Ärzte Zeitung, 13.11.2013

Halle/Wittenberg

Montgomery für Erhalt der Unimedizin

BÄK-Präsident nennt mögliche Schließung kontraproduktiv - gerade in einem Flächenland, in dem schon heute Ärzte fehlen.

MAGDEBURG. BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery hat Überlegungen der Landesregierung in Sachsen-Anhalt kritisiert, die Medizinische Fakultät an der Universität Halle/Wittenberg zu schließen.

"Es ist kontraproduktiv, über das Einstampfen einer ganzen Studienrichtung nachzudenken", sagte Montgomery bei der Kammerversammlung Sachsen-Anhalt.

Gerade Flächenländer wie Sachsen-Anhalt, die bereits heute Probleme bei der Besetzung frei werdender Praxen hätten, seien auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen. Der zunehmende Ärztemangel verlange ein Bündel von Maßnahmen.

"Bisherige Lösungen springen zu kurz. Das alleinige Angebot von mehr Geld bringt nichts", so Montgomery. Er nannte eine gute Infrastruktur wie Kita-Plätze und Schulen, Entlastungen durch nichtärztliche Fachkräfte, aber auch geeignete Arbeitsplätze für Ehepartner als Beispiele.

Schließlich seien auch andere Zulassungskriterien für das Medizinstudium gefragt. "Ein Numerus clausus von 1,0 ist absurd. Wir brauchen auf dem flachen Land nicht nur Nobelpreisträger, sondern sollten eher versuchen, soziale Kompetenzen zu berücksichtigen."

Die Bundesärztekammer arbeite derzeit an entsprechenden Auswahlverfahren. Aber auch damit lasse sich das Problem des Ärztemangels nicht kurzfristig lösen. Der Ärztenachwuchs, der jetzt mit der Ausbildung starte, sei frühestens nach "zehn bis zwölf Jahren in der Praxis."

Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen äußerte Montgomery den Wunsch: "Wir hätten gern einen Gesundheitsminister, der aufgrund seiner Kompetenz ins Amt kommt."

Das Vorhaben von Union und SPD, Wartezeiten auf einen Facharzttermin auf vier Wochen zu begrenzen, rügte er als Populismus: "Patienten, die wirklich krank sind, müssen in der Regel keine vier Wochen warten." (zie)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »

Musiktherapie tut Krebskranken gut – zumindest kurzfristig

Ein Bericht für das IQWiG bescheinigt der Musiktherapie kurzfristigen Nutzen im Vergleich zur Routineversorgung bei Angst, Depression und Stress. Zur Bewertung von Langfrist-Effekten fehlen aber Daten. mehr »