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Neue Initiative im Südwesten

Wie lassen sich psychische Erkrankungen verhindern?

Für die Prävention psychischer Erkrankungen müssen neue Wege gegangen werden. Ein Beispiel ist die "psychosomatische Sprechstunde" im Betrieb.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Wie können psychische und psychosomatische Erkrankungen bei Schülern und Berufstätigen vorbeugend verhindert werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler aus fünf medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg.

Auch Hausärzte sollen langfristig an dem Projekt beteiligt werden. Gemeinsames Ziel der Experten aus Heidelberg, Mannheim, Ulm, Tübingen und Freiburg ist es, Programme und Strukturen zu entwickeln, damit Betroffene frühzeitig lernen, mit Stress und Belastungen umzugehen.

"Prävention ist ausdrücklich gewünscht", sagte Theresia Bauer, baden-württembergische Wissenschaftsministerin, die bei einer Pressekonferenz in Heidelberg über die neue Initiative sprach. Die Vorbeugung psychosomatischer Erkrankungen sei noch nicht genügend erforscht. Die Landesregierung fördert das Projekt für zwei Jahre mit 700.000 Euro.

"Wichtig ist uns, alle Akteure - Betriebsmediziner, Hausärzte, Personalleiter und Psychotherapeuten - zusammenzubringen", sagte die Arbeitsmedizinerin Professor Monika Rieger vom Uniklinikum Tübingen. Es gelte auch, Vorurteile abzubauen.

"Wir wissen aus einer früheren Studie, dass Hausärzte nicht selten Vorbehalte haben, bei psychischen Problemen von Patienten die zuständigen Betriebsärzte zu kontaktieren", so Rieger.

Da psychische Erkrankungen sich meist über eine längere Zeit entwickeln, gebe es ein ausreichendes Fenster, um präventiv entgegenzuwirken, berichtete Professor Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik Heidelberg.

Männer nutzen "psychosomatische Sprechstunde im Betrieb"

Erste Erfolgsmeldungen hat das Kompetenzzentrum in Ulm zu melden. Dort wird eine "psychosomatische Sprechstunde im Betrieb" erprobt. "Die Ergebnisse zeigen, dass besonders Männer dieses Angebot wahrnehmen - und dies frühzeitig", so Professor Harald Gündel.

Das sei erfreulich, da gerade diese Gruppe gewöhnlich zögere, psychosomatische Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Offensichtlich ist diese Sprechstunde ein sinnvoller Versorgungsbaustein", so Gündel.

Auch andere Versorgungsangebote werden getestet, so zum Beispiel Fortbildungen für Pflegekräfte in Heidelberg: "Hier bekommen Beschäftigte ab ihrem 45. Lebensjahr konkrete Möglichkeiten aufgezeigt, trotz zunehmendem Alter und Arbeitsbelastung psychisch stabil zu bleiben," so Herzog.

Es seien nicht die "Faulen", sondern die Fleißigen und "100-Prozentigen", die sich oft mit zunehmendem Alter und einer steigenden Arbeitsbelastung nicht mehr zurechtfänden, warnte er.

"Mit rund 40 Prozent sind psychische Erkrankungen die Hauptursache für Frühberentung", berichtete Professor Claus Bartram, Dekan der Heidelberger Medizinischen Fakultät. Tendenz steigend. (mm)

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