Ärzte Zeitung, 06.06.2013

Rating-Report 2011

Jetzt dritte Klinik macht Miese

Der neue Krankenhaus Rating Report alarmiert: Die wirtschaftliche Lage der Kliniken in Deutschland wird immer prekärer. Jede achte Klinik steht vor der Pleite.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Rund 13 Prozent der Kliniken waren 2011 von Insolvenz bedroht. 32,4 Prozent der Häuser arbeiteten defizitär.

"2011 ist sicherlich ein schwieriges Jahr für die Krankenhäuser gewesen", kommentierte Dr. Sebastian Krolop von der Unternehmensberatung Accenture beim Hauptstadtkongress die Ergebnisse des Krankenhaus Rating Reports.

Krolop ist einer der Autoren des Reports, für den 645 Jahresabschlüsse von Unternehmen mit knapp 1000 Klinikstandorten analysiert wurden.

Auch im Klinikmarkt gehe die Tendenz zur Kooperation. "Die Zahl der Träger hat in den letzten Jahren massiv abgenommen", so Krolop weiter. Fast zwei Drittel der Häuser gehören nach seinen Angaben inzwischen zu Klinik-Ketten.

Allerdings habe er zuletzt kaum Trägerwechsel und Privatisierungen beobachtet. "Wir gehen aber davon aus, dass das wieder an Fahrt aufnehmen wird", so Krolop.

Die regionalen Unterschiede haben sich weiter zugespitzt. Im Durchschnitt der östlichen Bundesländer schreiben 19,8 Prozent der Häuser Defizite, in Baden-Württemberg ist es dagegen fast jedes zweite (46,7 Prozent).

Leistungsdruck nimmt zu

Auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland schreiben mehr als 40 Prozent rote Zahlen. "Wir gehen davon aus, dass 2012 nicht anders war als 2011", sagte Co-Autor Dr. Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung.

Die wirtschaftlich angespannte Situation hat inzwischen zu einem Höchstmaß an Arbeitsverdichtung in den Kliniken geführt. Darauf wies Matthias Blum, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft NRW hin.

Auch Joachim Bovelet, scheidender Geschäftsführer des Berliner Klinikriesen Vivantes, warnte vor Produktivitätssteigerungen auf Kosten des Personals. "Der Leistungsdruck auf das Personal ist an einer Grenze angekommen, die nicht überschritten werden darf", sagte er.

Augurzky stimmte zu: "Wir können nicht noch weiter verdichten, sonst verlieren wir das Personal an andere Branchen", sagte er.

Sein Vorschlag: Durch ein qualitätsorientiertes Vergütungssystem Arbeit verringern. Er plädierte für "höhere Preise und weniger Arbeit". Vergütung solle an Indikations- und Ergebnisqualität geknüpft werden.

Für hohen Nutzen müsse es eine hohe Vergütung geben. Solange Vergütung an Menge geknüpft sei, brauche man Krankenhäusern nicht mit der moralischen Keule kommen, wenn sie in die Menge gingen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »