Ärzte Zeitung, 24.01.2017
 

Neurodermitis

Landkinder im Nordosten leiden zunehmend an Allergien

Fast jedes vierte Schulkind in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leidet unter Allergien, dabei trifft es zunehmend Kinder, die auf dem Land leben. Das zeigen erste Ergebnisse eines "Kinderreports" der AOK Nordost.

Von Julia Frisch

Landkinder  im Nordosten leiden zunehmend an Allergien

Neurodermitis: Laut AOK Nordost die häufigste allergische Erkrankung bei Kindern im Nordosten.

© Oliver Berg / dpa

BERLIN. "Bemerkenswert" findet das Gesundheitswissenschaftliche Institut Nordost (GeWINO) der AOK Nordost, dass die Zahl der Allergiker unter den Schulkindern in den Städten und Ballungsräumen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leicht zurückgeht, während im ländlichen Raum innerhalb der vergangenen zehn Jahre ein Anstieg der Fälle zu beobachten ist.

Nach ersten Auswertungen von Daten zeigt sich: Rund 23 Prozent der Schulkinder im Nordosten im Alter von sechs bis 16 Jahren sind Allergiker. An der Spitze liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 24 Prozent, gefolgt von Brandenburg mit 23 Prozent. In Berlin sind 22 Prozent der Schulkinder von allergischen Erkrankungen betroffen.

Positive Entwicklung in Berlin

Seit 2006 ist der Anteil von Schulkindern mit Allergien im ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern um 3,2 Prozent und in Brandenburg um 0,8 Prozent gestiegen. In Berlin ist ihr Anteil dagegen um 1,4 Prozent gesunken.

Laut Mitteilung variiert die Allergiehäufigkeit zwischen den Landkreisen und Stadtbezirken in Nordost zwischen 18 und fast 28 Prozent. Besonders gering ist der Anteil allergischer Schulkinder in Berlins nordwestlichem Bezirk Reinickendorf mit 17,6 Prozent, besonders hoch im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis mit 27,5 Prozent.

Warum auf dem Land die Zahl der Allergiker zunimmt, das hängt laut AOK Nordost wahrscheinlich damit zusammen, dass auch "jwd" von Ballungsgebieten Buben und Mädchen sich nicht mehr in jede Dreckpfütze setzen und auf dem Misthaufen herumturnen. "Verschiedene wissenschaftliche Studien äußern hier die Vermutung, dass dies etwas mit der Änderung der Lebensgewohnheiten im ländlichen Raum (Lifestyle, Hygiene, Ernährungsweise) zu tun haben könnte", sagt Sprecherin Gabriele Rähse.

Häufigste Erkrankung ist den ersten Kinderreport-Ergebnissen zufolge Neurodermitis, gefolgt von der allergischen Rhinitis. 11,3 Prozent der Schulkinder in Mecklenburg-Vorpommern leiden unter Neurodermitis. In Brandenburg sind 11,1 Prozent der Schüler betroffen und in Berlin 9,2 Prozent. Unter Heuschnupfen leiden 9,2 Prozent der Schulkinder in Mecklenburg-Vorpommern, 8,8 Prozent in Brandenburg und 8 Prozent in Berlin.

Kinder zwischen 6 und 16 Jahren

Für den ersten Kinderreport hat das GeWINO mit Unterstützung von Professor Susanne Lau von der Charité Klinik für Pädiatrie die ambulanten Diagnosen von mehr als 125.000 Schulkindern im Alter von sechs bis 16 Jahren mit Wohnsitz in Berlin, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern aus den Jahren 2006 und 2015 verglichen. Dabei wurden 53 ICD-Codes Diagnosen unter dem Begriff "Allergie" zusammengefasst und kategorisiert.

Auch Antibiotika im Fokus

Im ersten Quartal 2017 werden weitere Daten auch zu Kleinkindern und auf lokaler Ebene der Kommunen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie auf Bezirksebene in Berlin erwartet. Neben dem Thema Allergien wird sich der Kinderreport, der im ersten Halbjahr 2017 fertiggestellt werden soll, vor allem mit der Verordnung von Antibiotika beschäftigen.

Ziel des Kinderreportes ist es laut AOK Nordost, Wege zu innovativen Lösungsansätzen zu finden und darüber hinaus bestehende Versorgungsprogramme sinnvoll weiterzuentwickeln.

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