Ärzte Zeitung online, 11.07.2017

Appell

Regierung soll Netze im SGB V aufwerten

Drei Ärztenetze rufen die Bundesregierung auf, Netzen den Status als Leistungserbringer zu geben.

LINGEN. Vertreter dreier Ärztenetze haben einen Aufruf an die Politik verfasst: Ärztenetze brauchen den Leistungserbringerstatus.

Gabriele Bleul vom Netz "Hessenmed", Markus Knöfler vom "Praxisnetz Lauenburg" und Wolfgang Hentrich vom Ärztenetz "genial" in Lingen wollen mit einer an Politiker adressierten Broschüre sowie mit einer Webseite, auf der auch ein Erklärfilm abrufbar ist, erreichen, dass die kommende Bundesregierung den Paragrafen 95 SGB V (Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung) ergänzt. Anerkannte Praxisnetze sollten ein MVZ gründen dürfen. Außerdem sollen die Netze im SGB V als Leistungserbringer genannt werden. Unterschrieben haben den Aufruf fast 60 Verbände und Netze.

Komme die Gesetzesänderung, so könnten "Netze unabhängig und strukturiert die Versorgung steuern", sagt Henke. "Sie könnten selber Ärzte anstellen und MVZ gründen oder Versorgungsassistentinnen anstellen und so zielsicher einsetzen, wie es eine einzelne Praxis nie könnte." Die Initiative soll auch die Netze ins rechte Licht rücken.

"Wir haben einfach zu wenig Öffentlichkeit, die weiß, worum es bei Ärztenetzen geht", sagt Hentrich der "Ärzte Zeitung". Die Öffentlichkeitsarbeit der Dachorganisationen sei nicht ausreichend gewesen. "Die Politik ist verwirrt und weiß nicht, was wir tun. Selbst bei den KVen gibt es Wissenslücken und Befürchtungen", sagt Hentrich, "die Kooperation mit der KV Niedersachsen ist aber sehr gut." Zum Thema Leistungserbringerstatus äußert die KV sich zurückhaltend. "Das Netz als eigenständiger Leistungserbringer war bisher noch nicht Thema bei der KVN", sagt KV-Sprecher Detlef Haffke.

Hentrich zeigt sich überzeugt, dass Netze den Nachwuchs sichern, um so mehr, wenn sie MVZ gründen könnten. "Wir können jungen Ärzten mit hohen Ansprüchen an die Arbeitsbedingungen gute Möglichkeiten bieten." Freie Sitze können von den Netzen übernommen werden und nicht von Klinik-MVZ, so Hentrich.

Dass es in Lingen nur einen freien Hausarztsitz und einen Versorgungsgrad von 108 Prozent gibt, führt Hentrich auch auf die Versorgung durch sein Ärztenetz "genial" zurück. In den benachbarten KV-Regionen beträgt der Versorgungsgrad 90 Prozent (Meppen) und 97,9 Prozent (Nordhorn). "In vielen Regionen retten die Netze den KVen bei der Sicherstellung der Versorgung den Hals", so Hentrich.(cben)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Das sollten Ärzte dann tun

Haben Ärzte den Verdacht, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder gar missbraucht wird, sollten sie umgehend tätig werden. Wie sie vorgehen sollten, erläutert Oliver Berthold, Leiter der Kinderschutzambulanz in Berlin. mehr »