Ärzte Zeitung, 06.05.2013
 

Verkauf in Offenbach

Sana soll Klinikum fit machen

Der Deal mit der Stadt Offenbach ist in trockenen Tüchern. Die Sana Kliniken übernehmen das hoch verschuldete Klinikum - für einen symbolischen Euro.

Von Sabine Schiner

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Tiefrot wie die Schulden: der Neubau am Klinikum Offenbach. Nun übernimmt Sana das Regiment.

© Dedert / dpa

OFFENBACH. Das hoch verschuldete Klinikum Offenbach soll ein Haus der Maximalversorgung bleiben. Die Sana Kliniken AG sieht Entwicklungspotenziale - unter anderem will der Konzern versuchen, stärker mit Niedergelassenen und benachbarten Kliniken zu kooperieren.

Wie berichtet, überträgt die Stadt Offenbach zum 1. Juli 90 Prozent ihrer Anteile der Klinikgesellschaft für einen Kaufpreis in Höhe von einem Euro an die Sana Kliniken AG. Im Gegenzug hat Sana zugesagt, die Liquidität des Klinikums kurzfristig mit 25 Millionen Euro zu sichern.

Langfristig hat sich der private Betreiber verpflichtet, die Klinikum Offenbach GmbH so auszustatten, dass der Versorgungsauftrag sichergestellt werden kann. Künftige Verluste muss der Konzern tragen. Vorgesehen ist eine Gewinnbeteiligung der Stadt ab dem Jahr 2023 zur schrittweisen Rückführung der Gesellschafterdarlehen.

"Es ist eine schmerzhafte Prozedur für uns", sagte am Freitag Offenbachs Bürgermeister und Klinikdezernent Peter Schneider vor der Presse. Unter anderem hatte sich die Stadt bei den Kosten des Neubaus verschätzt.

Die Schulden des Klinikums in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro muss die Stadt nun alleine übernehmen. Für die "Fehler der Vergangenheit", wie Sana-Vorstand Thomas Lemke es nannte, übernimmt der Konzern nicht die Verantwortung.

Die Sana Kliniken AG ist die viertgrößte private Klinikgruppe Deutschlands. Zu ihr gehören 60 Kliniken mit insgesamt 26.100 Beschäftigten.

Aus Sicht von Professor Friedrich Grimminger, der das Verkaufsverfahren koordiniert und gesteuert hat, bringt der Konzern fachliche und wirtschaftliche Stärken mit, um das Krankenhaus wieder auf Kurs zu bringen.

Es wird Veränderungen geben

"Wir begreifen Krankenhäuser als Bestandteil der Infrastruktur", sagte Sana-Vorstandschef Dr. Michael Philippi. Das Klinikum bleibe auch unter der neuen Trägerschaft ein "Klinikum der Offenbacher".

Eine Aufgabe sei, das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken. "Wir sehen Entwicklungspotenziale beim Leistungsspektrum", sagte Philippi. Potenziale sehe er auch, was die Zusammenarbeit mit anderen Kliniken und Niedergelassenen angehe.

Es sei unerlässlich, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Der Marktanteil des Klinikums im Einzugsgebiet liege bei 45 Prozent. Für ein Haus mit 900 Betten und einem umfassenden Leistungsspektrum sei dies zu wenig.

Zu den vertraglichen Vorgaben gehört, dass Sana 110 Millionen Euro bis 2028 in die bauliche Infrastruktur investiert - und zwar auch dann, wenn es keine Fördermittel vom Land geben sollte. Sana wird auch die geltenden Tarifverträge der 2300 Beschäftigten übernehmen.

Eingerichtet werden soll zudem ein Mitarbeiterfonds in Höhe von 20 Millionen Euro, der für Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und "für Maßnahmen zur Strukturveränderung" genutzt werden soll.

"Es wird Veränderungen geben müssen", so Philippi. In welcher Ausrichtung, dazu könne er heute noch nichts sagen. Einen Wechsel werde es allerdings in der Geschäftsführung geben. Zuletzt hatte Franziska Mecke-Bilz vom Vivantes Konzern das Haus auf Sanierungskurs gebracht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Lehrstück für Kommunen

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