Ärzte Zeitung, 11.04.2013
 

Einst fast pleite, jetzt im Aufwind

Das Erfolgsgeheimnis der Klinik Preetz

Traumergebnisse erzielt die Klinik Preetz heute, nachdem sie mehrere Jahre rote Zahlen geschrieben hatte. Ein neues Konzept brachte den wirtschaftlichen Umschwung.

Von Dirk Schnack

Das Erfolgsgeheimnis der Klinik Preetz

Binnen zehn Jahren verzeichnete das Krankenhaus Preetz einen Anstieg bei Patienten um ein Viertel.

© Dirk Schnack

PREETZ. Die Klinik Preetz ist der klassische Übernahmekandidat: kritische Größe (166 Betten), veraltete Baustruktur (50er und 80er Jahre) und in Trägerschaft eines Landkreises (Plön in Schleswig-Holstein).

Der Kreis jedoch hat an seiner Klinik festgehalten und damit Erfolg gehabt. Die Patientenzahl ist seit 2005 um 24 Prozent gestiegen, die Erlöse um 45 Prozent.

Das sind Traumergebnisse, die wohl kaum ein anderes Haus der Grund- und Regelversorgung in Deutschland aufweisen kann.

Kein Verbund, kein Outsourcing

Geschäftsführer Hermann Bölting bleibt jedoch bescheiden und verweist auf die niedrige Basis, auf der man in Preetz 2005 mit einem neuen Konzept aufbauen konnte.

Tatsächlich waren es nur 6745 stationäre Patienten, die man damals stationär versorgte. Der Umsatz betrug 18,6 Millionen Euro.

Doch im Gegensatz zu anderen Krankenhäusern kommt das Wachstum in Preetz ausschließlich aus schon bestehenden Abteilungen - Umwidmungen oder neue Stationen, die in anderen Häusern oft für Wachstum sorgen, gab es in Preetz nicht. Was also ist das Erfolgsgeheimnis des Hauses?

› Verbund? Fehlanzeige. Die Klinik Preetz arbeitet autonom und kann keine Synergieeffekte nutzen wie etwa Häuser der großen Konzerne.

› Monopolstellung? Fehlanzeige. Große Krankenhäuser in Kiel und Neumünster befinden sich in erreichbarer Nähe für die 17.000 Einwohner der Kleinstadt.

› Outsourcing? Fehlanzeige. Das Haus beschäftigt noch eigenes Küchen- und Reinigungspersonal.

Preetz setzt auf Vertrauen

Statt zu entlassen oder sein Heil unter dem Dach eines großen Konzerns zu suchen, setzt Preetz auf Vertrauen - und zwar bei den Patienten und den niedergelassenen Ärzten.

"Unsere Aufgabe ist die Grund- und Regelversorgung, darauf konzentrieren wir uns. Wenn eine bessere Versorgungsmöglichkeit besteht, verlegen wir. Das wissen unsere Patienten und unsere Einweiser", sagt Bölting.

Der Klinikmanager führt das Vertrauen der zuweisenden Ärzte auch auf die Kontaktpflege durch seine Chefärzte zurück. Die diskutieren mit den Praxisinhabern der Region auf Ärztestammtischen und bieten ihnen Fortbildungen in der Klinik an.

Nach einem Eingriff sind schnelle Informationen für die einweisenden Ärzte selbstverständlich. Statt auf anonyme Einweiserportale setzt man in dem kleinen Haus auf telefonische Erreichbarkeit.

Direkt neben dem Krankenhaus wurde 2009 ein Ärztehaus gebaut, in dem Praxen mit sechs Kassenarztsitzen untergebracht sind. Ganz bewusst ist kein Allgemeinmediziner dabei, um niemanden einseitig zu bevorteilen.

Neues Konzept legt Grundstein für den Erfolg

Die Meinung der Patienten wird wie in großen Häusern über Befragungen erhoben. Dabei loben die Patienten die persönliche Atmosphäre.

"Bei uns rauscht keine große Gruppe zur Visite ins Zimmer, sondern der Arzt setzt sich schon mal auf die Bettecke für ein persönliches Gespräch", beschreibt Bölting den Unterschied.

Trotz der überschaubaren Größe ist das Krankenhaus Preetz der größte Arbeitgeber der Region. 450 Mitarbeiter, darunter 40 Ärzte, sind im Krankenhaus selbst beschäftigt.

Hinzu kommen noch 190 Mitarbeiter, die im Alten- und Pflegeheim sowie im Rettungsdienst der gGmbH angestellt sind.

Den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Klinik legte Preetz mit einem neuen Konzept, als der Kreis Plön als Träger darüber diskutierte, welche Zukunft das kleine Krankenhaus haben könnte.

Damals erwirtschaftete die Klinik über mehrere Jahre Defizite. Alles schien damals möglich, auch ein Verkauf oder ein Austausch des Managements. Stattdessen vertraute man einem Konzept der Klinikspitze, das auf Kosteneinsparungen, kurze Wege und leistungsbereite Mitarbeiter setzte.

Gestraffte Entscheidungsstrukturen

Zugleich wurde das Haus in eine gGmbH umgewandelt, womit die Entscheidungsstrukturen gestrafft wurden. 2006 gelang die Trendwende, in den Folgejahren gab es ausschließlich schwarze Zahlen.

Die für viele Krankenhäuser problematische Suche nach Fachkräften ist durch die Nähe zu Kiel noch vergleichsweise entspannt. Rund 80 Prozent der in Preetz beschäftigten Ärzte wohnen in der Landeshauptstadt.

Allerdings kann in einem Krankenhaus dieser Größe der Ausfall von einzelnen Kräften kaum kompensiert werden.

Bölting ist realistisch genug zu wissen, dass die erfolgreichen Jahre für Preetz kein Automatismus sind.

Er erwartet, dass die schwierigen Rahmenbedingungen für den stationären Sektor das Überleben für ein Krankenhaus mit 169 Betten in Zukunft nicht leichter machen.

[12.04.2013, 11:33:53]
Dipl.-Psych. Roland Arnhold 
"Wir-müssen-privatisieren!"-Mythos eindeutig widerlegt
Endlich wiedere einmal ein Beleg dafür, dass "die Privaten" "es" eben nicht besser können.
Sobald die angeblichen Tugenden der Privaten - sach- statt proporzorientierte Entscheidungen, ohne Hineinreden der Politik, rentabilitäts- statt kostenorientierte Investitionsplanung - umgesetzt und gepflegt werden, sind die öffentlich-rechtlichen KH mindestens konkurrenzfähig (und eigentlich schon im Vorteil, denn sie müssen nicht zusätzlich noch Profit erwirtschaften).
Wenn dann noch die Tugenden des Öffentlichen Dienstes gelebt werden - faire Arbeitsbedingungen, sichere Perspektiven, kein unnötiges Outsourcing - dann haben die Häuser in öffentlicher Trägerschaft endgültig die Nase vorn (s.z.B. in S-H Verbund kommunaler KH, in Berlin Vivantes. zum Beitrag »

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