Ärzte Zeitung, 25.10.2016
 

Südwesten

Immer mehr Medizintouristen

Vor allem für kardiologische und onkologische Op gehen Medizintouristen gezielt nach Baden-Württemberg.

STUTTGART. Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg werden für Patienten aus dem Ausland zunehmend attraktiver. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) fanden im Jahr 2014 knapp 16.000 Meedizintouristen aus 136 Ländern den Weg in ein Krankenhaus im Südwesten.

Das seien rund 5500 mehr gewesen als im Jahr 2010 – ein Anstieg von über 50 Prozent in vier Jahren. Die Auswertung der TK basiert laut Kasse auf Daten des Statistischen Landesamtes.

Sehr beliebt seien die Kliniken im Südwesten bei Patienten aus Frankreich. 2598 Patienten seien im Jahr 2014 für einen medizinischen Eingriff über den Rhein gekommen – plus 592 im Vergleich zu 2010.

Es folgten die Schweiz mit 1930 (plus 664) und Russland mit 1335 Patienten (plus 617). Besonders stark sei die Zahl der Patienten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren angestiegen.

Seien im Jahr 2010 noch insgesamt 708 Patienten aus diesen drei Ländern registriert worden, seien es vier Jahre später schon 2031 gewesen.

Ein deutlicher Zuwachs sei auch bei Patienten aus Polen (708, plus 329), Italien (676, plus 200) und Österreich (586, plus 188) zu verzeichnen gewesen. Rückläufig sei dagegen der Patientenzustrom aus den USA.

Im Jahr 2010 seien noch 664 Menschen aus den Vereinigten Staaten in Baden-Württemberg behandelt worden, vier Jahre später insgesamt nur noch 499.

Wie die TK hervorhebt, stünden in Russland vor allem die Krebsspezialisten aus Baden-Württemberg hoch im Kurs. Jeder fünfte der insgesamt knapp 2000 ausländischen Krebspatienten im Südwesten komme aus diesem Land.

Auch in Saudi-Arabien (286 Patienten) werde die Krebstherapie in Baden-Württemberg sehr geschätzt. Patienten aus Frankreich kämen dagegen eher zur Behandlung von Herzerkrankungen über die Grenze (302 Patienten). Insgesamt seien 1189 ausländische Patienten zur Herztherapie nach Baden-Württemberg gekommen.

Bei den Medizintouristen besonders im Fokus liegt das Uniklinikum Heidelberg. 2015 wurden laut der Heidelberg Marketing GmbH 3500 Patienten aus dem Ausland am Klinikum medizinisch versorgt.

Beim Medizintourismus will Heidelberg noch mehr Potenzial ausschöpfen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Agentur gemeinsam mit dem Uniklinikum und Heidelberger Hotels das "Marketingprogramm Internationale Patienten" etabliert.

Die Märkte Russland und arabische Golfstaaten würden mit gezielter Pressearbeit und speziellen Werbeaktionen bearbeitet. (maw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »