Ärzte Zeitung, 20.10.2014

Hessen

Telemedizin auf dem Vormarsch

DARMSTADT. Der Einsatz der Telemedizin könnte vor allem für Ärzte in ländlichen Gebieten Vorteile bringen. Darauf hat der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) beim ersten E-Health-Kongress "Vernetzte Gesundheit in Rhein-Main und Hessen" in Darmstadt verwiesen. "Ärzte sollen ihre Zeit mit Behandlungen von Patienten verbringen und nicht im Auto auf der Straße", betonte Al-Wazir.

Der Wirtschaftsminister plädierte auch für eine Vernetzung von Gesundheits- und IT-Branche. Wenn die beiden boomenden Wirtschaftsbranchen stärker zusammenarbeiten, werde die Telemedizin verstärkt zum Einsatz kommen. Dabei müsse aber immer die Sicherheit von Gesundheitsdaten gewährleistet sein, so Al-Wazir: "Höchster Datenschutz ist nötig."

Den Vorwurf, Hessen habe noch Nachholbedarf bei der Unterstützung von E-Health-Anwendungen, wies der Minister zurück. Er lobte die Initiative der hessischen Landesregierung zum Ausbau des Breitbandnetzes. "Ländliche Gebiete wie der Odenwald gehören zu den bestversorgten Landkreisen in Hessen - auch wenn es hie und da Funklöcher gibt."

200 Besucher bei der ersten Auflage

Die Resonanz auf den ersten E-Health-Kongress war groß: Fast 200 Besucher kamen am Freitag nach Darmstadt. Die Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main wolle mit dem Kongress ein "Aufbruchsignal" setzen und eine Plattform auf Landesebene schaffen, sagte Florian Gerster, Vorsitzender der Initiative. Die "Ärzte Zeitung" war Medienpartner der Veranstaltung.

Monitoring von Patienten mit Herzinsuffizienz per Smartphone und interdisziplinäre Fallkonferenzen per Internet seien keine Zukunftsmusik mehr, betonte Gerster. "Die Technik ist ausgereift und der Datenschutz ist ausreichend. Was fehlt, ist der deutliche Wille der Politiker, Telemedizin flächendeckend umzusetzen."

Bevor die Telemedizin in den Arztpraxen ankommen kann, müssen vor allem Abrechnungsmöglichkeiten geschaffen werden. Professor Hans-Jochen Brauns, Vorstandsvorsitzender der DGTelemed verwies darauf, dass es im ambulanten Bereich kaum Möglichkeiten der Abrechnung telemedizinischer Leistungen gebe. (ava)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Wenn Frauen beim Sex Urin verlieren

Unwillkürlicher Urinabgang beim Geschlechtsverkehr tritt bei Frauen öfter auf, als viele glauben. Gesprochen wird darüber nur selten. Dabei könnte den Betroffenen geholfen werden. mehr »

Aufgeschlossen, aber schlecht informiert

Jugendliche und junge Erwachsene halten sich beim Thema Organspende für eher schlecht informiert. Trotzdem sind sie dafür wesentlich aufgeschlossener als Ältere. mehr »

Hirnschaden durch zu viel Selen

Fast blind und dement kommt eine Frau zum Arzt. Dieser findet das Problem: Sie hat lange viele Selenpillen geschluckt. Die Nahrungsergänzung schädigte ihr Hirn dauerhaft. mehr »