Ärzte Zeitung, 06.10.2010

Kommentar

Des einen Freud, des anderen Leid

Von Rebekka Höhl

Ärzte in Kooperationen dürfen sich freuen. Sie erhalten auch im nächsten Quartal noch den Kooperations-Zuschlag auf ihr Regelleistungsvolumen (RLV). Bei fachgleichen Berufsausübungsgemeinschaften macht das immerhin ein Plus von zehn Prozent aus. Fachübergreifende Zusammenschlüsse können sogar einen Zuschlag von bis zu 40 Prozent erhalten. Prozentzahlen, die für so manchen Arzt in Einzelpraxen nahezu ein Schlag ins Gesicht sein dürften. Denn für sie gibt es kaum Möglichkeiten, ihr RLV aufzubessern. Sie müssen schon Honorarverluste - und zwar von über 15 Prozent - nachweisen, um eventuell einen Honorarausgleich zu erhalten.

Doch das allein ist nicht das Ärgernis. Dass geplant ist, Kooperationen unter Ärzten zu fördern, ist schließlich nicht neu. Ärgerlich ist aber, dass die ärztlichen Zusammenschlüsse - wenigstens vorerst - nur deshalb gefördert werden, weil der Bewertungsausschuss noch keine Zeit gefunden hat, sich neue Kriterien für den Zuschlag zu überlegen. Wohingegen andere Neuerungen, die das RLV betreffen - und häufig die Einzelpraxis treffen - oft schnell beschlossen sind.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte in Kooperationen erhalten auch 2011 den RLV-Zuschlag

[07.10.2010, 09:18:14]
Dr. Cornelia Karopka 
Nur eine Seite der Medaille
Möglicherweise widerspiegelt der Kommentar ja nur eine Seite der Medaille?
Vielleicht liegt ja ein Grund für die zehnprozentige RLV-Zulage für fachgleiche Gemeinschaftspraxen bzw. Praxen mit angestellten Ärzten darin, dass im Falle einer Erkrankung oder regulären Urlaubs eines Kollegen der andere dessen Patienten mitbetreut und dafür keinen Cent erhält, weil der nämlich keinen Urlaubs- oder Krankheitsvertretungsschein wie bei Einzelpraxen üblich, anlegen und abrechnen kann. Jeder sollte doch mittlerweile wissen, dass nach Ansetzen der Pauschale und eventuell des Chronikerkomplexes die Vergütung ausgeschöpft ist.
Es wäre durchaus ein Rechenexempel wert, nachzuvollziehen, wieviel Geld den Kassen /KV-en dadurch "erspart" bleibt, dass die Patienten eben nicht zur Urlaubsvertretung in die Nachbarpraxis gehen müssen, sondern in ihrer Praxis weiterbehandelt werden, ganz abgesehen von möglichen Einsparungen durch vermeidbare Doppeluntersuchungen bei Kollegen, die keinen Zugang zur Krankenakte hätten.

Also bitte nicht immer durch einseitige Berichte Neid und Missgunst schüren, sondern gelegentlich Objektivität walten lassen. zum Beitrag »

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