Ärzte Zeitung, 30.05.2014

Hannover

Diakonie-Kliniken hängen am Tropf

Die Diakonischen Dienste Hannover (DDH) brauchen dringend Geld, um drei Kliniken weiter betreiben zu können. Hilfe erhofft man sich von der Landeskirche.

HANNOVER. In den nächsten vier Jahren brauchen die Diakonischen Dienste Hannover (DDH) rund 90 Millionen Euro, um den Betrieb in ihren drei Krankenhäuser sowie ihre Diensten für Alte und Behinderte mit insgesamt rund 4500 Mitarbeitern aufrecht zu erhalten. "Wir müssen für den Fortbestand der wirtschaftlichen Stabilität sorgen", sagte DDH-Sprecher Achim Balkhoff der "Ärzte Zeitung".

Bei dem Millionenbetrag handelt es sich offenbar vor um Altschulden des Evangelischen Henriettenstifts in Höhe von rund 60 Millionen Euro, die 2006 zusammen mit dem Stift in die DDH einging.

Balkhoff sieht aber auch den niedrigen Landesbasisfallwert in Niedersachsen und die fehlenden Krankenhaus-Investitionen als Gründe für diese Entwicklung. "Der Investitionsstau im Land beträgt mindestens 2,1 Milliarden Euro", sagte Balkhoff.

Nun hat die DDH-Gruppe die Evangelische Landeskirche Hannover um Geld gebeten, um einen Teil der Altschulden zu tilgen. Rund 25 Millionen Euro sollen nach dem Willen der Antragsteller aus Kirchensteuermitteln in die Diakonischen Einrichtungen fließen.

Mitarbeiter sollen 24 Millionen Euro beisteuern

27 Millionen Euro will die Gruppe aus eigenen Anstrengungen und wirtschaftlicherer Arbeitsweise erbringen. Und rund 24 Millionen Euro sollen die Mitarbeiter beisteuern.

"Wir denken daran, die Tariferhöhungen zu begrenzen, das Weihnachtsgeld zu kürzen und zum Beispiel nur 80 Prozent des 13. Monatsgehalts auszuzahlen", sagte Balkhoff. Außerdem will die DDH 54 Stellen nicht wieder besetzen.

Die Hannoversche Landeskirche reagierte zurückhaltend auf den Antrag der DDH. "Der Antrag ist bei uns eingegangen", bestätigte Pastor Dr. Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche. Er nannte den Betrag "ungewöhnlich hoch." Ob die Kirchensteuern in die DDH-Häuser fließen werden, müsse die Landessynode entscheiden, das Parlament der Kirche, so Neukirch.

Der Jahreshaushalt der Landeskirche beläuft sich auf rund 500 Millionen Euro. Der Haushalt der DDH beläuft sich Angaben der Gruppe aus 300 Millionen Euro. (cben)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alzheimer-Anzeichen schon 25 Jahre vor Ausbruch

Die Alzheimer-Demenz kündigt sich in einigen Formen offenbar lange vor Krankheitsbeginn an. Das bringt Zeit, um die Erkrankung zu verhindern - womöglich sogar zwei Jahrzehnte. mehr »

Konzept der E-Patientenakte steht

Die elektronische Patientenakte nimmt konkrete Formen an. Ärzte, Zahnärzte, Krankenkassen und gematik haben sich auf ein Vorgehen zur Gestaltung der ePA geeinigt. Die Industrie bleibt vorerst außen vor. mehr »

Placebo ist nicht gleich Placebo

Ein Scheinmedikament zu verordnen, gilt manchen Ärzten als anrüchig - andere halten es für legitim. Bei vielen hängt es davon ab, woraus das spezielle Placebo besteht. mehr »