Ärzte Zeitung online, 19.06.2019

Versorgungssicherung

Die etwas andere ÜBAG

Eine ÜBAG, vier Standorte, acht Kassenarztsitze: Für die hausärztliche Versorgung einer Region in Schleswig-Holstein steht das für ein Erfolgsmodell, das auch bei jungen Ärzten gut ankommt. Was macht sie anders?

Von Dirk Schnack

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Dr. Robert Lawrenz, Dr. Reinhold Turek, Ullrich Krug, Jürgen Aschmann und Dr. Angela Pape arbeiten mit drei weiteren Kollegen in einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft an vier ländlichen Standorten (v.l.).

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GROß VOLLSTEDT. Andere Orte der Größe haben gar keine Arztpraxis mehr: Die Gemeinde Groß Vollstedt in Schleswig-Holstein dagegen ist mit ihren rund 1000 Einwohnern der Stammsitz einer Überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG) mit vier Standorten, acht Kassenarztsitzen und 24 Mitarbeitern.

Auch besonders: Die ÜBAG besteht nicht wie die meisten dieser Organisationsformen aus Spezialisten einzelner Fachgebiete, sondern aus Fachärzten für Allgemeinmedizin – sie organisieren die hausärztliche Versorgung in der Region mitten in Schleswig-Holstein.

Der Zusammenschluss ist aus einer dreiköpfigen Gemeinschaftspraxis entstanden, die schon seit 1982 im Ort existiert. Inzwischen haben jedoch die meisten Ärzte gewechselt und das Alter der fünf Partner reicht heute von 38 bis 69 Jahren.

Neben dem jüngsten Allgemeinmediziner Dr. Robert Lawrenz und dem hausärztlichen Internisten Dr. Reinhold Turek, der seinen Ausstieg zum Jahresende plant, gehören noch die Allgemeinmediziner Dr. Angela Pape und Ullrich Krug und die hausärztliche Internistin Dr. Juliane Rump zu den Partnern. Angestellt sind die Allgemeinmediziner Dr. Kristina Lüken, Dr. Christine Körbächer und Jürgen Aschmann sowie zwei Weiterbildungsassistenten.

Wachstum mit Grenzen

Das jedoch kann sich ändern. Lawrenz etwa war Weiterbildungsassistent in dem Verbund und später angestellter Arzt, als Aschmann noch Partner war. Inzwischen haben die beiden die Rollen getauscht. Auch Rump hat als angestellte Ärztin an einem der Standorte angefangen und ist inzwischen Partnerin der ÜBAG.

„Als angestellter Arzt hat man nie hundertprozentige Sicherheit über den Standort, an dem man langfristig arbeiten wird. Das war mir als junger Familienvater wichtig, außerdem wollte ich mitgestalten und mitbestimmen“, nennt Lawrenz seine Motive für den Einstieg als Partner.

Aschmann dagegen war froh, einen jungen Kollegen gefunden zu haben, der langfristig hilft, die Versorgung in der Region aufrecht zu erhalten. Denn die Hausärzte sehen sich in der Verantwortung, die Versorgung mit zu gestalten. Nicht nur in Groß Vollstedt, sondern auch an den weiteren Standorten in Rendsburg, Nortorf, Aukrug.

Das ausgerechnet der kleinste der Standorte der Stammsitz mit einer über 300 Quadratmeter großen Praxis ist, erklären die Ärzte mit gewachsenen Strukturen – im Laufe der Jahre sind die neuen Standorte hinzugekommen. Es könnten noch mehr sein, wie Ullrich Krug berichtet: „Uns wurden weitere Kassenarztsitze angeboten, aber uns fehlen die Ärzte“, sagt er.

Hinzu kommt der organisatorische Aufwand, den die Ärzte betreiben, um in vier unterschiedlichen Orten präsent zu sein und sich dennoch regelmäßig auszutauschen und dem 24-köpfigen Team ein Wir-Gefühl zu vermitteln. Ärzte und Teams kommen dafür regelmäßig zusammen und werden bei Bedarf auch wechselseitig eingesetzt. „Alle Bedürfnisse des Teams unter einen Hut zu bekommen, ist eine Herausforderung“, räumt Krug ein.

Das betrifft etwa die Urlaubsplanung, eine Aufgabe, die Dr. Angela Pape übernommen hat. Organisatorisch leichter wäre es für den Verbund, die je zwei Arztsitze aus Rendsburg und Aukrug zu verlegen und in Groß Vollstedt und Nortorf zu integrieren. Das ist nicht nur planungsrechtlich schwierig, sondern auch Patienten in diesen Orten kaum vermittelbar – und um die geht es den Hausärzten.

Attraktiv für junge Ärzte

Für junge Kollegen ist der Verbund dennoch attraktiv. „Wir haben ein breites Spektrum, jeder Arzt hat seine eigenen Spezialisierungen“, nennt Turek einen der Vorteile. Ein anderer ist das Arbeiten im Team und die Möglichkeit, an den vier Standorten unterschiedliche Bedingungen der Niederlassung kennenzulernen.

Auch der Verdienst ist attraktiv: Im Verbund bekommt jeder Partner den gleichen Anteil aus der Praxistätigkeit ausgezahlt – unabhängig davon, wo er eingesetzt war und wie viele Patienten er behandelt hat. „Junge Ärzte müssen sich einarbeiten und brauchen länger.

Sie arbeiten aber genauso viel und bekommen deshalb auch den gleichen Anteil“, sagt Krug. Mit dieser Regelung sind nicht nur alle Partner zufrieden, die Umsätze sind auch hoch genug, um nahezu alle Investitionen vergangener Jahre aus dem laufenden Betrieb zahlen zu können.

Für Lawrenz war dies ein weiteres Plus für den Einstieg als Partner: Er konnte in einen wirtschaftlich gesunden Zusammenschluss einsteigen. Die Partner würden sich freuen, wenn weitere junge Kollegen folgen oder sich für eine Anstellung interessieren.

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