Ärzte Zeitung online, 12.02.2018

Kettenreaktion

Warum moderne Börsensysteme zu kleinen Crashs führen

Von Gottfried Urban

Nach einem der besten Januarbörsen in der Geschichte gingen die Kurse in den letzten Tagen deutlich auf Talfahrt. Zur Erklärung lohnt ein Blick auf den modernen Börsenalltag.

In vielen Anlagestrategien spielt die menschliche Entscheidung keine Rolle mehr, der Computer übernimmt die Verantwortung für die Gewichtung von Aktien und Zinsanlagen.

Der Fondsmanager Gottfried Urban der Bayerische Vermögen AG ist mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

Handelssysteme geben immer mehr Geld in Risikoanlagen, wenn die Schwankung dieser Risikoanlagen zurückgeht. Steigt aber die Volatilität, wird sofort verkauft. Solche Handelssysteme waren nach Meinung vieler Experten auch die Hauptgründe für den kollabierten US-Markt.

In den letzten Jahren haben immer mehr Profianleger diese computergesteuerten Investmentstrategien gebucht. Das lässt auch risikoscheue Investoren leichter für Aktienanlagen begeistern, denn bei stärkeren Schwankungen wird sofort und ohne Limit verkauft und Gewinne sicher gestellt oder Verluste begrenzt.

Hier liegt das eigentliche Risiko. Wenn immer mehr Anleger die gleichen Modelle anwenden, kommt es zu Kettenreaktionen am Markt.

Eine Korrektur von zehn bis 15 Prozent vom Hoch in einem Kalenderjahr ist Börsennormalität, nur die Geschwindigkeit hat überrascht. Eine Verschnaufpause war dennoch überfällig. Dem stark überzogenen Optimismus der Marktteilnehmer in den USA tut eine Abkühlung gut.

 Ob es nun zu nachhaltigen und strategischen Umschichtungen aus Aktienmärkten kommen wird, ist zu bezweifeln, denn die weltweite Konjunktur wird in diesem Jahr gut laufen und der Zins wird gerade in Europa niedrig bleiben.

Die Unsicherheit wird die nächsten Wochen wohl eher anhalten. Dennoch bleiben schwache Tage Kauftage. Bei weiter hoher Volatilität sollte auch ein beruhigendes Statement des neuen Notenbankchefs Powell nicht lange auf sich warten lassen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Sind Light-Getränke nützlich oder schädlich fürs Herz?

Light-Getränke sind in Verruf gekommen, dick zu machen und Diabetes zu fördern. US-Experten nehmen Stellung zur Herzgesundheit von zuckerfreien Drinks - und differenzieren. mehr »

EU-Bürger im Brexit-England nur noch "Second Class"

Jetzt geht der Brexit offenbar in seine fiese Phase: Wer als EU-Bürger auf der Insel bleiben will, soll es nicht leicht haben, meint das britische Innenministerium. Was heißt das? mehr »

Weniger Salz? Studie nährt Zweifel an WHO-Empfehlungen

Die WHO rät derzeit, nicht mehr als 5 g Kochsalz mit der täglichen Kost aufzunehmen. Diese Empfehlung scheint nach den Daten einer großen Studie übertrieben zu sein. mehr »