Ärzte Zeitung online, 19.06.2018

Benchmark

Private Klinken sind am wirtschaftlichsten

Krankenhäuser in privater Trägerschaft verstehen sich mehr als Wirtschaftsunternehmen als das andere Häuser tun, so eine Analyse der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen von 1463 "Versorgungskrankenhäusern".

Von Matthias Wallenfels

Private Klinken sind am wirtschaftlichsten

Laut Studie erwirtschaften private Krankenhäuser mehr Geld.

© Frank May / picture alliance

BERLIN. Deutsche Krankenhäuser in privater Trägerschaft sind im Durchschnitt deutlich ertragskräftiger als freigemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Krankenhäuser. Die privaten Häuser nehmen weniger öffentliche Fördermittel in Anspruch und zahlen mehr Steuern als Krankenhäuser in anderer Trägerschaft.

Das ist eines der zentralen Ergebnisse der jetzt publizierten Studie "Krankenhäuser in privater Trägerschaft 2018" des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Hochschule Fresenius in München im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK). Dazu haben die Wissenschaftler um den Gesundheitsökonomen Dr. Boris Augurzky zahlreiche Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 1996 bis 2016 ausgewertet.

Der Fokus der Studie liegt auf den Versorgungskrankenhäusern, die nach den diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG) abrechnen. Datengrundlage sind die amtlichen Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamts. Sie umfassten für das Jahr 2015 Daten von 1463 Versorgungskrankenhäusern, darunter 405 in privater, 572 in freigemeinnütziger und 486 in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft.

Ohne Psychiatrie und Psychotherapie

Unter dem Terminus Versorgungskrankenhäuser fassen die Studienautoren Plankrankenhäuser, Krankenhäuser mit Versorgungsvertrag und sonstige Krankenhäuser, die zum Teil über DRG abrechnen, zusammen. Psychiatrische oder psychotherapeutische Krankenhäuser, reine Tages- und Nachtkliniken sowie Universitätskliniken wurden nach eigenen Angaben hingegen nicht in die Analysen mit einbezogen.

Die Wirtschaftlichkeit der privaten Krankenhausträger spiegelt sich unter anderem in ihrer Ertragskraft wider. Die EBITDA-Marge inklusive Fördermitteln privater Krankenhäuser betrug im Jahr 2016 im Durchschnitt 14 Prozent der Gesamterlöse.

Die EBITDA-Marge wird dabei angegeben als das Verhältnis des operativen Ertrages – Umsatz nach Abzug von Personal- und Sachkosten – zu den Gesamterlösen. Im Schnitt kommt ein Krankenhaus bei der Gesamtbetrachtung über alle drei Trägertypen hinweg auf eine EBITDA-Marge inklusive der auf dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) fußenden Fördermittel von 8,4 Prozent – die freigemeinnützigen Häuser kommen dabei auf 7,0 Prozent, die kommunalen auf 6,8 Prozent.

Unter Herausrechnung der KHG-Mittel erzielen die Häuser im Schnitt eine EBITDA-Marge von 6,1 Prozent. Auch hier führen laut Studie wiederum die privaten Träger mit 12,9 Prozent vor den freigemeinnützigen mit 4,8 Prozent und den kommunalen Trägern, die im Schnitt lediglich 3,8 Prozent erreichen.

Die privaten Häuser nehmen, wie die Truppe um Augurzky betont, weniger öffentliche Fördermittel in Anspruch und zahlen mehr Steuern als Krankenhäuser in anderer Trägerschaft. In ihrer Ausstattung und der Zufriedenheit der Patienten lägen sie dabei gleichauf mit Kliniken anderer Träger.

Die privaten Einrichtungen hätten die höchste Arbeitsproduktivität aller Krankenhäuser, die Zahl der zu betreuenden Patienten je Vollkraft liege etwas höher als in Häusern anderer Träger.

Plädoyer für mehr Digitalisierung

Von der Produktivität schlagen die Autoren eine Brücke zu dem viel diskutierten Fachkräftemangel. "Für Krankenhäuser wird es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden", prognostiziert der Mitautor und Fresenius-Gesundheitsökonom Professor Andreas Beivers.

Daher fordere er mehr Offenheit für die Digitalisierung, Robotik und Künstliche Intelligenz sowie ein modernes Zuwanderungsgesetz. Die im Koalitionsvertrag verankerten Reformen seien hier "nicht zielführend".

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