Ärzte Zeitung online, 08.05.2019

Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Rausch auf dem Rückzug

Ade Komasaufen? Junge Menschen trinken deutlich seltener Alkohol, so die BZgA. Die Behörde verbucht den Rückgang als politischen Erfolg.

Von Florian Staeck

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Jugendliche tragen einen Bierkasten: Die Häufigkeit, mit der Jugendliche und junge Erwachsene Alkohol konsumieren, ist in den letzt 15 Jahren stark zurückgegangen.

© Rene Ruprecht/ dpa / picture alliance

BERLIN. Die Zahl der 12- bis 17-Jährigen, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, ist in den vergangenen 15 Jahren drastisch gesunken. Das hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer Repräsentativbefragung 2018 ermittelt.

Die neuen Studiendaten sind am Mittwoch in Berlin vorgestellt worden. Demnach trinken 8,7 Prozent der Jugendlichen dieser Altersgruppe regelmäßig Alkohol, im Jahr 2004 waren es noch 21,2. Nach Angaben der BZgA handelt es sich um einen „historisch niedrigen Stand“.

„Zielgruppen werden erreicht“

Rückläufig ist auch die Quote bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Jeder Dritte konsumiert den neuen Zahlen zufolge regelmäßig Alkohol, im Jahr 2004 waren es noch 43,6 Prozent. Nach Ansicht von Behördenleiterin Dr. Heidrun Thaiss sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass „die gemeinsamen Anstrengungen in der Alkoholprävention von Bund, Ländern und Kommunen die Zielgruppe erreichen“.

Vergleichsweise konstant geblieben ist in den vergangenen fünf Jahren mit 13,6 Prozent der Anteil der bis zu 17-Jährigen, die sich in den letzten 30 Tagen vor der Befragung in einen Rausch getrunken haben.

Doch auch hier ist der Trend im Vergleich zum Jahr 2004 mit 22,4 Prozent rückläufig. Beim Rauschtrinken in der Gruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) zeigt sich beim aktuellen Wert von 37,8 Prozent im Vergleich zu 2016 ein Anstieg (32,6 Prozent).

Ursache dafür sei ein wieder häufigeres Rauschtrinken bei jungen Männern. Positiv ist hingegen, dass sich das Alter des ersten Alkoholkonsums der Erhebung zur Folge erneut leicht erhöht hat und aktuell bei 15 Jahren liegt (2004: 14,1 Jahre). Auch das Alter des ersten Alkoholrauschs hat sich im selben Zeitraum von 15,5 auf 16,3 Jahre zeitlich nach hinten verschoben.

Plakate haben größte Reichweite

Positiv ist auch der Trend mit Blick auf die sogenannte Lebenszeitprävalenz des Alkoholkonsums – Jugendliche, die nach eigenen Angaben noch nie alkoholische Getränke probiert haben. Der Anteil der entsprechenden männlichen Jugendlichen ist von 10 (2001) auf 35 Prozent (2018) gestiegen. Bei jungen Frauen derselben Altersklasse hat sich die Quote derer, die angeben abstinent zu sein, von 14,5 (2001) auf 40,6 Prozent erhöht.

Alle zwei Jahre erhebt die BZgA im Rahmen des Alkoholsurveys, inwieweit die seit 2009 laufende Präventionskampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“ bei den Altersgruppen ankommt. Den größten Bekanntheitsgrad erreichen mit 64 Prozent Kampagnenplakate der Bundeszentrale. Online-Banner mit dem Slogan sind 42,2 Prozent der Befragten vertraut.

Die Reichweite der Kampagne variiert indes mit dem besuchten Schultyp. Fast 84 Prozent der Gymnasiasten werden durch Informationen über den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erreicht, bei Gleichaltrigen, die andere Schulformen erreichen, sind es 57,6 Prozent. Dieser Bildungsgradient in der Aufklärung setzt sich auch in höheren Altersklassen fort.

Die Gesamtreichweite der BZgA-Kampagne über alle Kanäle hinweg sinkt allerdings seit mehreren Jahren. Noch 2012 kannten fast 94 Prozent der 12- bis 17-Jährigen die „Kenn dein Limit“-Aktion, im Vorjahr waren es noch 80 Prozent. Die Behörde will daher die Kampagne stärker auf ausgewählte Lebenswelten und einzelne Teilgruppen zuschneiden. Speziell geschulte Jugendliche („Peers“) sollen dabei Gleichaltrige „auf Augenhöhe“ ansprechen.

Junge Kampftrinker

  • Rauschtrinken – fünf Gläser Alkohol oder mehr – unter Jugendlichen hat deutlich abgenommen.
  • Im Jahr 2007 gab noch jeder vierte 12- bis 17-Jährige an, in den vergangenen 30 Tagen mindestens einmal mehr als fünf Gläser getrunken zu haben (2018: 13,6 Prozent).
  • Riskante Alkoholmengen (mehr als 24 Gramm pro Tag bei Männern und 12 Gramm bei Frauen) nahmen im vergangenen Jahr 3,1 Prozent der Jugendlichen zu sich (2001: 6,6 Prozent). Bei den jungen Erwachsenen waren es 15,5 Prozent (2001: 17,7 Prozent).
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