Ärzte Zeitung online, 02.02.2017
 

24 Fachgruppen im Vergleich

So viel verdienen niedergelassene Ärzte

Trotz steigender Betriebskosten: Die wirtschaftliche Lage in den Vertragsarztpraxen hat sich zwischen den Jahren 2011 und 2014 merklich verbessert.

So viel verdienen niedergelassene Ärzte

Das ZI-Praxis-Panel zeigt, wie viel Geld niedergelassenen Ärzten in Deutschland am Jahresende übrig bleibt.

© stock4you / Fotolia

NEU-ISENBURG. Trotz steigender Betriebskosten: Die wirtschaftliche Lage in den Vertagsarztpraxen hat sich zwischen den Jahren 2011 und 2014 merklich verbessert. Die Praxen konnten ihre Einnahmen je Inhaber um 10,2 Prozent und ihren Jahresüberschuss - also Gewinn - um immerhin 6,7 Prozent steigern, während die Praxiskosten um 8,9 Prozent zulegten. Das zeigen die aktuellen Daten des Zi-PraxisPanels (ZiPP), die heute von KBV und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Berlin vorgestellt wurden und die Daten von über 5000 Praxen umfassen.

Das gute Ergebnis resultiert vor allem aus einer Zunahme der GKV-Einnahmen (plus 12,2 Prozent). Dabei hat insbesondere das Jahr 2014 zum Gewinnwachstum beigetragen. Die Vertragsärzte erzielten im Schnitt Praxiseinnahmen von 302500 Euro und einen Jahesüberschuss je Inhaber von 156200 Euro, das waren selbst inflationsbereinigt noch 6,6 Prozent mehr als 2013.

Dennoch seien die Praxen bei der Suche nach Nachfolgern bzw. jungen Medizinern nicht konkurrenzfähig mit den Kliniken, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. Das liegt am Jahresüberschuss aus reiner GKV-Tätigkeit, den das Zi errechnet, um abzubilden, ob die Kassenpraxis eigenständig bestehen kann. Dieser lag 2014 zwar mit knapp über 130000 Euro je Praxisinhaber deutlich über dem für den EBM noch immer geltenden Referenzwert zum Oberarztgehalt aus 2007 (105571,80 Euro).

Und auch über dem Durchschnittsaufwand je Inhaber in einer Einzelpraxis (124300 Euro). Aber eben unter dem tatsächlich im Kliniksektor gezahlten Bruttogehalt inkl. Arbeiteberanteil für die Sozialversicherung, für die die Praxischefs selbst aufkommen müssen. Hier hat das Zi laut seinem Geschätsführer Dr. Dominik von Stillfried 140330  Euro für leitende Obeärzte (vier Jahre in dieser Funktion) für 2014 errechnet. "Und es ist hier noch kein positiver Trend für die nächsten Jahre abzulesen", sagte von Stillfried. Er fürchtet eher wieder einen Rückgang. Denn das gute wirtschaftliche Jahr 2014 beruhe auf Nachzieheffekten der Honorarumstellung in 2013, als die Morbidität Teil der GKV-Honorarsumme wurde. Das bestätigt auch Gassen. 

Sorgen bereiten KBV und Zi die stagnierenden Investitionen in die Praxen: Knapp  die Hälfte der ZiPP-Praxen wendeten selbst 2014 weniger als 2700 Euro für Investitionen auf. Im Vergleich zu 2011 ist in den Jahren bis 2014 sogar ein Rückgang der Investitionssumme um acht Prozent zu beobachten.  Auch die Abschreibungsrate - als Indikator für Investitionen - hat um fast 14 Prozenta abgenommen. 

Gassen: "Das ist eine alarmierende Entwicklung." Offensichtlich hätten die niedergelassenen  Ärzte kein Vertrauen in die langfristige Stabilität der finanziellen Rahmenbedingungen als Kassenarzt. "Wir müssen die ambulante Versorgung sicherstellen", so Gassen weiter. Das gelinge aber nur mit den kleinen Einheiten, also der Einzelpraxis. "Wenn wir hier nicht gegensteuern, ist die ambulante Versorgung, wie wir sie kennen, ein Auslaufmodell." Laut dem KBV-Chef sei hier die Politik gefragt, zu entscheiden, ob sie lieber die Staatsmedizin mit einer zentralen ambulanten Versorgung an Klinken wolle.

 Für Zi-Geshäftsführer von Stillfried ist dabei klar, dass die Kliniken gerade auf dem Land, nur bedingt die Vesorgung gewährleisten könnten, da ihnen immer öfter die notwendigen  Fachabteilungen fehlten. 

