Ärzte Zeitung, 16.03.2016

Klinikum Nordfriesland

Ärzte in Niebüll dürfen hoffen

Trotz Defizits: Wirtschaftsprüfer votieren für den Erhalt des Klinikstandorts Niebüll. Ärzte und Bürger sind aber verunsichert, wie auf einem Treffen klar wurde.

Ärzte in Niebüll dürfen hoffen

Das Krankenhaus in Niebüll zählt zum kreiseigenen Klinikverbund Nordfriesland. In Südtondern hofft man auf einen Sicherstellungszuschlag für das defizitäre Haus.

© Dirk Schnack

NIEBÜLL. Neben der wirtschaftlichen Sanierung des Klinikums Nordfriesland muss der Kreis als Träger des Verbundes von vier Standorten einen massiven Vertrauensverlust aufarbeiten. Deutlich wurde dies auf einer Informationsveranstaltung für die Einwohner von Niebüll, als ein Gutachten zur Zukunftsfähigkeit des Klinikums mit Standorten in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk auf Föhr vorgestellt wurde.

Das Gutachten sieht wie berichtet den Erhalt des Niebüller Krankenhauses als nördlichstem Standort der drei Festlandkrankenhäuser vor. Geschlossen werden soll dagegen Tönning als kleinster Standort.

Trotz der eigentlich guten Nachrichten für die Einwohner in Südtondern hatten Landrat Dieter Harrsen und Kreispräsident Heinz Maurus in der vollen Niebüller Stadthalle einen schweren Stand. Ressentiments und Misstrauen wurden in vielen Wortbeiträgen, auch von Klinikärzten und niedergelassenen Kollegen, gegen die Klinikführung deutlich.

In Südtondern argwöhnt man, dass die Klinikzentrale in Husum Zahlen verschleiert. Dahinter steckt die Vermutung, dass das Niebüller zulasten des Husumer Krankenhauses "schlechtgerechnet" werden sollte, um im internen Vergleich besser abzuschneiden. Die Wirtschaftsprüfer versicherten, keine Anhaltspunkte für diese Vermutung gefunden zu haben.

Jahrelange Ungewissheit

Ein Arzt machte den Kreisrepräsentanten klar, dass diese Stimmung Ergebnis jahrelanger Verunsicherung über die Zukunft des Klinikstandorts ist. Die Niebüller verknüpfen diese Unsicherheit eng mit der in Husum ansässigen Klinikführung - die nach Angaben des Landrats ausgerechnet an diesem wichtigen Abend "terminlich verhindert" war. Der Landrat erntete für diese Antwort schallendes Gelächter von fast 500 Besuchern.

Dass es am Ende doch ein guter Abend für Südtondern wurde, ist den Empfehlungen der Wirtschaftsprüfer zu verdanken. Sie hatten den Standort wie berichtet aus wirtschaftlichen und aus Versorgungsgesichtspunkten heraus zu prüfen und waren zum Ergebnis gekommen, dass das Angebot in Niebüll nicht wie befürchtet begrenzt werden sollte - trotz eines Defizits am Standort.

Das hoffen die Beteiligten künftig durch einen Sicherstellungszuschlag begrenzen zu können. Schleswig-Holsteins Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner versicherte in Niebüll, in dieser Frage an der Seite des Klinikums zu stehen. Der Kreispräsident sieht auch unter den Krankenkassen Aufgeschlossenheit für diesen Vorschlag. Doch auch in dieser Frage bleiben die Niebüller misstrauisch - die Kassen waren der Veranstaltung fern geblieben.

Deutlich wurde dagegen, dass ein Gesamtkonzept erforderlich ist, um weitere finanzielle Stützungen zu vermeiden. Allein im vergangenen Jahr musste der Kreis sein Klinikum mit 4,5 Millionen Euro subventionieren, um eine Insolvenz zu vermeiden. Der Landrat machte klar, dass der Kreis dieses Geld nicht dauerhaft aufbringen kann.

Hinweis auf Daseinsvorsorge

Viele Menschen in dem Kreis sehen in den Finanzen aber nicht den entscheidenden Faktor für den Erhalt ihres Klinikums. "Vielleicht geben wir das Geld für den Erhalt ja gern, das gibt keinen Aufschrei. Den gibt es aber, wenn die Klinik geschlossen wird", machte eine Bürgermeisterin aus der Region deutlich. Andere gaben den Hinweis auf die Daseinsvorsorge: Auch eine Feuerwehr könne kein Gewinn erwirtschaften, müsse aber vorgehalten werden.

Wie betroffen die Menschen in der Region von den Schließungsgerüchten waren, zeigt deren massiver Einsatz. Es gab Demonstrationen und Menschenketten, eine Bürgerinitiative hat sich für den Erhalt der Klinik gebildet und über 26.000 Unterschriften gesammelt. Entschieden wird über die Zukunft am 23. März - dann müssen die Kreistagsabgeordneten abstimmen, wie es mit dem defizitären Verbund weitergehen soll. (di)

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