Ärzte Zeitung, 03.12.2008
 

Jeder dritte Bürger nutzt bei Gesundheitsfragen das Web

EU-geförderte Studie zeigt: Deutschland bei Internetnutzung rund um Gesundheit auf Platz drei

BRÜSSEL (spe). Immer mehr Deutsche betrachten das Internet als wichtigstes Informations- und Kommunikationsmedium im Rahmen ihrer Gesundheitsversorgung.

Im vergangenen Jahr nutzte jeder dritte Deutsche das weltweite Netz mindestens einmal im Monat, um mit "Gleichgesinnten oder Gesundheitsversorgern" über gesundheitliche Themen zu kommunizieren oder sich zu informieren. 2005 waren es lediglich 23 Prozent.

Dies ergab die von der EU geförderte Studie "e-health-Trends 2005-2007". Deutscher Projektpartner war der Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Universität Erlangen-Nürnberg. Für die Studie wurden im Herbst 2005 und im Frühling 2007 14  956 Personen im Alter zwischen 15 und 80 Jahren in sieben europäischen Ländern telefonisch befragt. Bei den Staaten handelte es sich um Deutschland, Dänemark, Norwegen, Polen, Litauen, Portugal und Griechenland.

Beim Ländervergleich landete Deutschland hinter Dänemark und Norwegen auf Platz drei. Insgesamt stieg die jährliche Internetnutzung für Gesundheitsfragen hier zu Lande zwischen 2005 und 2007 von 44 auf 57 Prozent. In Dänemark informierten sich im vergangenen Jahr 72 Prozent der Bevölkerung online über Krankheitsbilder oder Heilmethoden. In Norwegen sind es 68 Prozent.

Die Südländer hinken der Studie zufolge zwar noch etwas hinterher, holen aber stark auf. So habe die Internetnutzung in Portugal und Griechenland seit der ersten Befragung um 27 beziehungsweise 39 Prozent zugenommen, berichtet die Universität Erlangen-Nürnberg.

Die Online-Kommunikation über gesundheitliche Fragen sei in allen Ländern innerhalb des Zweijahreszeitraums signifikant angestiegen (plus sieben Prozent). Dagegen sei die Bedeutung der traditionellen Informationskanäle, wie Fernsehen, Radio, Druckerzeugnisse sowie Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, Freunde, Kollegen oder Familie, bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen konstant geblieben beziehungsweise zurückgegangen.

Als bemerkenswert bezeichnete Professor Hans-Ulrich Prokosch von der Universität Erlangen-Nürnberg die deutliche Zunahme des Kaufs von Arzneimitteln über das Internet in Deutschland. Hier betrug der Anstieg sechs Prozentpunkte auf 18 Prozent der Bevölkerung.

"Die Ärzteschaft muss sich darauf einstellen, dass die Anzahl der informierten und mündigen Bürger, die sich zu ihren Gesundheitsproblemen im Internet informieren, bevor sie zum Arzt gehen, immer größer wird", so Prokosch.

In Dänemark sind alle niedergelassenen Ärzte den Angaben der Forscher zufolge ab 2009 aufgrund des enormen Interesses der Bevölkerung an gesundheitsbezogenen Online-Informationen dazu verpflichtet, E-Health-Dienstleistungen anzubieten.

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