Ärzte Zeitung online, 11.10.2017
 

Telematikinfrastruktur

Investition in die Zukunft

Kommentar von Hauke Gerlof

Die Krankenkassen machen Tempo bei der Digitalisierung. Der Start der elektronischen Patientenakte über die Telematikinfrastruktur (TI) steht frühestens 2019 auf der Agenda – im Gesundheitsministerium geht man sogar davon aus, dass erst 2021 alle Patienten über eine sektorübergreifende E-Akte verfügen werden. So lange wollen viele Kassen nicht warten. Sie setzen eigene Gesundheitsakten-Projekte auf die Schiene.

Wichtiges Kennzeichen dieser neuen Akten: Patienten können auch ohne Arzt auf ihre Daten zugreifen oder auch selbst eigene Daten in die Akte hochladen. Damit wird die entscheidende Schwäche – die Möglichkeit für Patienten, mit der eigenen Akte zu arbeiten – behoben. Dass dies dringend nötig ist, ist nun endlich Konsens in der Selbstverwaltung. Auch die KBV hat diese Forderung kürzlich aufgestellt.

Mit ihrer digitalen Akte prescht die AOK jetzt in zwei Bundesländern vor. Entscheidend ist, dass von vornherein auch niedergelassene Ärzte mit ins Boot genommen werden. Die Akte der AOK ist nicht als Insellösung konzipiert, sondern soll an die TI angedockt werden. Für Ärzte ist das ein wichtiges Signal: Wie auch immer sich das Projekt Gesundheitskarte weiterentwickelt – die Investition in den Konnektor hat Zukunft.

Lesen Sie dazu auch:
Start im Haff: AOK präsentiert eine digitale Gesundheitsakte

[12.10.2017, 11:16:24]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sorry, aber so geht das nicht!
Martin Litsch kann doch nicht als Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes von der neuen Bundesregierung "bei der Umsetzung der EU-Datenschutzverordnung Augenmaß [fordern]. Die Verordnung, die bis Mai 2018 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, müsse an die hiesigen Realitäten angepasst werden. Generell sieht Litsch die Entscheidungsstrukturen in der Gematik als gescheitert an". (Zitat Ende)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/81786/AOK-geht-mit-Portal-zum-Austausch-von-Gesundheitsdaten-an-den-Start

Ohne jemals demokratisch, gesundheitspolitisch und Expertise-mäßig legitimiert zu sein, kann und darf man als Spitzenverband von Körperschaften Öffentlichen Rechts nicht an der Bundesregierung, dem Bundesgesundheitsminister und der EU versuchen vorbei zu lavieren, um politische Entscheidungen vorwegzunehmen!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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