"Wir brauchen mehr Geld, wenn die ambulante Versorgung perspektivisch nicht in Schieflage kommen soll", machte Gassen in Richtung Krankenkassen und Politik deutlich. Dies betreffe bereits die nächsten zehn Jahre. Vor allem die Landarzpraxen leben mit Blick auf ihre Investitionen derzeit von der wirtschaftlichen Substanz.

 

 
[15.02.2017, 11:44:12]
Thomas Georg Schätzler 
Genau das ist das Problem,
@ Kollege Henning Fischer!

Nicht nur "Die Ärztekammer Westfalen-Lippe weiß die Umsätze/Einkommen ALLER Mitglieder" und damit die der Chef- und Oberärzte, angestellten, beamteten Ärztinnen und Ärzte in Klinik, Praxis, Forschung und Entwicklung, Industrie und Verwaltung, die der niedergelassenen Vertrags- u n d Privatärzte.

Mit diesem "Datensalat" sind keinerlei Rückschlüsse auf Einnahmen, Aufwendungen und Jahresüberschüsse aus vertragsärztlicher Tätigkeit für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland möglich. Das kann nur die betriebswirtschaftliche DATEV-BWA Auswertung des Steuerberaters mit spezifizierten Einnahmen-Ausgaben-Überschuss-Rechnungen leisten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[14.02.2017, 22:47:01]
Henning Fischer 
die Ärztekammer Westfalen-Lippe weiß die Umsätze/Einkommen ALLER Mitglieder

weil sie Kopien der Steuererklärung zur Beitragsberechnung verlangt. Angeblich machen das alle Ärztekammern so.

Dann müßten folglich alle Einkünfte aller deutschen Kassenärzte ohne Ausnahme bei den Ärztekammern bekannt sein.

Eine Auswertung dieser Daten wäre somit 100-prozentig korrekt.

Warum wird das nicht gemacht?
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[13.02.2017, 18:00:41]
Thomas Georg Schätzler 
Zi-Praxis-Panel 2015 setzt auf Desinformation?
Musterbeispiel für die laufende Desinformation in der Honorardebatte ist das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) mit seinem irreführenden ZI-Praxis-Panel hier:

Insgesamt waren 2.335 Radiologen im niedergelassenen Sektor tätig (zum 31.12.2015); zusätzlich ca. 500 als angestellte Röntgenfachärzte. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Statistik2015/Stat15Tab08.pdf
Bei dieser sehr kleinen Fachgruppe mit einem knappen Fünftel angestellter Kollegen/-innen gibt das ZI durchschnittliche Praxis-Inhaber-Einnahmen von 1.061.600 €, Aufwendungen von 712.700 € und einen Jahresüberschuss beim Facharzt für Radiologie von 348.800 € an.

Beim Schlusslicht Psychotherapie werden Einnahmen von 100.600 €, Aufwendungen von 29.900 € und ein durchschnittlicher Jahresüberschuss von 70.700 € angenommen.

Zum 31.12.2015 waren ohne Gebietsbezeichnung 7.383, als Fachärzte für Allgemeinmedizin 32.606 und als Fachärzte für Innere Medizin 20.231 (davon ein hoher Anteil als hausärztliche Internisten) in Deutschland niedergelassen.

Der große Block der Allgemeinmediziner hatte laut ZI im Durchschnitt Einnahmen von 291.200 €, Aufwendungen von 132.900 € und einen Jahresüberschuss von 158.200 €.

Alle Daten beziehen sich auf das Jahr 2014 Quelle: Zi-Praxis-Panel 2015

Nach welchen Aufgreifkriterien die verschiedenen Vertragsarztpraxen und -Fachrichtungen vom ZI gelistet und bewertet wurden, bleibt nebulös: Anonymisierte DATEV-Unterlagen der Steuerberater waren es jedenfalls nicht.

Wesentlicher Kritikpunkt am "Datensalat" des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI): Bei dem berichteten Durchschnitt aller Fachgruppen mit Einnahmen von 302.500 €, Aufwendungen von 146.300 € und einem Jahresüberschuss von 156.200 € handelt es sich offensichtlich um ein statistisch völlig abwegiges, un-gewichtetes arithmetisches Mittel und n i c h t um statistisch korrekt gewichtete Medianwerte. Zahlenmäßig extrem unterrepräsentierte, aber umso Überschuss-trächtigere Fachgruppen ziehen den "Durchschnitt aller Fachgruppen" in krasser Fehlberechnung irreführend nach oben.

