Ärzte Zeitung, 01.03.2013

"Versorgungslandschaft Rheuma"

Hand in Hand gegen Rheuma

Die Zeit drängt: Ob Rheuma-Patienten eine wirksame Linderung erfahren, hängt davon ab, wie rasch und effizient Haus- und Fachärzte zusammenarbeiten. Hier setzt die "Versorgungslandschaft Rheuma" an.

Von Helmut Laschet

Hand in Hand gegen Rheuma

Bestätigung einer Verdachtsdiagnose des Hausarztes durch den Rheumatologen.

© mivenion GmbH

NEU-ISENBURG. Zeit ist ein entscheidender Faktor dafür, wie wirksam heute Patienten mit schweren rheumatischen Erkrankungen geholfen werden kann.

Prinzipiell vorhandenes Wissen in der Medizin ist damit nur eine unabdingbare Voraussetzung für effektive Therapie - die andere ist ein erfolgreiches Management verschiedener Versorgungsebenen: die systematische Kooperation von Haus- und Fachärzten.

Die "Versorgungslandschaft Rheuma", gemeinsam vom Hausärzteverband und vom Berufsverband Deutscher Rheumatologen entwickelt, schafft dafür die Voraussetzungen.

Aufgabe des an der IV-Versorgung teilnehmenden Hausarztes ist es, die Verdachtsdiagnose zu stellen, basierend auf der Überprüfung des Gelenkstatus, einer Schmerzbefragung mit Skalierung und Labortests.

Wartezeit maximal 14 Tage

"Versorgungslandschaft Rheuma"

Vertragspartner: Krankenkassen, Hausärzteverband, Berufsverband Deutscher Rheumatologen, Versorgungslandschaft Rheuma GmbH, Hausärztliche Vertragsgemeinschaft AG und Managementgesellschaft des BDRh

Versorgungsziele: Frühzeitige Zuweisung zur Differentialdiagnose, Koordinierte und arbeitsteilige Zusammenarbeit zwischen Haus- und Facharzt, Wartezeiten-Management, Verringerung der Krankheitsaktivität, Erhöhung der Funktionskapazität, Steigerung der Lebensqualität und Teilhabe des Patienten

Nach dieser Eingangsdiagnostik soll innerhalb von 14 Tagen ein Termin beim Rheumatologen vereinbart sein, in dringenden Fällen wird umgehend ein Termin fixiert.

Der Rheumatologe sichert die Diagnose und legt eine Therapie inklusive patientenindividuell vereinbarter Zielwerte fest. Er definiert die notwendigen Arzneimittel einschließlich Biologicals.

In einem Konsil mit dem Hausarzt wird das Therapieregime besprochen, und insbesondere bei schweren und komplexen Verläufen der - kurzfristige - Rhythmus von Kontrolluntersuchungen durch den Rheumatologen.

Aufgabe des Hausarztes nach gesicherter Diagnose ist es wiederum, den Therapieverlauf zu überwachen. Dazu gehört auch die Prüfung der individuell für jeden Patienten festgelegten Zielwerte, auch vor dem Hintergrund möglicherweise existierender Hinderungsgründe.

Sonderfall Transitionsprozess

Ein klarer Algorithmus beschreibt, bei welchen Konstellationen der Hausarzt eine Überweisung zum Facharzt veranlassen muss. Obligatorisch ist eine fachärztliche Konsultation mindestens jährlich vorgesehen.

Ein besonderes Problem stellen Jugendliche mit rheumatischen Erkrankungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden dar. Die Versorgungslandschaft Rheuma beschreibt dafür den Transitionsprozess für die betroffenen Patienten im Alter zwischen 16 und 24 Jahren.

Aus diesem Grund sind auch Kinder- und Jugendrheumatologen in den Vertrag eingebunden.

