf der Förderung von zentralen Strukturen, die örtlichen und lebensweltnahen Strukturen auf kommunaler Ebene blieben hingegen außen vor. Gerade hier lägen jedoch erhebliche Chancen für Gesundheitsförderung und Prävention.

Zahlreiche Kritik

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (bda) kritisiert vor allem die Tatsache, dass die Kassen künftig sechs statt bislang knapp drei Euro für Prävention ausgeben sollen.

"Einfach nur die Ausgaben zu erhöhen, sichert noch keine Erfolge", heißt es in der bda-Stellungnahme. Die geplante pauschale Anhebung der Präventionsausgaben sei zudem ein massiver Eingriff in die Entscheidungsautonomie der Kassen.

Zudem sei es nicht hinnehmbar, dass die Kassen mit einer Zwangsabgabe von jährlich rund 35 Millionen Euro zusätzliche Maßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zahlen sollten.

Die SPD sieht wiederum bei der Kinder- und Jugendgesundheit noch gravierende Versorgungslücken. In einem Antrag fordern die Sozialdemokraten, dass die Position von Kinderärzten als Erstversorger gestärkt werden müsse. Sie sollten auch stärker in die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung eingebunden werden.

Der Bundesrat hatte Anfang Mai eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzentwurfes gefordert. Dieser sehe lediglich Änderungen im Sozialgesetzbuch V vor, ohne ein eigenständiges Präventionsgesetz zu schaffen.

Topics
Schlagworte
Prävention (2908)
Organisationen
BZgA (717)
Personen
Alexander Raths (165)
Sunna Gieseke (427)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »