Ärzte Zeitung online, 08.10.2019

Versorgungsengpass

Rheuma-Patienten brauchen oft viel Geduld

Mehr als zwei Jahre können vergehen, bis Patienten von einem Rheumatologen behandelt werden.

Von Anke Thomas

BERLIN. Nach wie vor bestehen in Deutschland große Versorgungsprobleme bei der Behandlung von Rheumapatienten, erklärte Rotraut Schmale-Grede, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband auf dem 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

So vergehe immer noch viel Zeit, bis Menschen, die neu an entzündlichem Rheuma erkrankt seien, mit einer Therapie beginnen würden.

Im Jahr 2017 etwa hätte es bei 17 Prozent der Patienten mit Rheumatoider Arthritis und 41 Prozent der Patienten mit Ankylosierender Spondylitis mehr als zwei Jahre gedauert, bis diese Patienten von einem Rheumatologen behandelt worden seien und ihre Therapie hätten starten können, so Schmale-Grede.

Das bedeute für Betroffene, dass sie die Chance auf eine schnell beginnende Therapie und eine möglicherweise sogar medikamentenfreie Remission verpassen würden.

Selten Krankengymnastik

Daneben sei auch die Versorgung mit Heilmitteln noch viel zu gering, kritisierte Schmale-Grede weiter. Laut der Kerndokumentation des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums hätten weniger als 30 Prozent der Betroffenen 2017 Krankengymnastik erhalten.

Bei Betroffenen mit starken Funktionseinschränkungen (Funktionsfragebogen Hannover (FFbH)) unter 50 Jahren hätten nur 35 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen Krankengymnastik auf Rezept erhalten. Ergotherapie hätten vier Prozent der Männer und sechs Prozent der betroffenen Frauen unter den schwer betroffenen Rheumakranken erhalten.

Dabei seien die Möglichkeiten, Heilmittel ohne spätere Regresse zu verordnen, durch den Gemeinsamen Bundesausschuss deutlich verbessert worden.

Immer bessere Behandlung

Einen Grund für die lange Wartezeit auf die Behandlung beim Rheumatologen sieht Schmale-Grede darin, dass es zu wenige niedergelassene, spezialisierte Fachärzten gibt Zwar seien mit der Neuordnung der Bedarfsplanung rund hundert neue Arztsitze für Rheumatologen in Deutschland geschaffen worden. Die neuen Arztsitze würden aber sicher nicht so schnell besetzt werden können, so die Liga-Präsidentin.

Allerdings gebe es auch eine gute Nachricht, meinte Schmale-Grede. Rheumakranke Menschen könnten immer besser behandelt werden. Deshalb seien Rheumapatienten heute deutlich funktionsfähiger als noch vor zehn bis 15 Jahren.

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