Ärzte Zeitung online, 16.03.2017

Präventionsgesetz

Rosenbrock verärgert über Kassen

BERLIN. Die Krankenkassen missachten die Vorgaben des Präventionsgesetzes. Diese Kritik äußerte der Gesundheitswissenschaftler Professor Rolf Rosenbrock im Vorfeld des Kongress Armut und Gesundheit in Berlin. Er bemängelte vor allem die Qualität der Landesrahmenvereinbarungen. Meistens sei darin nicht verbindlich festgelegt worden, wie die Kassen künftig zusammenarbeiten wollen.

In den meisten Vereinbarungen bleibe es den einzelnen Kassen vorbehalten, eigene Interventionen mit Vertretern aus Kita, Schulen oder Stadtteilen auf den Weg zu bringen, so Rosenbrock . "Das sind zuweilen nur Flicken und nicht mal mehr ein Teppich", ärgerte er sich.

Die Vereinbarungen zeugten von einem Machtgefälle zwischen Ländern und Krankenkassen. Die Kassen-Chefs hätten ihre Interessen offenbar durchgesetzt. Er habe Zweifel, ob die Kassen tatsächlich die richtigen Akteure in der Prävention seien. Kassenübergreifende Lösungen zählten zu den Kernpunkten des Präventionsgesetzes, das Mitte 2015 in Kraft trat. Sollten die Landesrahmenvereinbarungen nicht mehr korrigiert werden, befürchtet Rosenbrock, dass das Präventionsgesetz "nur einen Bruchteil seiner möglichen Wirkung" erreichen wird.

Dr. Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut verwies vor Journalisten darauf, dass Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigen Sozialstatus sich deutlich ungesünder ernähren, seltener Sport treiben und eher übergewichtig sind. Nur acht Prozent der Kinder mit niedrigen Sozialstatus würden in den ersten Lebensmonaten gestillt werden. In den höheren Einkommensschichten werden 30 Prozent der Neugeborenen gestillt. Insgesamt haben Männer und Frauen mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze im Vergleich zu Besserverdienern eine um mindestens acht Jahre verkürzte Lebenserwartung bei der Geburt. Auch hätten sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein zweifach erhöhtes Risiko, an einer Depression oder Angststörung zu erkranken. (wer)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Spahn soll Gesundheitsminister werden

Jünger und weiblicher will die CDU-Chefin ihr Kabinett und ihre Partei machen. In Männerhand bleibt das Gesundheitsressort: Jens Spahn soll hier der neue Minister werden. mehr »

Als Ärzte zu Mördern wurden

Vor 78 Jahren haben Ärzte auf der Schwäbischen Alb in Grafeneck erstmals Patienten mit Gas ermordet. Nachdem 10.654 Menschen tot waren, setzte das Schweigen ein. Jetzt hat die Ärztekammer an das dunkle Kapitel erinnert. mehr »

Praxen und Kliniken melden "Land unter"

Die heftige Grippewelle bringt Arztpraxen und Krankenhäuser an die Kapazitätsgrenzen. Manche Praxen müssen selbst wegen vieler erkrankter Mitarbeiter schließen, Kliniken nehmen teilweise keine Patienten mehr an. mehr »