Ärzte Zeitung, 06.09.2017
 

Gesundheitswirtschaft

Gas geben für die Digitalisierung!

Die Gesundheitswirtschaft richtet den Blick auf einen Nachzügler: die digitale Transformation. Sie voranzubringen und den Datenschutz grundlegend zu reformieren – das sieht die im Bundesverband der Deutschen Industrie organisierte Branche als erstes Ziel der neuen Wahlperiode.

Von Helmut Laschet

Gas geben für die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft

Zahlen zur Gesundheitswirtschaft 2016: Fast 72 Milliarden Euro betrug die Bruttowertschöpfung letztes Jahr.

© Boehringer Ingelheim | Ärzte Zeitung

Erstmals kam es in der nun ablaufenden Legislaturperiode zu einem strukturierten ressortübergreifenden Dialog zwischen den Ministerien für Gesundheit, Forschung und Wirtschaft unter Beteiligung der Stakeholder aus der industriellen Gesundheitswirtschaft, der Wissenschaft und Forschung.

Die im Frühjahr 2016 beschlossenen Ergebnisse des Pharma-Dialogs sind teilweise in das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz eingeflossen, das aber bestenfalls als ein erster konkreter Schritt zu einer koordinierten Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik verstanden werden kann.

"Mobile Health" als Chance

Weitere Politikfelder müssen hinzutreten: die Infrastrukturpolitik hinsichtlich der noch völlig unbefriedigenden Digitalisierung des Gesundheitswesens und die Datenschutzpolitik, die bislang eine vernetzte Versorgung ebenso wie die Forschung behindert.

300 Millionen Euro betrug die Wertschöpfung der Digitalwirtschaft im Gesundheitswesen im Jahr 2016. Ein verschwindend kleiner Betrag im Vergleich zur Wertschöpfung der industriellen Gesundheitswirtschaft von über 70 Milliarden Euro.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen hat die Abteilung Digitalisierung, Innovation und Gesundheitswirtschaft des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Handlungsempfehlungen für die nächste Legislaturperiode entwickelt, die hier komprimiert vorgestellt werden.

Dr. Hagen Pfundner, der die Gesundheitswirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie vertritt: "Auf dem Spitzenplatz in der Erwartungshaltung an die nächste Bundesregierung steht für mich die Digitalisierung. Sie erreicht mit großen Schritten unsere gesamte Lebenswelt (Skype, Apps, Facetime, mobile Büros, autonomes Autofahren). Bezogen auf die Gesundheitswirtschaft stehen wir allerdings erst am Anfang."

Digitalisierung hat hohe Akzeptanz

Die Anwendung digitaler Möglichkeiten sieht die industrielle Gesundheitswirtschaft als grundsätzlich akzeptiert an. Konkret bedürfe es verbindlicher Festlegungen zur Nutzung einheitlicher Datenformate und Softwareschnittstellen. Interoperabilität sei eine zentrale Voraussetzung für die Nutzung der Chancen von IT im Gesundheitssystem.

Geschaffene Strukturen müssten ausbaufähig und erweiterbar bleiben, um mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Für digitale Entwicklungen sei eine leistungsfähige Start-up- und Entwicklerszene von großer Bedeutung. Diese brauche verbindliche Marktzugangsregeln.

Der neue Mobilfunkstandard 5G biete zudem die Chance, mobilfunkgestützte Telemedizin-Anwendungen der Akut- und Regelversorgung flächendeckend einzuführen.

10 große Unternehmen der Gesundheitswirtschaft und ihre Erwartungen

MSD

Folgende Prioritäten setzt MSD Sharp & Dohme für die kommende Legislaturperiode:

  • Impfen: Ziel wäre eine messbare Steigerung der Impfraten insgesamt und die Steigerung der Impfraten bei den empfohlenen Schutzimpfungen bis zur effektiven Herdenimmunität in der kommenden Legislaturperiode. Dazu sollte der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen (NaLI) die Aufgabe übertragen werden, einen Maßnahmenplan zu entwickeln und umzusetzen. Die Bundesregierung sollte jährlich über die Erfolge informiert werden. Die NaLI soll außerdem damit beauftragt werden, die Einführung eines Impfregisters zu prüfen.

