Ärzte Zeitung, 17.08.2017
 

Prävention

Gesundheit soll in sächsischen Schulen mehr verankert werden

Das Kultusministerium in Sachsen signalisiert Zustimmung zu Vorschlägen der Ärztekammer. Der Körperschaft reichen mehr Gesundheitsthemen im Unterricht nicht. Sie will sogar Gesundheit als eigenes Schulfach.

Von Sven Eichstädt

Gesundheit soll in sächsischen Schulen mehr verankert werden

Gesunde Ernährung lernen: Grundschulkinder beim Zubereiten einer gesunden Mahlzeit.

© Bernd Thissen / dpa

DRESDEN. Das sächsische Kultusministerium unterstützt die Initiative der Landesärztekammer für mehr Gesundheitsthemen im Unterricht. Das Ministerium stimme dem Ziel der Kammer zu, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu befähigen, sich einen gesundheitsfördernden Lebensstil anzueignen, hieß es aus dem Ministerium. Dazu verwies die Behörde auf ein neues Gesetz für das Schulwesen im Freistaat von April, in dem es unter anderem heißt: "Die Schüler sollen insbesondere lernen, (…) sich gesund zu ernähren und gesund zu leben."

Zuvor hatte die Landesärztekammer in Dresden verlangt, dass Gesundheitswissen und ein gesundheitsbewusster Lebensstil mehr in den Bildungs- und Lehrplänen von Kindertagesstätten und Schulen verankert werden sollen. "Je früher wir Kindern eine gesunde Lebensweise vermitteln und sie dafür begeistern, desto besser", sagt Petra Albrecht, Vizepräsidentin der Kammer. "Sie sollen die Zusammenhänge zwischen Lebensführung und Gesundheit besser verstehen und zu einer gesundheitsförderlichen Lebensführung motiviert werden." Allerding brauchten Lehrer aber auch den Freiraum, Gesundheitsthemen fächerübergreifend in den Unterricht zu integrieren, ohne mit dem Lehrplan in Konflikt zu geraten, ergänzte Albrecht.

Freiräume für Lehrer

Diesen Aspekt stellte auch das Kultusministerium heraus: "Es geht darum, Gesundheitsförderung ganzheitlich zu betrachten", sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. "Lehrkräfte haben hierfür pädagogische Freiräume zur eigenverantwortlichen Umsetzung." Die Landesärztekammer schlägt sogar ein eigenes Unterrichtsfach "Gesundheit" vor sowie, dass Gesundheitsthemen schon in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern integriert werden.

Ginge es nach den Vorstellungen der Kammer, sollte ab der ersten Klasse eine Stunde pro Woche das Fach "Gesundheit" unterrichtet werden. "Besser wäre ein fächerverbindender Unterricht, also in Deutsch ein Text zum Essen, in Mathe Kalorien vergleichen, in Sachkunde essbare Pflanzen und in Gemeinschaftskunde Essen in anderen Ländern", sagte Kammer-Sprecher Knut Köhler.

Einbindung der Eltern wichtig

Als konkrete Inhalte des Gesundheitsunterrichts stehen der Kammer beispielsweise "Ernährung, Bewegung, gesundes Kochen, nachhaltiger Lebensmitteleinkauf und versteckte Fette und Zucker" vor Augen. Wichtig sei dabei die Einbindung der Eltern. "Ungesunde Ernährung wird vom Elternhaus vorgelebt", so Köhler.

Die Körperschaft spricht sich zudem für höhere Steuern für ungesunde Lebensmittel aus. Mit den so eingenommenen Mitteln könnten Schulungen finanziert oder in allen Schulkantinen gesundes Mittagessen angeboten werden. Dass es an gesundem Essen in Schulen in Sachsen großen Bedarf gibt, zeigt ein aktuelles Beispiel. Ab Ende März konnten sich sächsische Grund- und Förderschulen für die Teilnahme an einem EU-Schulprogramm und damit an Lieferungen von kostenlosem Obst, Gemüse sowie Milch und Joghurt bewerben. Schon nach zwei Wochen teilte das Landwirtschaftsministerium mit, dass keine neuen Bewerbungen angenommen werden könnten.

Die EU hatte das Schulmilchprogramm, das in Sachsen seit 1993 angeboten wird, und das EU-Schulobstprogramm zu einem Programm zusammengefasst. Sachsen erhält von der EU für das neue Schuljahr rund zwei Millionen Euro, davon 1,36 Millionen Euro für Obst und Gemüse sowie 665.000 Euro für Milch. Neu im EU-Schulprogramm ist eine stärkere Betonung von begleitenden pädagogischen Maßnahmen – wie Besuche auf dem Bauernhof oder das Ablegen eines Ernährungsführerscheins.

1,36 Millionen Euro

erhält Sachsen im Rahmen des EU-Schulprogramms in diesem Schuljahr allein für Obst und Gemüse. Weitere 665.000 Euro sollen für die Versorgung der Schüler mit Milch fließen.

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