Das Ziel dieses Prozesses ist es, durch Transitionsgespräche zwischen dem jungen betroffenen Patienten, dem bislang behandelnden Kinder- und Jugendrheumatologen und dem Facharzt für Rheumatologie die Fortsetzung der Therapie in der koordinierten Regie von Haus- und Facharzt sicherzustellen.

Auch Krankenhäuser können teilnehmen

Über den Zeitpunkt der Transition muss der Kinder- und Jugendrheumatologe entscheiden. Dazu kontaktiert er in Absprache mit seinem Patienten einen Hausarzt, der den Patienten in die hausarztzentrierte Versorgung und den IV-Vertrag einschreibt.

Es folgen fünf quartalsweise Wiedervorstellungen sowohl beim Jugendrheumatologen wie auch beim Facharzt für Rheumatologie, möglichst in einer gemeinsamen Sprechstunde. Diese wiederum informieren mit einem Kurzarztbericht den betreuenden Hausarzt.

Eingebunden werden können auch Krankenhäuser mit rheumatologischer Kompetenz. Das erfordert mindestens zwei hauptamtliche Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie, die mindestens 240 Versicherte mit chronisch entzündlichen Rheumaerkrankungen jährlich betreuen.

www.hausaerzteverband.de oder Anfrage per E-Mail an info@versorgung.de.

Die Vorteile der Integration

In wesentlichen Punkten unterscheiden sich die "Versorgungslandschaften" von der Regelversorgung:

Vertragspartner: In der Regelversorgung schließen Kassen getrennt für jeden Sektor Verträge. In Versorgungslandschaften werden die Versorgungssektoren in einen einheitlichen Vertrag eingebunden.

Qualitätsvoraussetzungen: In Versorgungslandschaften gibt es Fortbildungsverpflichtungen in definierten Themengebieten; Schnittstellen sind definiert; es existieren bindende Regelungen zur Überweisung von Haus- zu Fachärzten, Rücküberweisungen an den Hausarzt, Informationsverpflichtungen und gemeinsame Konsile.

Teilnahmeberechtigte Ärzte: Nur wer definierte Qualitätsanforderungen über dem Standard der GKV erfüllt, ist teilnahmeberechtigt.

Vergütung: In der Regelversorgung setzt die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung via Regelleistungsvolumina Grenzen. In Versorgungslandschaften sollen Zusatzpauschalen leistungsabhängig ohne Fallzahlbegrenzung vereinbart werden. (HL)

"Möglichst frühe Diagnose und Therapie"

Die kooperative Struktur der Versorgungslandschaft Rheuma ist aus Sicht von Dr. Edmund Edelmann, dem ersten Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen, der entscheidende Vorteil des IV-Modells.

"In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Patienten mit chronisch entzündlichen Rheumaformen bekannt. In der bisherigen Versorgung haben wir das Problem, dass oft die falschen Patienten zum Rheumatologen überwiesen werden und dass Versorgungsengpässe entstehen, da zu wenig Rheumatologen existieren.

In der Versorgungslandschaft Rheuma wird eine optimale und effiziente Versorgung von Patienten mit entzündlichen Rheumaformen angeboten und soll gewährleisten, dass die Patienten mit chronisch entzündlichem Rheuma möglichst frühzeitig vom Hausarzt erkannt werden und gezielt an den Rheumatologen zur definitiven Diagnosestellung und Therapieeinleitung überwiesen werden. Es ist bekannt, dass, je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer die Erfolgsaussichten der Therapie sind. Eine strukturierte Kooperation zwischen Hausärzten, Rheumatologen und stationären rheumatologischen Einrichtungen mit konsentierten qualitätsorientierten Behandlungspfaden soll gewährleisten, dass dauerhaft und in jeder Versorgungsebene eine Leitlinien-gerechte Langzeitbehandlung erfolgt.

Das Ziel einer deutlichen Verminderung von Morbidität und Mortalität der verschiedenen chronisch-entzündlichen Rheumaformen ist mit der kooperativen Struktur der Versorgungslandschaft Rheuma in hervorragender Weise erreichbar."

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