Ärzte Zeitung online, 11.01.2019

Bayern

Kliniken fordern mehr Einsatz der Landesregierung

Die Landespolitik soll Versorgungsstrukturen mehr steuern, fordert die Bayerische Krankenhausgesellschaft. Im Rahmen der Integrierten Versorgung soll das auch für den ambulanten Bereich gelten.

Von Christina Bauer

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Klinikplanung in Bayern: Die Krankenhausgesellschaft fordert mehr landespolitisches Engagement.

© Gerhard Seybert / stock.adobe

MÜNCHEN. Die Bayerische Krankenhausgesellschaft fordert die Landespolitiker zu mehr Gestaltung der Versorgung auf.

„Bedarfsgerechte Versorgungsstrukturen im stationären und ambulanten Sektor müssen von den Ländern festgelegt werden“, sagte der Vorsitzende Franz Stumpf kürzlich bei der Mitgliederversammlung.

Das bloße Umsetzen von Bundesvorgaben entspreche nicht dem Ziel einer landesspezifischen Krankenhausplanung. Zur Situation in Bayern merkte Stumpf zudem kritisch an, dass es zwar richtig sei, die Krankenhausträger in die Versorgungsplanung mit einzubeziehen.

Das derzeitige Vorgehen, dass die Träger die Versorgung vor Ort selbst festlegen könnten, entspreche aber nicht dem Ziel der Versorgungsplanung. Besonders für das Etablieren integrierter Strukturen müsse das Land auch im ambulanten Bereich mitgestalten.

Neues Vergütungssystem erwünscht

„Gefragt sind regionale, an Bedarf und Angebot angepasste Konzepte, die nur eine Realisierungschance haben, wenn sie in der Letztverantwortung des Landes liegen“, so Stumpf. Derzeit erschwere Überregulierung die Arbeit der Kliniken. Diese versuchten, sich mit den 30.000 OPS-Ziffern, 1300 DRGs und 200 Zusatzentgelten zurechtzufinden.

Von Kassenseite seien sie ständig mit Prüfungen von Qualität, Abrechnungen oder Strukturen konfrontiert. Stumpf forderte, Rechnungsprüfungen des MDK solle es nur noch bei Auffälligkeiten geben. Zudem müsse ein Vergütungssystem etabliert werden, das Leistungen und Vorhaltekosten berücksichtige.

Klinikbesonderheiten sollten mehr Beachtung finden. Qualitätssicherung müsse dezidiert der Qualitätsverbesserung dienen, umgekehrt sollten Kliniken transparent über Qualität informieren.

Ministerin verbreitet Zuversicht

Positiv verortete Stumpf die Vorhaben der Bundespolitik, kleinen Kliniken ambulante und Pflegeleistungen zu ermöglichen, und der bayerischen Koalition, Defizite bei Umstrukturierungen auszugleichen.

„Manches Krankenhaus der Grundversorgung könnte sich damit ein neues Profil als Gesundheitszentrum in der Region schaffen“, so Stumpf. Es sei nicht zuletzt eine politische Aufgabe, bei Neustrukturierungen die Bürger mitzunehmen und ihnen Vorteile aufzuzeigen.

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft wolle sich dabei gern einbringen. In einigen Fällen könnte der Zusammenschluss oder die Reduktion von Standorten „zum Nutzen der Bürger“ sein, so die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU).

Daher gebe es das Angebot der bayerischen Regierung, für die nächsten drei Jahre Betriebskostendefizite großenteils auszugleichen, wenn eine Klinik ein Umstrukturierungskonzept umsetze. Das ändere nichts an der Absicht, eine flächendeckende Versorgung aufrechtzuerhalten.

„Nach manchen Vorstellungen müsste demnächst in Bayern die Hälfte aller Krankenhäuser schließen“, so Huml. Das sei „absurd“. „Wir werden das Krankenhausprogramm über die ganze Legislaturperiode auf Rekordniveau fortfahren“, betonte die Ministerin.

Die neuen GBA-Vorgaben zur abgestuften Notfallversorgung, an die entsprechende Zuschüsse geknüpft sind, sollten von den Einrichtungen in Bayern erfüllt werden.

Zugleich werde das Ministerium aber auf den Erhalt eines flächendeckenden Angebotes für alle Bürger achten. Zudem würden zusätzliche Gelder an Einrichtungen der Geburtshilfe gezahlt.

Kliniken erhielten Zuschüsse zum Erhalt von Geburtsstationen, wenn dort zwischen 300 bis 800 Geburten pro Jahr betreut würden.

Kommunen erhielten pro Kind 40 Euro, Hebammen eine Prämie von 1000 Euro. Ab Herbst 2019 stelle das Gesundheitsministerium ein zusätzliches Startgeld von 5000 Euro zur Verfügung.

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