Ärzte Zeitung online, 09.11.2016

Eltern sind schlechte Vorbilder

Immer mehr Kinder internetabhängig

BERLIN. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) hat vor der Suchtgefahr von Smartphones, Tablets oder Computern gewarnt. 500.000 bis 600.000 Menschen in Deutschland sind Schätzungen zufolge internetabhängig, die Mehrheit davon sind Kinder und Jugendliche.

Bereits 70 Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen benutzten ein Smartphone, sagte Mortler bei einer Konferenz zu Internet- und Computerspielabhängigkeit am Mittwoch in Berlin. "Wenn wir internetmündige Kinder wollen, brauchen wir Eltern, Lehrer und Erzieher, die dies selbst vorleben."

Ein schlechtes Medienverhalten der Eltern beeinflusse die Kinder. Dabei fühlen sich 70 Prozent der Eltern derzeit unsicher, wie der richtige Umgang mit Medien aussehen könnte.

Mortler forderte angesichts dieser Problemlage eine neue Forschungsstrategie des Bundes zu den individuellen und gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung. Das Thema Internetabhängigkeit sei dabei maßgeblich. "Abstinenz ist nicht die Option – aber wir müssen herausfinden, was es ist."

Aktuell nehme bei Jugendlichen das Störungsbild der "Internet Gaming Disorder" zu, betonte Dr. Florian Rehbein am Mittwoch. Die Prävalenz der Computerspielabhängigkeit liegt dem Mitarbeiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen zufolge bei 1,2 Prozent – und damit noch vor der Cannabis- und Medikamentenabhängigkeit mit einer Prävalenz von 0,5 Prozent.

Studien zu der dauerhaften und wiederkehrenden Nutzung des Internets zu Spielzwecken gibt es Rehbein zufolge noch zu wenige. (mam)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[12.11.2016, 14:43:03]
Wolfgang P. Bayerl 
Überschrift verfehlt
Nicht die "Eltern" laufen mit smart-phones durch die Gegend, sondern die Kinder!
Ich habe auch ein handy, allerdings für 20€ ohne Internet und Kamera
und das schalte ich auch nicht selten ab.
Eltern werden von Schule und Staat und Medien kastriert und entmündigt.
 zum Beitrag »
[11.11.2016, 11:02:31]
Klaus Günterberg 
Die Sachlage ist eindeutig. Da braucht es keine neuen Studien - man muss etwas tun.
Internetsucht ist keine neue Krankheit. Die Studie zeigt aber, dass das Ausmaß deutlich zunimmt; das Ergebnis ist nicht überraschend. Man erreicht aber mit Studien und Statistiken weder Kinder noch Jugendliche. Die erreicht man, wenn überhaupt, nur mit Emotionen.
Da empfehle ich allen Eltern und Erziehern, auch den gegen die Internetsucht Engagierten, den neuen, modernen Struwwelpeter: "Der Cyber-Peter" (ISBN 9783944224-756), erschienen bereits 2013, in zweiter Auflage 2015. Dort sind die Sucht nach Handy, Computerspielen, die Folgen des Starrens auf den Bildschirm, von Bewegungsarmut und manche anderen Probleme unserer Zeit in lyrischer Form geschildert. Ein Buch zum Lesen und Vorlesen, gemacht für Kinder und Jugendliche und gegen ebendiese Internetabhängigkeit: http://www.verlag-kern.de/unsere-bucher/der-cyber-peter/

„… Wirr das Haar und starr der Blick,
Peter hat den Cyber-Tick. …“

Die Sachlage ist eindeutig, da braucht es weder neue Studien noch Forschungsstrategien – man muss etwas tun. Es geht hier nicht um Diagnostik, es geht vielmehr um Prophylaxe und Therapie.

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe
Berlin-Mahlsdorf
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Natürliche Cholesterinsenker" bei Statin-Intoleranz?

Nahrungsergänzungsmittel als "natürliche Cholesterinsenker" sind umstritten. Bei Patienten mit Statinunverträglichkeit können sie aber hilfreich sein. Was empfehlen Experten? mehr »

Bei der Digitalisierung viel Luft nach oben

Die KBV hat nachgefragt, was sich in Sachen Digitalisierung in den Arztpraxen schon getan hat. Fazit: Manches ist schon umgesetzt. Wo sind noch ungenutzte Chancen? mehr »

Forscher entdecken Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben

12.43Eine Pilotstudie hat winzige Plastikpartikel in menschlichen Stuhlproben gefunden – weltweit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat unterdessen eine erste Stellungnahme abgegeben. mehr »