Ärzte Zeitung, 10.08.2015

Bio-Hacking

Technik, die unter die Haut geht

Es klingt wie Science-Fiction, ist aber zum Greifen nahe: Direkt unter die Haut implantierte Mikrochips könnten zum Beispiel Krankenkassen dazu nutzen, die Vitalfunktion ihrer Versicherten zu überwachen. Doch selbst Softwareentwickler wollen solchen Vorhaben Grenzen setzen.

Von Matthias Wallenfels

Technik, die unter die Haut geht

Lassen sich Menschen durch Mikrochips kontrollieren? Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt.

© kaprikfoto / Fotolia.com

MÜNCHEN. Die Zukunft ist da und Science Fiction näher als wir denken. Einer der neuesten Trends ist das sogenannte Bio-Hacking.

 Micro-Chips werden dabei direkt unter die Haut implantiert und können mehrere Funktionen übernehmen wie beispielsweise per "Knopfdruck" die Haustüre öffnen oder aber für medizinische Zwecke Körperfunktionen überwachen.

Unter Software-Entwicklern wird das Thema Bio-Hacking gerade heiß diskutiert. Die Developer Week, nach eigenen Angaben eine der größten unabhängigen Software-Entwickler-Konferenzen in Deutschland, wollte wissen, ob der Trend das Zeug dazu hat, ein Massenphänomen zu werden.

In einer Umfrage unter deutschen Software-Entwicklern, die im März und April 2015 durchgeführt wurde und die der "Ärzte Zeitung" vorliegt, zeigt sich ein unentschlossenes Bild.

Ein Drittel der Befragten glaubt zum Beispiel, dass Bio-Hacking einen echten Nutzen für die Menschheit schafft und in Zukunft normal werden wird.

Ein Drittel gibt Trend keine Zukunft

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir zukünftig implantierte Chips der NFC-Technik (Near Field Communivcation) dazu nutzen, Türen zu öffnen, Kopierer zu bedienen oder um digitale Visitenkarten auszutauschen?

Von der technikaffinen Gruppe der Software-Entwickler glauben 36 Prozent, dass die Implantierung von Chips unter der Haut eine Randerscheinung bleiben wird.

Ein weiteres Drittel ist allerdings davon überzeugt, dass Bio-Hacking einen echten Nutzen für die Menschen schafft und in Zukunft normal werden wird. Der Rest glaubt, dass Bio-Hacking ohnehin vom deutschen Gesetzgeber vorab verboten werden wird.

"Eine Mischung aus Mensch und Maschine ist in der Medizin mit zum Beispiel Herzschrittmachern längst normal und akzeptiert", erklärt Florian Bender, Projektleiter der Developer Week und Initiator der Studie.

"Neue Technologien und immer kleiner werdende Geräte ermöglichen heute aber ganz neue Anwendungen, die zum ersten Mal auch im menschlichen Körper eingesetzt werden können. Dabei kann dieser Eingriff in die Natur des Menschen durchaus kontrovers diskutiert werden", resümiert Bender.

Freiwilligkeit ist das A und O

Mehr als die Hälfte der Befragten erachten Bio-Hacking solange als legitim, wie es der freien Entscheidung eines jeden Einzelnen obliegt.

Damit wird Szenarien, in denen zum Beispiel Kassen ein Chip-Implantat zur Bedingung für die Aufnahme in die Krankenversicherung machen, klar eine Absage erteilt.

Chip-Implantate just for fun werden von 42 Prozent der Befragten abgelehnt. So würden sich auch nur elf Prozent der Befragen selbst für einen Chip unter der Haut entscheiden.

Von dieser Untergruppe wiederum würden sich 83 Prozent nach eigener Aussage einen Chip implantieren lassen, um sich das Leben zu vereinfachen.

Darunter subsumieren sie Türöffnerfunktionen, digitale Visitenkarten oder ganz banale Einkaufslisten, die auf dem Chip gespeichert würden.

Vier Prozent würden dieser Lösung aus Sicherheitsgründen zustimmen - im Sinne eines digitalen Fingerabdrucks oder einer Handysperre.

 13 Prozent würden den Chip als medizinische Kontrollinstanz akzeptieren und sich zum Beispiel Körperfunktionen oder Fitnesswerte messen lassen - ein Trend, der auch in Deutschland bereits von einzelnen Assekuranzen verfolgt wird.

Assekuranzen setzen auf Kontrolle

Generali hatte zum Beispiel im November vorigen Jahres eine viel beachtete Kooperation mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery geschlossen. Discovery hat unter dem Namen "Vitality" ein Gesundheitsprogramm entwickelt, bei dem gesundheitsbewusste Kunden Gutscheine und Prämienrabatte erhalten.

Mit Beginn des nächsten Jahres sollen auch deutsche Kunden der Generali ein sogenanntes "Vitality-Konto" abschließen können und dann mit Boni und anderen Vergünstigungen für einen gesundheitsbewussten Lebensstil belohnt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Mit Geriatrietests zur Diabetestherapie à la carte

Der eine ist fit, der andere gebrechlich: Alte Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen individuelle Therapieformen. Ein Geriater gibt Tipps. mehr »