Ärzte Zeitung online, 01.10.2018

Freier Verkauf startet

Online-Informationen zum HIV-Selbsttest

HIV-Selbsttests dürfen ab sofort frei verkauft werden. Bundesgesundheitsministerium und Paul-Ehrlich-Institut bieten auf einer gemeinsamen Online-Plattform viele Hintergrund-Informationen dazu.

Online-Informationen zum HIV-Selbsttest

HIV-Heimtest: Interessierte können nun auf freiverkäufliche Selbstests zurückgreifen. Wichtige Infos rund um solche Tests hat das Paul-Ehrlich-Institut zusammen mit dem BMG erarbeitet.

© bisonov /stock.adboe.com

BERLIN. Mit einem gemeinsam entwickelten Informationsangebot unterstützen das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen die freiwillige Selbsttestung auf HIV.

Unter www.pei.de/hiv-selbsttests gibt es Online-Hilfe bei der Produktauswahl, aber auch Antworten auf wichtige Fragen, etwa wie es nach einem positiven Ergebnis für Betroffene weitergeht. Hinzu kommen Hinweise zu Beratungsmöglichkeiten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist überzeugt von der neuen Website: "Wir wollen Menschen unterstützen, die sich freiwillig auf HIV testen wollen", sagt er. "Die Verkaufsfreigabe von HIV-Selbsttests ist damit ein weiterer Baustein im Kampf gegen HIV und Aids."

Die Fachinfos auf der neuen Webseite sollen HIV-Selbsttestern wichtige Orientierung geben. Zugleich sollen sie helfen, Vorbehalte gegen die Tests abzubauen.

"Je früher Betroffene von einer HIV-Infektion wissen, desto früher kann ihre Behandlung beginnen", sagt Spahn: "Und wer unsicher ist, ob eine Infektion vorliegt, will schnell Gewissheit."

Auch PEI-Präsident Professor Klaus Cichutek unterstützt das Info-Konzept: "Es ist uns ein besonderes Anliegen, unsere Expertise einzubringen, wenn Menschen die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu testen", sagt Cichutek.

Freier Verkauf von Selbsttests

Am 21. September 2018 hat der Bundesrat grünes Licht für den freien Verkauf von HIV-Selbsttests gegeben. Damit sinkt die Schwelle, sich auf HIV testen zu lassen.

Auch Menschen, die bislang vor einem Test beim Arzt zurückschreckten und sich gar nicht oder nur unregelmäßig haben testen lassen, können jetzt erreicht werden.

Ein wichtiges Kriterium für die Freigabe ist aus Sicht der politischen Entscheidungsträger die Tatsache, dass HIV-Infektionen durch die lange Symptomlosigkeit häufig über viele Jahre unerkannt bleiben. Scham oder Angst vor einer positiven Diagnose sollten aber keinen Menschen daran hindern, sich durch einen Test Gewissheit zu verschaffen.

Das PEI lässt in einer Pressemitteilung keinen Zweifel: Die Anstrengungen im Kampf gegen Aids dürfen in Deutschland in Zukunft nicht nachlassen.

Dafür bedarf es vieler Maßnahmen, vor allem Aufklärung und Information. Die Möglichkeit, zunächst selbst einen Test zu machen, kann wesentlich dazu beitragen.

In Deutschland gab es Ende 2016 nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts 88.400 Menschen, die mit HIV/Aids lebten (siehe nachfolgende Grafik). (fuh/ths)

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