  • Onkologie: Die Versorgung mit innovativen Therapieoptionen gerade in der Onkologie muss gewährleistet bleiben. Dafür ist es notwendig zu prüfen, ob die AMNOG-Prozesse dies adäquat abbilden. Geringe Patientenzahlen bei seltenen Krebsarten erschweren eine Durchführung der geforderten randomisierten, kontrollierten Studien. Für diese seltenen Fälle werden Anpassungen benötigt, die den Marktzugang sicherstellen. Innovative Vertragskonzepte wie Preis-Volumen-Vereinbarungen können ebenfalls dazu beitragen, die Versorgung zu sichern.

  • Antibiotika: Angesichts der Ausbreitung multiresistenter Krankheitserreger in stationären Einrichtungen ist politischer Handlungsbedarf gegeben und ein Maßnahmenpaket erforderlich.
Neben dem ausreichenden Einsatz von Hygienefachpersonal und einer stärkeren Überwachung von Krankenhausinfektionen ist auch eine regelmäßige Aktualisierung von Standards und Leitlinien zur Infektionskontrolle notwendig.

Zudem muss eine angemessene Vergütung der Infektionsprävention sichergestellt werden. Fehlanreize, die zu einer verstärkten Resistenzentwicklung gegen Antibiotika im Krankenhausbereich beitragen, müssen beseitigt und nachhaltige Antibiotic Stewardship-Konzepte ermöglicht werden.

CompuGroup Medical

Oliver Bruzek, Chief Communication Officer der CompuGroup Medical, zu den Zielen für die nächste Legislatur:

  • Die Telematikinfrastruktur soll unabhängig von der Selbstverwaltung weiterentwickelt werden, um ihre Leistungsfähigkeit als Grundlage für die Vernetzung des Gesundheitswesens sicherzustellen. Interoperabilität, Datenschutz und die Qualitätssicherung der Netze müssen gewährleistet sein.

    Neue Anwendungen müssen unter technischen Gesichtspunkten zugelassen werden. Ebenso muss gesichert werden, dass sowohl Patientinnen und Patienten als auch alle Leistungserbringer in Gesundheit und Pflege diskriminierungsfrei an der Vernetzung teilhaben können.

  • EPA: Die elektronische Patientenakte muss als sektor-, fall-, professions- und einrichtungsübergreifende Gesundheitschronologie in strukturierter Form zu einem selbstverständlichen Teil des Behandlungsmanagements werden. Die Nutzung der Akte sollte auf freiwilliger Basis geschehen und jeder Versicherte muss den Anbieter der Akte frei wählen können.

    Dabei sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, über die gesichert wird, dass alle Akten in ihren Mindestinhalten gleich gestaltet und interoperabel sind. Die Hoheit der Daten muss bei dem Inhaber der Akte liegen, also bei dem oder der Versicherten.

    Der Zugriff auf die Akte muss für den oder die Versicherten jederzeit auch mit modernen Kommunikationsmitteln möglich sein und die Möglichkeit zum Erfassen selbst erhobener Daten bieten. Die Basisakte ist in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit zu zertifizieren und von der Krankenversicherung zu finanzieren.

  • Gesundheits-Apps: Ein schnelles und vor allem praktikables Verfahren zur Zulassung von medizinischen Apps ist notwendig. Insbesondere müssen Verfahren entwickelt werden, nach denen Apps, welche lediglich zur Prozessoptimierung dienen und im Wesentlichen ökonomische Vorteile für das Gesundheitswesen schaffen, nicht durch medizinisch begründete Zulassungsverfahren laufen müssen. Darüber hinaus müssen Mindestanforderungen an Datenqualität, Datenschutz und Datensicherheit definiert werden. Zertifizierte medizinische Apps müssen schnell in die Regelversorgung kommen können.

