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Forderung

Diabetiker besser schulen!

Diabetiker in Deutschland müssen besser geschult und beraten werden, fordern Experten. Profitieren würden davon nicht zuletzt die niedergelassenen Ärzte.

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BERLIN. Diabetiker sehen sich häufig im Stich gelassen. "99,9 Prozent der Patienten sind auf sich alleine gestellt", sagt Jan Twachtmann von der Deutschen Diabetes-Hilfe.

Der Grund: Betroffene und ihre Angehörigen hätten erheblichen Nachholbedarf an Schulung und Beratung.

Diese Lücke in der Regelversorgung werde allzu häufig durch die Leistungen von Selbsthilfegruppen kaschiert, betonte Twachtmann in der Cognomed-Veranstaltung "Diabetesversorgung in Deutschland".

Würden Schulungen durchgeführt, müssten sie oft ein Leben lang vorhalten. Auffrischungen würden nicht in ausreichendem Maße angeboten - ein Missstand im Versorgungssystem, der nicht nur Patienten, sondern auch die Kassen betreffe, hieß es in der Veranstaltung.

Von insgesamt sechs Millionen Diabetikern in Deutschland leiden etwa 95 Prozent an Typ II der Erkrankung. Experten gehen von einer Dunkelziffer von etwa zwei bis fünf Millionen Kranken aus. Betroffen seien vor allem Bewegungsmuffel und rauchende Junk-Food-Fans.

Einer Rechnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft zufolge entstehen für die Behandlung des Diabetes und seiner Folgekrankheiten Kosten in Höhe von 25 Milliarden Euro pro Jahr.

Risikogruppen direkt ansprechen und Adhärenz stärken

Dabei gäbe es einfache Maßnahmen, um die Gesundheitskompetenz der Betroffenen zu stärken.

- Risikogruppen direkt ansprechen. Auf diese Weise ließe sich die Krankheit frühzeitig in den Griff bekommen, sagte Professor Andreas Fritsche von der Universitätsklinik Tübingen. Er schlägt vor, dass Ärzte bei Check-Up Untersuchungen ab dem 35. Lebensjahr künftig gezielt auf Diabetes testen sollen.

- Adhärenz stärken. Wirken Patienten bei der Behandlung des Arztes nicht aktiv mit, drohen Folgeerkrankungen und Komplikationen.

"Ohne Engagement der Patienten verliert die ärztliche Behandlung im Schnitt mehr als ein Viertel ihrer Wirkung", referierte Claudia Leippert vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland.

Eine Steigerung der Therapietreue lasse Diabetiker, Ärzte und Kostenträger gleichermaßen profitieren. Ärzte würden schneller zu Heilerfolgen gelangen und gesparte Behandlungskosten ließen sich an anderer Stelle verwenden.

Entscheidend dafür sei erfolgreich erlerntes Selbstmanagement der Patienten. Die Kosten dafür seien ungleich geringer als Komplikationen infolge mangelnder Therapietreue, erklärte Leippert .

Datenlage zu Diabetes macht Forscher fassungslos

Um richtig zu schulen, müsse jedoch zunächst der Bedarf an Leistungen genau abgebildet werden. Die Datenlage zu Diabetes in Deutschland sei allerdings schlecht, hieß es. Wer beispielsweise nach der Anzahl der Typ I Diabetiker in Deutschland suche, erhalte, je nach Quelle, Zahlen zwischen 56.000 und einer Million.

"Fakt ist, wir brauchen verlässliche Hinweise für eine sinnvolle Versorgungssteuerung", sagt Professor Thomas Wilke vom Institut für Pharmaökonomie und Arzneimittellogistik in Wismar. Auf dem Weg zu Erkenntnissen haben sich AOK Plus, Novo Nordisk und Wilke mit dem Institut für Phamakoökonomie und Arzneimittellogistik gemacht.

In einer "Hybridstudie" untersuchen die Wissenschaftler die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Sicherheit, Verträglichkeit und die Gesamtkosten der Behandlung mit einem GLP 1-Analogon im Vergleich zu einer beliebigen Insulintherapie.

Das Projekt ist über mehrere Jahre angelegt. Im Mittelpunkt stehe dabei, so Wilke, die sinnvolle Verknüpfung vorhandener Kassendaten mit den Erkenntnissen aus der realen Versorgung.

Die Regierung will Initiativen in der Versorgungsforschung fördern. Insgesamt 75 Millionen Euro im Jahr sollen künftig für derartige Vorhaben zur Verfügung stehen. Die Mittel dafür stammen aus dem von der großen Koalition geplanten Innovationsfonds, der 300 Millionen Euro umfasst. (mh)

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