Ärzte Zeitung, 11.12.2013

Schleswig-Holstein

Erste Netzförderung über 100.000 Euro

Die KV Schleswig-Holstein überweist dieser Tage 100.000 Euro an das Ärztenetz Eutin-Malente. Der Verbund in Ostholstein erfüllt als landesweit erster die Netz-Förderrichtlinien der KV.

Von Dirk Schnack

Erste Netzförderung über 100.000 Euro

Mit Fördergeldern macht die KV Schleswig-Holstein Ärztenetzen das Dasein schmackhaft.

© blickwinkel/imago

BAD SEGEBERG. Vor ziemlich genau zehn Jahren gründete der niedergelassene Chirurg Dr. Thomas Schang das Ärztenetz Eutin-Malente. Seither ist der Verbund kontinuierlich gewachsen.

Bis auf die Kinderärzte und eine gynäkologische Praxis sind nach Angaben von Geschäftsführerin Heike Steinbach-Thormählen heute alle Praxen der Region Mitglied im Netz.

Die Hälfte von ihnen sind Hausärzte. Auch drei Klinikärzte sind dabei. Enge Kontakte pflegt das Netz unter anderem zu den regionalen Pflegeanbietern und Therapeuten.

Bisher kam Geld von der AOK

Die von der KV bewilligte Förderung ermöglicht es dem Netz, seine Arbeit unverändert fortzuführen. Bislang finanzierte sich der Verbund über Mittel aus einem jetzt auslaufenden Strukturvertrag mit der AOK.

Ob dieser verlängert wird, steht noch nicht fest. Die Fördermittel ermöglichen es dem 65 Mitglieder starken Ärztenetz, Geschäftsführerin Heike Steinbach-Thormählen weiter zu beschäftigen. "Ohne die Geschäftsführerin wäre das Netz nicht wirklich arbeitsfähig", erläutert Netzvorstand Schang.

Außerdem wird das Netz die Mittel in den Ausbau laufender Projekte stecken. Davon haben die Ostholsteiner in den vergangenen Jahren einige gestartet.

So etwa arbeiten die Netzärzte in gemeinsamen Arbeitsgruppen mit Klinikkollegen und Beratungsapothekern kontinuierlich an einer Arzneimittel-Empfehlungsliste oder mit dem regionalen Labor an einer kalkulierten Antibiotikatherapie.

Noch in der Pilotphase befindet sich ein Behandlungspfad für koronare Herzkrankheiten. Ein Depressionsnetz und ein Wundnetz werden gerade aufgebaut.

Bewilligung kam schnell

Der Weg vom Antrag zur Förderung war für das Netz kurz. Erst Ende Oktober hatte das Netz den Antrag bei der KV Schleswig-Holstein, die bereits im Sommer - und damit als eine der ersten KVen - ihre Förderrichtlinien verabschiedet hatte, eingereicht.

"Wir haben uns aber schon vorher an den Rahmenvorgaben der KBV orientiert und diese systematisch abgearbeitet", sagt Steinbach-Thormählen.

Knackpunkt war für die Ostholsteiner wie für die meisten Netze der Organisationsgrad mit der elektronischen Kommunikationsplattform KV SafeNet.

Anfang des Jahres arbeitete neben Schang nur ein weiterer Netzarzt damit, inzwischen sind es etwas mehr als die von der KV geforderten 50 Prozent der 41 Praxen. "Dafür waren viele Einzelgespräche in den Praxen notwendig".

Steinbach-Thormählen strebt einen Organisationsgrad von 80 Prozent mit KV SafeNet an. Viele Netze hatten diese Förderrichtlinie im Vorfeld kritisiert und halten sie für schwer erfüllbar.

Für eine Förderung im zweiten Jahr müssen 75 Prozent der Praxen KV SafeNet nutzen, nach zwei Jahren sogar 100 Prozent.

Das Problem: Besonders Psychotherapeuten sehen wenig Vorteile für ihre tägliche Arbeit durch KV SafeNet. In Ostholstein arbeitet das Netz inzwischen daran, auch die Kliniken von SafeNet zu überzeugen.

Erster Klinikträger beigetreten

Nach Auskunft des Netzes ist der erste von vier Klinikträgern in der Region, die Sana Kliniken Ostholstein, bereits beigetreten.

Die weiteren Kriterien bereiteten dem Netz kaum Probleme. Dazu gehören etwa die Erstellung eines Versorgungsberichtes, Nachweis von Management-Strukturen, gemeinsame Standards für teilnehmende Praxen, Kooperationsvereinbarungen mit nichtärztlichen Leistungserbringern, die Teilnahme von mindestens drei Fachgruppen und die Abdeckung eines zusammenhängenden Gebietes.

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