  • Innovationsförderung: Innovationen im Gesundheitswesen entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie allen zugänglich sind. Um diese Innovationen zu ermöglichen, müssen auch die notwendigen finanziellen Ressourcen – zum Beispiel im Rahmen der Krankenhausfinanzierung – bereitgestellt werden. Damit zielführende Innovationen, zum Beispiel telemedizinische Anwendungen, schnell und sicher in die Regelversorgung überführt werden können, ja, müssen Zulassungsbedingungen an die digitale Welt angepasst werden.

    Über zum Beispiel steuerliche Anreizsysteme sollten junge Unternehmen in ihrer Innovationskraft gestärkt werden. Dies gilt insbesondere für gut ausgebildete Fachkräfte, welche sich in Start-ups engagieren, statt einen weit sichereren Arbeitsplatz in etablierten Unternehmen auszuwählen.

Bayer Vital

Schwerpunkte, die Bayer Vital für die kommenden vier Jahre setzt:

  • Wertschätzung für die industrielle Gesundheitswirtschaft als Treiber für Innovation, Beschäftigung und Wohlstand ausbauen.

  • Fortsetzung des Pharmadialogs, um eine stärkere Verzahnung der Politikfelder Gesundheit, Wirtschaft und Forschung zu erreichen.

  • Aufgrund der Überschüsse der Krankenkassen ist keine "hektische" Gesetzgebung Anfang der Legislatur 2017/18 erforderlich.

  • Das AMVSG nach dem Pharmadialog ist verabschiedet – Ernüchterung bis Enttäuschung.

  • Das Arztinformationssystem muss die ärztliche Therapiefreiheit erhalten – statt einer Verordnungssteuerung durch Kassen.

  • Nach der Wahl ist vor den Gesetzen, Verbesserung der AMNOG-Rahmenbedingungen im Fokus: Anpassung der Bewertungskriterien; umfassende Berücksichtigung von Studienevidenz und Patientenpräferenzen bei der Nutzenbewertung; gesetzliche Absicherung des Mischpreises; "Innovations-Check" in der Gesetzgebung – Innovationen sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Gesetze sollten grundsätzlich auf ihre Innovationsfreundlichkeit geprüft werden.

Sanofi

Für Sanofi steht der Zugang von zu Innovationen im Vordergrund: Bundestag und Bundesregierung sollten in der neuen Wahlperiode mit ihrer Forschungs-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik eine innovative Arzneimittelversorgung unterstützen und sich zur industriellen Gesundheitswirtschaft bekennen. Der Zugang von Patienten zu Innovationen zu fairen Preisen ist grundlegend.

Das aktuelle Verfahren der frühen Nutzenbewertung greift zu kurz. Um den Nutzen eines Medikaments vollständig zu erfassen, sollten Aspekte wie Lebensqualität und langfristige Einsparungen durch hochwertige Medikamente berücksichtigt werden.

Bei der Ausgestaltung des Praxisverwaltungssystems müssen Ärzte ihre Verordnungsfreiheit behalten. Die gültigen Orphan-Regelungen für Seltene Erkrankungen sind wirksam und müssen erhalten bleiben. Ärzten und Patienten stehen dadurch viele neue Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Forschung kleiner und großer Unternehmen muss steuerlich gefördert werden. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist weiter auszubauen und zu fördern. Deutschland darf hier den Anschluss nicht verpassen!

Fresenius

Der Dax-Konzern mit großer Kliniksparte sieht viel Potenzial in einer qualitätsorientierten Vergütung der Leistungserbringer: Fresenius ist in mehr als 100 Ländern aktiv. Über politische Lager und Systeme hinweg eint Regierende und Opposition das Interesse, den Bürgern eine flächendeckende, verlässliche und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Die Herausforderung, eine solche Gesundheitsversorgung bezahlbar zu halten, stellt hohe Anforderungen an deren Effizienz und Effektivität. Fresenius hat es sich zur Aufgabe gemacht, hier einen wesentlichen Beitrag zu leisten.

