Ärzte Zeitung online, 09.11.2017
 

Telematikinfrastruktur

Softwarehäuser warten weiter auf das Go

Die Fristverlängerung für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur steht. Doch noch immer fehlen Zulassungen für die Komponenten des Online-Rollouts der Gesundheitskarte. Die Softwarehäuser ärgern sich über langsame Prozesse.

Von Hauke Gerlof

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Bevor die Daten in allen Praxen in Deutschland über die TI sprudeln, müssen Ärzte die nötige Hardware aussuchen.

© ktsdesign / Fotolia

NEU-ISENBURG. Platzt zur Medica der Knoten für den Online-Rollout der elektronischen Gesundheitskarte? Nachdem der Bundesrat die Fristverlängerung für Vertragsärzte nun genehmigt hat, warten alle auf die ersten Zulassungen für die Komponenten des Online-Rollouts, vor allem auf Konnektoren, stationäre und mobile Kartenlesegeräte, Institutionenkarte SMC-B und VPN-Zugangsdienst.

Auch die Arztinformationssysteme brauchen eine Zulassung. Bisher sind lediglich Programme der CompuGroup Medical von der gematik zertifiziert. Am Mittwoch meldete die Deutsche Telekom, ihr Klinik-IT-System iMedOne sei nun bereit für die elektronische Gesundheitskarte.

Mit den Prozessen, die von der Betreibergesellschaft gematik aufgesetzt worden sind, sind die Praxis-EDV-Hersteller allerdings immer noch nicht zufrieden. Um ihre Programme zertifizieren zu lassen, testen die Hersteller gegen eine Art Konnektor-Simulation.

Allerdings mussten die Hersteller im Oktober offenbar wochenlang auf eine "vernünftige Version" warten, gegen die Praxisprogramme hätten getestet werden können. "Wir können nichts testen, wir haben ja nichts, gegen das wir testen können", sagte kürzlich Dr. Erich Gehlen vom genossenschaftlich organisierten Softwarehaus Duria aus Düren.

Kein komplettes Paket für Praxen

Das brauchen Ärzte für den Anschluss an die TI

  • Konnektor
  • Kartenleser (mobil und stationär)
  • Praxisausweis SMC-B
  • VPN-Zugangsdienst
  • Zertifizierte Praxis-EDV
  • Elektronischer Heilberufeausweis

Hört man sich unter Praxis-EDV-Anbietern um, zeigen sich viele skeptisch, was den weiteren Verlauf des Online-Rollouts angeht. Selbst wenn zur Medica die ersten Zulassungen für einen Konnektor, vielleicht sogar für ein Kartenlesegerät, von der gematik erteilt würden: "Ein komplettes Paket für den Online-Rollout wird es auch dann nicht geben", stellt medatixx-Geschäftsführer Jens Naumann fest.

Es seien beispielsweise auch bei der Ausgabe der SMC-B-Karten (Praxisausweis im Online-Verkehr) die Prozesse mit den Kassenärztlichen Vereinigungen teilweise noch nicht richtig aufgesetzt.

Rollout-Prozess über Jahre?

Unklar sei auch, wie die niedergelassenen Ärzte reagieren, wenn denn im Frühjahr alle Komponenten, vielleicht vorliegen, so Naumann. "Ich persönlich glaube, dass sich der Rollout-Prozess über einige Jahre hinziehen wird", glaubt er – trotz der angedrohten Sanktionen ab 2019. Bekanntlich soll nicht an die TI angeschlossenen Ärzten dann das Honorar um ein Prozent gekürzt werden.

Kopfzerbrechen bereiten den Anbietern auch die vielfältigen Initiativen für patientengeführte Gesundheitsakten, wie sie zum Beispiel von der AOK und der TK entwickelt werden: "Wir müssen jetzt gleichzeitig mit der Vorbereitung auf den Online-Rollout der Karte die Schnittstellen für die Gesundheitsakten programmieren. Das läuft doch schon an der TI rechts und links vorbei", ärgert sich duria-Vertreter Gehlen.

Und auch Naumann ist skeptisch. Selbst wenn miteinander kompatible Akten gebaut würden: "Einer will über ein VPN gehen, ein anderer über Webservices der Dritte über spezielle E-Mail-Anhänge: Die unterschiedlichen Transportwege, die Authentifizierung und die Signaturen werden die Projekte am Ende umbringen", fürchtet der Praxis-EDV-Fachmann.

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