Ärzte Zeitung online, 02.10.2017
 

Anlagen-Kolumne

Faires KGV – eine gute Orientierung

Von Jens Ehrhardt

Auch wenn es viele Kennzahlen zur Bewertung einer Aktie gibt, sticht dabei eine ganz besonders heraus: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV gibt an, den wie vielfachen Faktor des Jahresgewinnes eines Unternehmens man derzeit an der Börse zahlt.

Ein Jahresgewinn von einer Milliarde Euro und zehn Milliarden Marktkapitalisierung würde also ein KGV von 10 ergeben. Das KGV kann man beispielsweise auch für eine Immobilie oder Anleihe berechnen. Wenn die Nettojahresmiete einer Wohnung 12.000 Euro betragen würde, die man für 240.000 Euro kaufen würde, wäre das KGV 240.000 Euro durch 12.000 gleich 20. Generell gilt, je niedriger das KGV einer Anlage ist, desto besser ist es, da man theoretisch eine höhere Rendite erwarten kann. Im langjährigen historischen Schnitt gilt ein KGV von 15 als durchschnittlich bei Aktien und alles unter 10 als günstig und über 20 als eher teuer.

Allerdings sollten sich Anleger vor Fehlinterpretationen hüten: Aktien mit niedrigem KGV, haben diesen nämlich oft zu recht so niedrig, weil sie vor großen Herausforderungen stehen, wie beispielsweise nun die Automobilindustrie. Man sollte daher das KGV immer in Relation zur Qualität und Wachstum eines Unternehmens sehen, denn für eine Wohnung in München oder Berlin wäre man ja auch bereit einen höheren Nettojahresfaktor zu zahlen als für eine Wohnung in Hof.

Mehr Orientierung kann das System des fairen KGV liefern. Nach intensiver Recherche und Kontakt mit dem Management wird versucht, die Qualität eines Unternehmens zu quantifizieren. Aus 16 Faktoren wird auf einer Skala von 1-10 (10 am besten) daher ein Durchschnitt (Qualitätsscore) gebildet: Geschäftsmodell, Markenstärke, Wettbewerbsvorteil, Produktqualität, Marktwachstum, Marktgröße, Marktrisiko, Wettbewerbsintensität, Managementqualität, Unternehmenskultur, Unternehmertum, Strategie, Gewinnwachstum, Umsatzwachstum, Margen und Eigenkapitalrendite.

Je höher dieser Durchschnitt der Qualitätsfaktoren, desto höher wäre auch das daraus abgeleitete faire KGV. Wenn ein Unternehmen mit einem Qualitätscore von 8,0 ein faires KGV von 20 hat, man es aber am Markt zu einem 17er KGV kaufen kann, wäre dies ein attraktiver Einstiegszeitpunkt nach dieser Methode.

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