In den westlichen Industrienationen verfolgen wir mit großer Aufmerksamkeit Bestrebungen, die Versorgung der Patienten – und damit auch deren Vergütung – stärker ergebnis- bzw. qualitätsorientiert und sektorübergreifend zu gestalten.

Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich, da sie eine ganzheitliche und damit bessere Behandlung der Patienten und gleichzeitig den effizienten Einsatz von Ressourcen ermöglicht. Auch der künftigen Bundesregierung stehen wir als innovativer und verlässlicher Partner bereit, um die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland weiterzuentwickeln und diese dabei dauerhaft finanzierbar zu gestalten.

Boehringer Ingelheim

Das Familienunternehmen fordert nachhaltige politische Rahmenbedingungen ein: Die Gesundheitswirtschaft sollte durch eine ressortübergreifende Politikstrategie auf nationaler und europäischer Ebene gestärkt werden. Deutschland muss hierbei im positiven Sinne Referenz- und Leitmarkt sein.

Innovationsfördernde und nachhaltige politische Rahmenbedingungen müssen den Patienten schnellen Zugang zu modernen Technologien und Produkten ermöglichen. Pharmazeutische Unternehmen brauchen Planungssicherheit für den Marktzugang ihrer Arzneimittel.

Dazu gehört auch eine angemessene Erstattung für neue, innovative Arzneimittel sowie der Erhalt der hohen Qualität der Arzneimittelversorgung in Deutschland. Viele Regulierungsinstrumente summieren sich in ihrer Wirkung, oder sie sind widersprüchlich.

Damit beeinträchtigen sie das Ausbalancieren von Versorgungs- und Kostendämpfungsinteressen:

  • Arzneimittelrechtliche Zulassung und frühe Nutzenbewertung müssen mit einem harmonisierten Studiendesign rechtssicher bestanden werden können.

  • Es bedarf einer Klarstellung, dass die indikationsgerechte Verordnung von AMNOG-Arzneimitteln gemäß der Vereinbarung zum Erstattungsbetrag für den Arzt wirtschaftlich ist.

    Eine solche Vereinbarung könnte auch individuell in den Verhandlungen erfolgen. Die massiven sich zum Teil widersprechenden Doppelregulierungen zwischen Bundes- und Landesebene müssen abgebaut werden, damit Patienten die für sie besten Therapien erhalten können.

  • Vertragsmöglichkeiten für Krankenkassen und Arzneimittelhersteller sollten zügig weiter ausgebaut werden, damit neue Versorgungskonzepte beim Patienten ankommen.

Siemens Healthineers

Eine investitionsfördernde Vergütung der Ärzte und Krankenhäuser ist für Siemens Healthineers ein Anliegen: Von der neuen Bundesregierung wünschen wir uns zunächst, dass sowohl die Klinikfinanzierung als auch die Vergütung im niedergelassenen Bereich so weiter entwickelt werden, dass der in Deutschland seit langem bestehende Investitionsstau aufgelöst, qualitätsorientierte sowie sektorübergreifende Vergütungsmodelle forciert und damit allen Beteiligten, ganz besonders aber dem Patienten, der Zugang zu Innovationen nachhaltig gesichert wird.

Um auch künftig medizinische Wissenschaft und klinische Routine auf höchstem Niveau zu halten, sollten klare Rahmenbedingungen für die Förderung und nachhaltige Umsetzung innovativer Digitalisierungsvorhaben in Diagnostik und Therapie erarbeitet werden.

Innerhalb Europas, aber auch international trägt die künftige Bundesregierung dabei eine ebenso besondere Verantwortung wie wir als weltweit führendes Unternehmen der industriellen Gesundheitswirtschaft.