Einen "gemeinsamen Nenner" zwischen Jahresüberschüssen von 70.700 € (Psychotherapie) und 348.800 € (Radiologie) kann es einfach nicht geben. Und "last but not least", liebe Leserinnen und Leser der Ärzte Zeitung, fällt Ihnen vielleicht noch etwas auf? Ja, wo sind denn bloß die Fachärzte für Labormedizin geblieben?

Würde man die auch in eine arithmetische ZI-"Milchmädchenrechnung" mit einbeziehen, wäre der Pseudo-"Durchschnitt aller Fachgruppen" noch um etliches höher ausgefallen - und das ZI hätte sich damit vollends blamiert.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[02.02.2017, 18:12:33]
Götz Braun 
Erschreckend
Wie immer sind die Unterschiede in den Überschüssen erheblich. Und wie immer sind die psychotherapeutisch tätigen Ärzte und Psychologen weit abgehängt.
Doch gerade bei den Zahlen des ZI hinsichtlich der Honorarzuweisungen und der Praxiskosten dieser Berufsgruppen muss man doch erhebliche Zweifel an der Richtigkeit haben.
100tsd € Einnahmen p. a. durch Psychotherapie als Durchschnittswert ist gänzlich irreal. Dafür muss ein Psychotherapeut fast 30 Stunden wöchentlich antragspflichtige Leistungen erbringen. Einer anderen Statistik zur Folge leisten 36 Stunden/Woche nur 2% der Psychotherapeuten. Dann sollen 50% fast 30 Stunden leisten?
Umgekehrt bei den Praxiskosten sollen es 30tsd p. a. sein. Auch hier muss man sich fragen, wie mit 30tsd € p. a. eine Praxis zu betreiben sein soll?
Wie passt das zusammen? Sehr einfach. Wenn man bedenkt was das BSG beschließt, dann wird aus diesen Zahlen sehr schnell klar wozu sie benutzt werden. Dem BSG werden sicherlich genau diese Zahlen geliefert. Es liegt im Interesse der KVen und der Kassen und damit der Politik, dass die Praxiskosten so gering wie irgend möglich anzusetzen sind, damit die Klagen so wenig Honorarkorrektur wie möglich zur Folge haben.
10,2% Honorarzuwachs. Das sind bei den Radiologen mal eben 50% des Jahresüberschusses der Psychotherapeuten. Das soll alles unter die Honorargerechtigkeitsregel fallen, die u.a. das BSG in seiner unnachahmlichen Art auslegt? Aber diese Verletzung der Honorargerechtigkeit (die ja Pflicht und nicht etwa Goodwill ist) betrifft ja eigentlich große Gruppen der KV-Mitglieder genaugenommen alle, die weniger als durchschnittlich verdienen und das dürfte die Mehrzahl sein. Ich frage mich schon, warum nur wir Psychotherapeuten uns gegen diese Verletzung der Honorargerechtigkeit wehren? In den Ärzteparlamenten sollte doch die Gruppe der Benachteiligten die Mehrheit haben. Wieso schließt man nicht auf dieser Basis Koalitionen?
Noch ein Satz zu den Psychotherapeuten. Erstaunlicherweise rufen die Berufsverbände der Psychotherapeuten stets dazu auf, dem ZI die Zahlen zu liefern, wenn sie angefragt werden. Das ist schon bizarr. Die Kollegen müssen mangels Honorar zunehmend ihre Praxiskosten senken, die dann ans ZI gemeldet werden und von dort ans BSG, das dann keine Notwendigkeit zur Honorarerhöhung mehr sieht. Aber unabhängig davon gilt: 1. niemals stimmen die 100 tsd p.a. Honorarzuweisung und 2. stimmen die 30tsd Praxiskosten nicht. Wie das ZI zu diesen erstaunlichen Zahlen kommt?..... Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Ich möchte an dieser Stelle dringlich davon abraten, dem ZI Zahlen zu liefern, die uns weiter in den Keller des Einkommens manövrieren, indem sie die Grundlage für erstaunliche Statistiken liefern.
Trotz Manipulationsverdachts bleibt auch bei diesen Zahlen irgendwie unverständlich wie man mit den vom BSG unterstellten 36 Wochenstunden auf den Durchschnitt der Vergleichsgruppe kommen soll? Denn bei einfacher Multiplikation kommt man auf 131tsd. € Einnahmen und 100 tsd € Gewinn, dann fehlen nach meinem Verständnis immer noch mindestens 30tsd. € zur Vergleichsgruppe.
Und was sagen die Berufsverbände dazu? Sie Klagen bis zum BSG mit den seit 1999 wiederkehrenden Ergebnissen. Aber bis zum Verfassungsgericht, das dringend die Angemessenheitsfrage klären müsste, klagen sie nicht.
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