Ärzte Zeitung, 07.11.2016
 

Small Caps

Börsenzwerge mit großem Kurspotenzial

Aktien kleinerer Unternehmen sind an der Börse deutlich geringer bewertet als die der Großkonzerne. Analysten hoffen daher auf das SDax-Segment.

Von Richard Haimann

NEU-ISENBURG. Nur wenige Anleger dürften bereits von Amadeus Fire gehört haben. Dabei zählt die Aktie des Personalvermittlers aus Hamburg zu den Überfliegern an der Börse. Ihr Kurs ist in den vergangenen fünf Jahren um 156 Prozent gestiegen.

Andreas Wolf von Warburg Research glaubt, dass die Rallye weitergeht. Denn angesichts des Fachkräftemangels setzen deutsche Unternehmen immer stärker auf Personaldienstleister. Es gebe eine "starke Dynamik im Bereich der Vermittlungen", sagt Wolf, der das Papier mit "Kaufen" eingestuft hat.

Die Amadeus-Aktie zählt zu den sogenannten Small Caps, den kleineren börsennotierten Unternehmen. Die nach ihrer Marktkapitalisierung 50 größten deutschen Zwerge sind im SDax zusammengefasst. Nach dem Leitindex Dax und dem MDax, dem Börsenbarometer der 50 am stärksten bewerteten mittelgroßen Unternehmen, ist dies der dritte deutsche Börsenindex. Im Gegensatz zum vierten Index, dem TecDax, in dem kleinere Technologiefirmen zusammengefasst sind, stammen die Unternehmen im SDax aus allen möglichen Branchen. Doch egal, welches Geschäft die Firmen betreiben, Analysten sehen bei etlichen Nebenwerten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern noch deutliches Kurspotenzial.

Aktienmarktzyklus im Blick

"Gemessen am Gewinn notieren die europäischen Small Caps 20 bis 25 Prozent unter denen der großen und mittelgroßen Standardwerte in den Leitindices", sagt Stéphanie Bobtcheff, Managerin von zwei europäischen Nebenwerte-Fonds bei der französischen Investmentgesellschaft La Financière de l'Echiquier.

"Dies ist ein Zeichen, dass sich der mehrjährige Aufschwung an den Börsen noch nicht dem Ende neigt", sagt Moritz Westerheide, Analyst der Bremer Landesbank. Denn in der Vergangenheit zogen in der Schlussphase eines Aktienmarktzyklus die Kurse der Nebenwerte regelmäßig so stark an, dass ihre Bewertungen gleichauf mit denen der Konzerne in den Leitindices lagen. Zu den SDax-Werten, für die Kaufempfehlungen von Analysten vorliegen, zählen so verschiedene Unternehmen wie der Autozulieferer Bertrandt, der Stuttgarter Büroausstatter Takkt, der Augsburger Fahrzeugwaschanlagen-Hersteller Washtec oder der Paderborner Produzent von Geldautomaten und Kassensystemen Wincor Nixdorf.

Zwar ist dessen Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 44 Prozent gestiegen. Dennoch habe die Gesellschaft zuletzt erneut gute Zahlen präsentiert, urteilt Deutsche-Bank-Analyst Uwe Schupp, der das Papier mit "Kaufen" einstuft. "Operativ zeigt Wincor eine überraschend starke Entwicklung."

Der US-Konzern Diebold hat dieses Jahr 80 Prozent der Anteile übernommen. Schupp vermutet, dass die Amerikaner auch die restlichen 20 Prozent aufkaufen könnten, was der Aktie nochmals einen Schub versetzen würde. Überhaupt seien Small-Cap-Unternehmen dabei, zu beliebten Übernahmezielen zu werden, sagt Fondsmanagerin Bobtcheff. "Davon profitiert das gesamte Börsensegment." Die belgische Carglass-Mutter D'leteren will gerade den italienischen Notizbuch-Hersteller Moleskine aufkaufen. Der irische Technologie-Dienstleister Accenture bietet für die französische Octo Technology. Der US-Konzern General Electric versuchte im Oktober, den deutschen Mischkonzern SLM Solutions aufzukaufen, scheiterte aber vorerst am Veto des US-Investors Elliott, der 20 Prozent der Aktien hält.

Kapital breit streuen

In allen drei Fällen waren die Aktienkurse der Übernahmekandidaten deutlich gestiegen. Um ihre Ertragschancen zu erhöhen und die Risiken zu begrenzen, können Anleger ihr Kapital breit über Aktien kleinere Unternehmen streuen, in dem sie in Nebenwerte-Fonds oder börsennotierte Indexfonds wie den iShares MSCI EMU Small Cap oder den UBS ETF MSCI EMU Small Cap investieren. Bei den passiv gemanagten börsennotierten Indexfonds sparen sie zudem den Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent und profitieren von sehr niedrigen Verwaltungsgebühren.

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