Roche

Für einen besseren "Medizineffekt" sieht Roche hohen Bedarf an verbesserter Infrastruktur: Die industrielle Gesundheitswirtschaft (iGW) trägt maßgeblich dazu bei, dass die Menschen in Deutschland gesünder und länger leben. Digitale Lösungen sind hierfür zentrales Mittel und Multiplikator gleichermaßen. Sie bringen für die Gesundheit einen kompletten Paradigmenwechsel und werden zu einer besonderen gesellschaftlichen Herausforderung:

  • Der "Patient des digitalen Zeitalters" will seine Erkrankung zunehmend selbst managen. Die industrielle Gesundheitswirtschaft entwickelt dazu digitale Lösungen, welche sowohl beim Erhalt bzw. bei der Wiederherstellung der Arbeitskraft als auch bei der selbst-bestimmten Versorgung im Alter von Nutzen sind.

    Wir suchen nach neuen Lösungen gegen die Erkrankungen des Alters, wie Krebs, Alzheimer, Diabetes und Demenz. Dabei entfalten Diagnostik, Medizinprodukte, Arzneimittel und IT-Lösungen erst gemeinsam ihren "Medizineffekt". Roche hat diese Herausforderung angenommen und in sein Geschäftsmodell Apps und Daten-Plattformen wie FMI, Flatiron, Mysugr integriert.

  • Für Vernetzung und Informationsaustausch aller Akteure benötigen wir eine neue "Gesundheits-Infrastruktur"! Voraussetzung dafür ist eine zukunftsfähige Daten-Infrastruktur, die Datensicherheit gewährleistet, den Zugang zu Daten transparent regelt und dabei den Datenschutz berücksichtigt.

  • Die Industrie muss ein gleichberechtigter Partner dieser Infrastruktur werden! Digitalisierung bedeutet Vernetzung. Eine kompetente Auswertung von anonymisierten/ pseudonymisierten Versorgungsdaten durch Unternehmen ist für die Gesundheitsversorgung von unschätzbarem Wert – um Therapieoptionen weiterzuentwickeln oder um unerwünschte Wirkungen früh zu erkennen. Voraussetzung dafür ist, dass der Patient, dem die Daten gehören, dieser Verwendung zustimmt.

  • Der Einsatz digitaler Lösungen kann die Gesundheitsversorgung revolutionieren, weil es möglich wird, die Qualität von Behandlungen zu beurteilen, Patientengruppen zu clustern, Therapien zielgenau einzusetzen (PHC, Immuntherapie, therapeutische Vaccine), klinische Studien effizienter zu gestalten oder die Forschung für neue Behandlungsansätze voranzutreiben. Hier liegt enormes Potenziale für effiziente Strukturen.

  • Wir brauchen einen "Branchendialog der Politik mit der industriellen Gesundheitswirtschaft"!

Abbvie

Zwei Punkte sind für AbbVie mit Blick auf die neue Legislaturperiode von besonderer Bedeutung:

  • Forschung und Entwicklung ist das Herzstück unserer Arbeit. Daraus entstehen innovative Therapien, bessere Versorgungsmöglichkeiten und wissenschaftlicher Fortschritt – auch an unserem F+E-Standort Ludwigshafen.

    Steuerliche Forschungsförderung ist in den meisten europäischen Ländern Standard. Der Staat unterstützt dadurch die Arbeit in den Laboren der pharmazeutischen Industrie. Das würden wir uns auch für den Gesundheits- und Forschungsstandort Deutschland wünschen, um weiterhin führend zu bleiben.

  • Zudem sollte die Politik schnellstmöglich Klarheit in die Frage nach der Zulässigkeit des Mischpreises bringen. Der einzige Weg, unmittelbaren Zugang zu einer neuen Therapie für alle Patienten zu gewährleisten, ist der Mischpreis. Er hat sich seit Einführung des AMNOG bewährt und wurde von allen Beteiligten im Gesundheitssystem akzeptiert. An diesem Vorgehen sollten wir deshalb festhalten.

Novartis

Leitmotive von Novartis für die Legislaturperiode 2017 bis 2021: - Den "Pharma-Dialog" in Deutschland zwischen Gesundheitspolitik, Forschung und Wirtschaft fortsetzen und die Ärzte stärker einbeziehen.

