Ärzte Zeitung online, 01.04.2019

Hannover Messe

Exoskelette und smarte Medizin-Robotik

Die industrienahen Themen der ehemaligen Digitalmesse Cebit schlüpfen ab diesem Jahr unter das Dach der Hannover Messe. Ab Montag dreht es sich in den Messehallen bei den Trendthemen Künstliche Intelligenz, 5G, Cobots & Co auch um die Gesundheit.

Von Matthias Wallenfels

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Entlastung beim Heben: German Bionic präsentiert das nach eigenen Angaben erste Roboter-Exoskelett für das industrielle Internet der Dinge.

© GBS German Bionic Systems Gmb

HANNOVER. Angesichts der vor Kurzem in Mainz gestarteten Versteigerung der deutschen 5G-Mobilfunkfrequenzen wird der traditionellen Hannover Messe zumindest im Inland dieses Jahr noch mehr mediale Aufmerksamkeit zugutekommen als sonst. Immerhin will die Deutsche Messe als Veranstalter in den Messehallen erstmals ein WLAN auf Basis des neuen Mobilfunkstandards zur Verfügung stellen, wie es auf der Messe-Website heißt.

Im Februar feierte der erste telemedizinisch betreute Eingriff unter Verwendung des neuen Mobilfunkstandards, der die Datenübertragung mit einer Millisekunde und damit in Echtzeit garantiert, im Rahmen der Fachmesse MWC in Barcelona Premiere.

Am 1. April startet nun die Hannover Messe durch. Fünf Tage lang dreht es sich in den Messehallen neben dem riesigen 5G-Potenzial um die Trendthemen Künstliche Intelligenz sowie Cobots & Co. Mehr Gewicht als in der Vergangenheit soll auch die Gesundheit erfahren – schließlich wollte die Deutsche Messe die traditionellen Cebit-Themen rund um Digital Health in das altbewährte Format Hannover Messe überführen, nachdem sie wegen rückläufiger Flächenbuchungen dem Messe-Urgestein Cebit im vergangenen Jahr zumindest in Deutschland den Todesstoß verpasst hatte.

Gesundheit im Job im Fokus

Die auf dem Internet der Dinge basierende Industrie 4.0 stellt ein Bindeglied zwischen Industriefertigung und der Gesundheit im Job dar – im Fokus steht dabei die körperliche Be- und Entlastung bei der Arbeit.

Denn hohe körperliche Belastungen und unergonomische Bewegungsabläufe im Arbeitsalltag stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung dar. Lösungen, die Bewegungen dahingehend analysieren und Rückmeldung geben, könnten entscheidend zur Prävention beitragen und werden in der Forschung vielseitig adressiert.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) präsentiert zum Beispiel in Hannover (Halle 2/Stand C59) zusammen mit dem japanischen Anbieter Hitachi eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Technologie, die nach Unternehmensangaben Arbeitsabläufe erfasst und diese hinsichtlich Effizienz, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz optimiert. Das System erkenne und quantifiziere in Echtzeit die physische Beanspruchung und informiere Nutzer über Fehlhaltungen.

Der Augsburger Robotik-Spezialist German Bionic (Halle 17/Stand F04) nutzt das Hannoveraner Messeparkett, um die Premiere für sein „erstes vernetztes Roboter-Exoskelett für den Einsatz im industriellen Internet der Dinge“ zu feiern.

Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die thematische Überschneidung von Hannover Messe und Cebit diskutiert.

Dr. Jochen Köckler Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG

Die neuartige Cloud-Plattform German Bionic IO verbinde die dritte Generation des Exoskeletts Cray X mit gängigen Enterprise-Lösungen und vernetzten Fertigungssystemen und ermögliche so die Integration in Smart Factory- und Industrie 4.0-Umgebungen.

Neben einem neuen höhenverstellbaren Tragesystem und der minimierten Carbon-Verkleidung falle das integrierte Steuerungs-Display ins Auge. Hierüber lassen sich laut Anbieter direkt am Gerät benutzerdefinierte Einstellungen für Unterstützungsleistung, Empfindlichkeit und Reaktionszeit vornehmen.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK (Halle 17/Stand C24) widmen sich ebenfalls den Exoskeletten, die Arbeitnehmer beim Verrichten schwerer Hebetätigkeiten entlasten sollen.

Denn Rückenbeschwerden sind in Deutschland einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit. Sämtliche verfügbaren Exoskelette einen aber ein Problem: Prinzipbedingt unterstützen sie alle Bewegungen des Trägers – auch unergonomische.

Softrobotik gegen Rückenleiden

Die softrobotische Orthese ErgoJack unterstütze ergonomische Bewegungen mittels KI. Die Idee: Bewegt sich der Träger ergonomisch ungünstig oder verharrt er längere Zeit in rückenschädigender Position, erhält er per Vibrationsalarm einen Hinweis.

Hierfür hat das Fraunhofer IPK nach eigenen Angaben einen robusten Algorithmus entwickelt, der reale Bewegungen in Echtzeit mit ergonomisch optimalen Bewegungsmustern abgleicht. ErgoJack könne für jeden Anwendungsfall angepasst werden, von der Produktion über die Logistik bis hin zu Dienstleistungsbereichen wie Pflege und Rehabilitation.

Unter anderem einen intelligenten Transportwagen im Krankenhaus, der Pflegeutensilien bedarfsgerecht bereitstellt, präsentiert das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA mit seinem Serviceroboter-Netzwerk SeRoNet (Halle 2/Stand C28).

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