Ärzte Zeitung, 11.05.2009

Anlagen-Kolumne

Schlechte Zeiten - und doch gute Zeiten an der Börse?

Aktien solider Unternehmen sind derzeit so preiswert wie selten. Eine dauerhafte Abstinenz vom Kapitalmarkt könnte mit Renditeverlust bestraft werden.

Von Gottfried Urban

Das Börsenjahr 2009 hatten vor wenigen Wochen viele Anleger schon abgeschrieben. Tatsächlich könnte es doch noch ein ganz guter Jahrgang werden. Vorauslaufende Konjunkturindikatoren wie die Preise für Rohstoffe oder Transportraten bei Schiffen deuten darauf hin, dass die Weltwirtschaft die Talsohle im Herbst durchschreiten könnte. Das würde den Börsen kräftigen Auftrieb geben.

Die Konjunkturprogramme werden erst in den Folgejahren ihre ganze Wirkung entfalten, deshalb werden von 2009 auf 2010 beachtliche Veränderungen zu erwarten sein. So könnte in den USA nach einem Schrumpfen der Wirtschaft im laufenden Jahr bereits in 2010 und 2011 ein Plus von zwei Prozent und mehr drin sein.

Besonders beeindruckt die Wirtschaft Chinas, die im ersten Quartal 2009 um über sechs Prozent gewachsen ist. In vielen Schwellenländern ist die Trendwende bereits vollzogen. An den Finanzmärkten rätseln die Anleger indes noch, ob der Anstieg seit Anfang März die lang ersehnte Trendwende darstellt oder ob es sich um eine Art Zwischenerholung handelt und die Baisse schon bald wieder ihre Fortsetzung findet.

Die Talsohle könnte im Herbst erreicht sein.

Ich glaube fest, dass deutsche Sparer in den nächsten Jahren trotz Minizinsen verstärkt auf Zinsanlagen setzen und weiter kein Vertrauen in unternehmerische Investments haben werden. In fünf Jahren werden viele Anleger dann feststellen, dass es wohl bessere Anlagen gegeben hätte.

Denn selbst diese Jahrhundertbaisse ändert nichts an der Tatsache, dass Produktivkapital langfristig höher verzinst werden muss als vermeintlich risikoloses Geld. Auf Sicht gilt es daher, an Aktien und Immobilien festzuhalten oder deren Depotanteil sogar jetzt aufzustocken. Nur den Notgroschen und Geld für mittelfristige Anschaffungen sollten Anleger in Zinsprodukte stecken. Die Altersvorsorge muss überwiegend mit inflationsgeschützten Anlageformen erfolgen. Die Gewinner des nächsten Wirtschaftszyklus werden anpassungsfähige und substanzstarke Firmen sein. Im Moment sind Aktien solider Unternehmen so preiswert wie selten.

Wenn der Markt mit niedrigen Einstiegskursen lockt, steht einem langfristigen Engagement nichts entgegen. Halten Sie an transparenten Aktienfondskonzepten fest und vertrauen Sie auf gute Mischfonds erfahrener Verwalter. Jedes Depot sollte aus zwei Bausteinen bestehen, die sowohl für Inflation als auch für den Fall einer langen Wirtschaftsflaute geeignet sind. Geldkontoanlagen und Immobilien mit Grund und Boden, Industrieanleihen und Gold sowie andere Rohstoffe und Zinspapiere mit Aktien funktionieren jeweils in einer der beiden Situationen. So kommen Sie gut durch die Krise.

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