Ärzte Zeitung online, 20.02.2018

Hörgeräteanpassung

Ärzte dürfen nur mit Meister-Hörakustikern

Zur Hörgeräteanpassung in der HNO-Praxis kann nicht jeder x-beliebige Hörakustiker als Kooperationspartner dienen.

BERLIN. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) nimmt ein noch frisches Urteil des Münchener Verwaltungsgerichtes aus 2017 (Az.: M 16 K 15.5455) zum Anlass, auf Anforderungen an die Hörgeräteversorgung innerhalb der HNO-Praxis (sogenannter "verkürzter Versorgungsweg") hinzuweisen.

Unabdingbar für die Hörgeräteanpassung beim Arzt sei geschultes Praxispersonal sowie die Zusammenarbeit mit einem Hörakustik-Meisterbetrieb über eine gesicherte Internetverbindung, schreibt der BVMed. Die selbstständige Ausübung des Hörakustiker-Handwerks durch einen Gewerbetreibenden ohne Meisterbrief und Eintragung in die Handwerksrolle in der HNO-Praxis sei dagegen unzulässig.

In dem in München entschiedenen Streitfall hatte ein solcherart selbstständiger Hörakustiker auch am verkürzten Versorgungsweg teilgenommen. Das Landratsamt hatte ihm die selbstständige Ausübung des Hörakustikerhandwerks im Rahmen seines "stehenden Gewerbes" jedoch untersagt.

Und das zu Recht, wie die Verwaltungsrichter befanden. "Ohne Meisterbrief ist eine vollhandwerkliche Tätigkeit als Hörakustiker verboten", kommentierte das Fachmagazin "Handwerksblatt" das Urteil.

Und der BVMed betont, im Rahmen des verkürzten Versorgungsweges sei eben nicht nur krankenkassenvertraglichen, sondern auch handwerksrechtlichen Vorgaben – wie etwa dem Meisterbrief – zu genügen.

In der Vergangenheit gab die Hörgeräteauswahl und -anpassung direkt in der Arztpraxis vor allem Anlass zu sozialrechtlicher Gesetzesinitiative. 2009 wurde, motiviert durch Wildwuchs im Kontext des höchstrichterlich prinzipiell erlaubten verkürzten Versorgungsweges, der Paragraf 128 ("Unzulässige Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern und Vertragsärzten") ins SGB V aufgenommen. Damit sollte korruptiven Kooperationen und Zuweiserprämien ein Riegel vorgeschoben werden. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »