Ärzte Zeitung, 08.02.2017
 

Schleswig-Holstein

Ärzte kämpfen um Brustkrebs-Früherkennungsprogramm

Das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm QuaMaDi steht im Norden vor dem Aus. Die KV Schleswig-Holstein und lokale Ärzte wollen für den Erhalt kämpfen.

Von Dirk Schnack

Ärzte kämpfen um Brustkrebs-Früherkennungsprogramm

Die Mammografie ist Teil des QuaMadi-Programms, das viele Ärzte im Norden sehr schätzen.

© Sven Bähren / fotolia.com

RENDSBURG. KV und Gynäkologen in Schleswig-Holstein kämpfen um die Zukunft des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms QuaMaDi. Obwohl die Krankenkassen das Programm in der bisherigen Form nicht beibehalten wollen und eine Förderung durch den Innovationsfonds abgelehnt wurde, sehen die KV und die Mitglieder der wichtigsten beteiligten Fachgruppe gute Argumente für eine Fortführung. Deutlich wurde dies auf dem 20. schleswig-holsteinischen Gynäkologentag in Rendsburg, wo KV-Chefin Dr. Monika Schliffke künftige Ziele für QuaMaDi nannte.

Schliffke will das Programm weiterentwickeln und zu beschleunigten Prozessabläufen, zu einer Entbürokratisierung und damit zu niedrigeren Kosten führen. Erforderlich ist dafür auch eine digitale Erfassung des gynäkologischen Aufnahmebogens, von Bildern und pathologischen Befunden, die dann auf einer gesicherten IT-Plattform den anderen beteiligten Ärzten bereitgestellt werden. Damit könnte nicht nur die Zweitbefundung beschleunigt, sondern auch Druck- und Kurierkosten eingespart werden.

Telematikkonzept steht

Das Konzept für die Telematiklösung hat die KV bereits mit großem finanziellen Aufwand erstellt, darüber hinaus ist auch die europaweite Ausschreibung erfolgt.

Nun setzt Schliffke darauf, dass die Krankenkassen das neue Konzept überzeugt. Die Gynäkologen sind es ohnehin. "QuaMaDi ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte", sagte die Kieler Gynäkologin Dr. Christiane Schwerk. Schliffkes Zahlen geben ihr recht: Das 2001 gestartete Projekt im Norden hat dazu geführt, dass Tumore früher entdeckt und damit weniger aufwändig und mit größeren Erfolgsaussichten behandelt werden konnten. Folge: Wenn Brustkrebs im QuaMaDi-Programm diagnostiziert wird, ist die Überlebenschance der betroffenen Frau um 22 Prozent größer als bei einer Diagnose außerhalb von QuaMaDi.

Länderübergreifendes Ansehen

Über QuaMaDi gibt es jährlich rund 75000 Untersuchungen, die von 71 Radiologen in 37 Praxen und 371 Gynäkologen in 258 Praxen sowie in vier Kompetenzzentren geleistet werden. Auch unter Frauenärzten in anderen Bundesländern genießt das Programm hohes Ansehen. Mecklenburg-Vorpommerns Gynäkologen-Chef Ulrich Freitag sagte in Rendsburg: "Es ist sensationell, was Sie erreicht haben. Das hier ist die Speerspitze." Er wünscht sich nicht nur eine Fortführung des Programms, sondern eine Ausdehnung auch auf sein Bundesland.

Schliffke konzentriert sich aber vorerst auf die kürzlich wieder aufgenommenen Gespräche mit den Kassen für Schleswig-Holstein. Unterstützung erhält sie auch von der Landesregierung, die eine finanzielle Förderung in Aussicht gestellt hat. Als frühesten Temin für eine Umsetzung des digitalen QuaMaDi nannte Schliffke den ersten Oktober 2017.

Voraussetzung dafür ist aber auch, dass sich noch mehr Gynäkologen am KVSafenet und damit am gesicherten digitalen Austausch beteiligen. Die Berufsverbandsvorsitzende Doris Scharrel rief ihre Kollegen zu einer stärkeren Beteiligung auf.

Über eine in der Versammlung angeregte Aufklärung der Patientinnen über das drohende Aus für das Programm gibt es unterschiedliche Meinungen.

Monika Schliffke rief unter Verweis auf das bislang nicht gekündigte Programm dazu auf, die Patientinnen nicht zu verunsichern und unbedingt auf eine Verhandlungslösung zu setzen. Eine Kündigung von Seiten der Krankenkassen würde aber "nicht ohne Nachhall bleiben", versicherte die KV-Chefin.

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