Ärzte Zeitung, 11.01.2017

Digitale Vordrucke

KBV und Kassen legen Spielregeln fest

BERLIN. Die Selbstverwaltung will sich offenbar aktiver an der Digitalisierung im Gesundheitswesen beteiligen – und zieht nun ähnlich wie Gesundheitsminister Gröhe das Tempo an. Denn die Vereinbarung über digitale Vordrucke, die KBV und GKV-Spitzenverband nun geschlossen haben, soll die Praxen nicht nur von Bürokratie befreien. Sie dürfte vor allem den elektronischen Heilberufeausweis – auch als E-Arztausweis bekannt – voranbringen. "Dort, wo die Digitalisierung Sinn macht, treiben wir sie voran", sagte denn auch KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

Als erste große Anwendung gilt die Vereinbarung für Laboraufträge. Diese können Ärzte ab Juli 2017 komplett digital ausstellen und übermitteln. Es handelt sich um das Muster 10 (Überweisungsschein als Auftragsleistung) sowie das Muster 10 A (Überweisung bei Laborgemeinschaften). Laut KBV betrifft die Neuregelung jährlich rund 94 Millionen Laboraufträge, die bisher ausschließlich in Papierform ausgestellt würden.

Es gibt allerdings eine telemedizinische Leistung, für die die digitalen Spielregeln bereits ab April greifen: Auch für die Beauftragung des radiologischen Telekonsils (Muster 6) können Ärzte den rein digitalen Kommunikationsweg wählen.

Dafür müssen sie aber einen sicheren Übertragungsweg mit einer End-zu-End-Verschlüsselung verwenden, der auch eine eindeutige Identifikation von Absender und Empfänger erlaubt. Und dieser muss an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden sein. Lediglich für eine Übergangsfrist von zwölf Monaten darf ein Dienst außerhalb der TI verwendet werden. Damit läuft es auf den Kommunikationsdienst der KVen, KV-Connect, hinaus.

Außerdem müssen digitale Vordrucke vom ausstellenden Arzt mit seinem E-Arztausweis elektronisch signiert werden. Damit liegt die zweite Anwendung vor, für die Ärzte sich um einen elektronischen Arztausweis kümmern müssen. Auch für die Förderung des elektronischen Arztbriefes ist die E-Signatur mit dem Ausweis Pflicht.

"Das ist ein praktischer und sinnvoller Einsatz der Digitalisierung", erklärte Gassen. Die Vereinbarung wurde dem BundesmantelvertragÄrzte als Anlage 2b angefügt und kann laut KBV um weitere Vordrucke ergänzt werden.

Dabei sieht die Vereinbarung vor, dass Ärzte auch künftig zwischen dem konventionellen Papierdruck, dem Blankoformulardruck und dem digitalen Vordruck wählen können – und zwar bei jedem einzelnen Vordruck. Eine Verpflichtung, die digitalen Vordrucke zu nutzen, gibt es also nicht.

Außerdem soll das Signaturverfahren hinsichtlich seiner Praxistauglichkeit überprüft werden. (reh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »

Bei Diabetes "nicht gleich mit Verboten kommen!"

Professor Hellmut Mehnert ist eine wahre Kapazität auf dem Gebiet der Diabetologie. Anlässlich seines 90. Geburtstags sprach die "Ärzte Zeitung" mit ihm über Patienten-Motivation, Defizite und neue Therapie-Optionen. mehr »