Ärzte Zeitung, 01.07.2016

Immobilien

Trübt der Trend den Blick?

Von Gottfried Urban

Trübt der Trend den Blick?

Sparbuch und Lebensversicherung sind für die Altersvorsorge unrentabel geworden. Immobilieninvestments erscheinen attraktiv. Wohnungen in Ballungsräumen sind gefragt wie nie. Das führt zu Preisen, die beim 30-Fachen der Nettomiete liegen, in München sogar bis zum 50-Fachen.

Doch wenn man realistisch ist, lässt sich mit Wohneigentum nur Geld verdienen, sofern die Mieten noch weiter steigen und die Finanzierungskosten so niedrig bleiben wie jetzt. Allein mit dem Darlehenszins, der Mieteinnahme und dem Steuereffekt zu rechnen, reicht nicht.

Wenn je nach Alter und Zustand einer Immobilie etwa ein bis zwei Prozent jährlich für den Erhaltungsaufwand einkalkuliert werden, bleibt nichts mehr übrig. Und Verluste kann man nur aussitzen, wenn der Wert der Wohnung über die Jahre deutlich steigt.

Kürzlich sprach ich mit einem Immobilienverkäufer. Zweifellos ging es um die beste Wohnlage Münchens. Die Nettomiete lag etwas unter zwei Prozent des Kaufpreises.

Nach Berücksichtigung von Darlehenszinsen, Steuern und Instandhaltungsrücklagen blieb der Jahresertrag mit 0,5 Prozent im Minus. - Der Verkäufer beschwor mich: "Wollen sie eine sichere Geldanlage oder wollen Sie hohe, aber unsichere Renditen?"

Die Immobilie ist zum Stammtischgespräch geworden. Dieser Boom wird aber auch viele Menschen dazu verleiten, das Falsche zu tun: sich zu hoch zu verschulden, zu wenig auf Nebenkosten und Lage zu achten. Die Anlageimmobilie ist auf zwanzig Jahre und mehr zu sehen. In dieser Zeit kann viel passieren.

Hierzulande wird das Bevölkerungswachstum durch Flüchtlinge kurzfristig geschönt, langfristig wird die Zahl der Haushalte und damit die Nachfrage nach Wohnraum eher sinken.

Wer eine Anlageimmobilie kauft, sollte auch die Risiken sehen. Gegen den Trend jetzt ein Haus zu verkaufen, scheint auch eine Option zu sein.

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