Ärzte Zeitung, 30.05.2011

Anlagen-Kolumne

In der Eurokrise zahlt sich Geduld für Anleger aus

Die Verschuldungsprobleme einiger Eurostaaten wirken sich direkt auf die Börse aus. Die nächsten Wochen kann mit antizyklischen Einstiegssignalen gerechnet werden.

Von Jens Ehrhardt

In der Eurokrise zahlt sich Geduld für Anleger aus

Geduld dürfte sich auszahlen. Die Aktienmärkte haben vor dem Hintergrund der ungelösten Probleme in der Eurozone und des hohen Optimismus-Niveaus zuletzt deutlich nachgegeben.

Im Moment schwenkt das Pendel zwischen den verschiedenen globalen Krisenherden hin und her, wie auch an den starken Währungsreaktionen des Euro und des US-Dollar deutlich zu sehen ist.

Gut möglich, dass in einigen Wochen wieder die USA am Pranger stehen, während im Moment die verschuldeten EU-Saaten sich im Fadenkreuz befinden. Offensichtlich ist niemand imstande, eine schlüssige Lösung für die aktuellen Probleme zu präsentieren, also versucht man, sich durchzumogeln und auf Zeit zu spielen. Dabei werden die Maßnahmen und Summen, um die es dabei geht, immer skurriler.

Ein Grundproblem wird bei der derzeitigen Verschuldungsdebatte etwa bei Griechenland vernachlässigt. Jedes Unternehmen und eigentlich auch jede Volkswirtschaft braucht ein tragfähiges Geschäftskonzept.

Abgesehen von wenigen Nischenprodukten und dem Tourismus gibt es dieses jedoch nicht. Mit einem Exportanteil von lediglich 20 Prozent würde Griechenland nur in geringem Umfang von einem Ausstieg aus dem Euro und einer damit verknüpften Abwertung der eigenen Währung profitieren.

Für den Anleger ist die Lage diffizil: Er kann sich zwar überlegen, welche Lösung die vernünftigste wäre. Am Ende ist es aber wichtiger zu prognostizieren, welche Lösung die wahrscheinlichste sein wird.

Genauso wie von offizieller Seite die Wahrheit nur scheibchenweise veröffentlicht wird, dringt auch das wahre Ausmaß der derzeitigen weltweiten Verschuldung nur langsam in das Bewusstsein der Menschen vor.

Für Deutschland dürfte dies vorerst noch positiv sein, denn die deutsche Wirtschaft wird mit den derzeit niedrigen Zinsen stärker stimuliert als nötig. Da die Zinsen wegen der Verschuldungsproblematik nicht angehoben werden können, dürfte die positive Stimulierung weiter anhalten.

Verfestigt sich zudem die zunehmende Skepsis der Markteilnehmer in den Stimmungsumfragen, wird es die nächsten Wochen erste antizyklische Einstiegssignale geben. Denn auf Sicht der nächsten Quartale kann damit gerechnet werden, dass weitere Lockerungen insbesondere in den USA auf dem Plan stehen.

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