  • Gemeinsame Begeisterung für Wert von Innovation schaffen: Bessere Medikamente sind eine gute Nachricht für Patienten, Ärzte und Gesellschaft.

  • Das Leitmotiv in der Arzneimittelpolitik 2017 bis 2021 in der Logik des seit 2011 aufgebauten Systems der frühen Nutzenbewertung sollte sein: Eine Therapie, die sich in der Prüfung des AMNOG gegenüber dem bisherigen Standard durchsetzt, muss auf jeden Fall zügig beim Patienten ankommen.

Schlüsselwort E-Akte

Aufgrund weiter Verbreitung von Smartphones – fast 80 Prozent der Bevölkerung besitzen eines – besteht die Möglichkeit, sie in der Versorgung einzusetzen. Die industrielle Gesundheitswirtschaft fordert deshalb, mit dem Aufbau einer hochsicheren Telematikinfrastruktur schnellstmöglich eine leistungsfähige E-Patientenakte als sektorübergreifende Schlüsselanwendung zu implementieren.

Zum "Empowerment" von Patienten müssten diese unmittelbar an der digitalen Vernetzung teilhaben und Zugang zu ihren Gesundheitsdaten erhalten. Patienten müssten befähigt werden, mit den neuen Anwendungsmöglichkeiten sinnvoll und verantwortlich umzugehen. Angemessene Vergütungen für digitale Versorgungsangebote seien unverzichtbar.

Daraus resultieren folgende Forderungen der industriellen Gesundheitswirtschaft: Das Prinzip der Datensparsamkeit muss durch ein Konzept der Datensouveränität ersetzt werden, wobei Patientenschutz Vorrang vor dem Datenschutz haben soll.

Das Recht des Patienten auf seine Daten in elektronischer und strukturierter Form müsse gestärkt werden. Auch der rechtssichere Austausch vorhandener Gesundheitsdaten müsse gewährleistet sein. Dazu sei eine bundeseinheitliche Harmonisierung der Datenschutzgesetze und ihrer Auslegung notwendig.

Die in der europäischen Gesetzgebung vorgesehenen Öffnungsklauseln für Forschung, und Versorgung sollten genutzt werden, verschärfende Regelungen, die den Forschungsstandort Deutschland gefährden, sollten vermieden werden.

Zugang zu Versorgungsdaten

Die Nutzung pseudonymisierter Daten im Einverständnis mit Betroffenen sollte ermöglicht werden, damit eine Re-Identifizierung erfolgen kann. Begründet wird dies mit der Chance auf erneute Therapieoptionen. Eine rechtssichere Definition von Anonymisierung und Pseudonymisierung sei zwingend notwendig.

Die Versorgungsforschung biete den besten Ausgangspunkt für eine ganzheitliche Betrachtung der Versorgung und liefere einen unverzichtbaren Beitrag zur gesundheitspolitischen Diskussion um die Qualität von Gesundheitsleistungen und die effiziente Allokation. Dazu müsse die industrielle Forschung direkten Zugang zu Versorgungsdaten haben.

Die von der Industrie erhobenen Daten sollten mit denen der Selbstverwaltung zusammengeführt werden, um bessere Erkenntnisse zum Einsatz unter Alltagsbedingungen zu generieren. Versorgungsforschung müsse in Deutschland so ausgebaut werden, dass sie wirksame Alternativen zur Gewinnung von Evidenz bei der Nutzenbewertung bietet.

Eigenverantwortung von Bürgern und Patienten sei nur möglich, wenn sie auf informierter Basis erfolgt. Dazu sei es notwendig, Transparenz über alle relevanten Informationen zu schaffen und zu gewährleisten. Zulassungsbehörden müssten schnell, effizient und transparent arbeiten.

Dies erfordere eine ausreichende personelle Ausstattung dieser Institutionen. Ferner sollten auch Ärzte umfassende und sachliche Informationen über Arzneimittel, Diagnostika und Medizinprodukte erhalten.

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