Ärzte Zeitung, 14.01.2013
 

50 Jahre MFA

Es hapert nicht nur beim Gehalt

Bilanz eines Berufsverbandes: Selbst nach 50 Jahren leiden viele MFA nach wie vor unter geringen Gehältern, klagt der VmF. Und auch bei der Ausbildung mahnt der Verband Nachholbedarf an.

Von Anne-Christin Gröger

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Der Beruf der Medizinischen Fachangestellten ist nach wie vor beliebt. Dennoch spüren laut dem Verband der medizinischen Fachberufe einige Regionen bereits einen Fachkräftemangel in den Praxen. Der Grund: die unattraktive Entlohnung.

© ISO K°- photography / fotolia.com

DORTMUND. In der Rangliste der beliebtesten Ausbildungsberufe für Frauen liegt der Beruf der Medizinischen oder Zahnmedizinischen Fachangestellten immer unter den Top 10. Baustellen gibt es dennoch immer noch genügend, davon sind die Mitglieder des Verbands der medizinischen Fachberufe (VmF) überzeugt.

"Gerade in der Qualität der Ausbildung ist noch Luft nach oben", sagte Gabriele Leybold, 1. stellvertretende Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe beim Pressegespräch anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Verbandes in Dortmund.

Viele angehende Medizinische Fachangestellte (MFA) beschwerten sich etwa darüber, dass sie ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben müssten. Nur die Hälfte der Zahnmedizinischen Fachangestellten erhält einen Ausgleich für geleistete Überstunden.

Bei der persönlichen Beurteilung der Ausbildungsqualität nahmen die Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) Platz 22 von insgesamt 25 ein, die MFA landeten auf Platz 16.

Leybold sieht an beiden Ausbildungsorten - Schule und Praxen - Optimierungsbedarf. "In den Praxen geht es darum, dass Auszubildende Auszubildende sein können und keine billigen Arbeitskräfte", sagte sie.

"In den Schulen setzen wir uns als Verband dafür ein, dass der Unterricht auf medizinisch-fachlich aktuellem Stand umgesetzt wird." Der Verband vertritt neben MFA und ZFA auch Tiermedizinische Fachangestellte (TFA) und seit 2010 auch Zahntechniker.

Eine der zentralen Aufgaben der Zukunft wird sein, die beruflichen Perspektiven weiter zu verbessern. "Hier hat sich in den vergangenen Jahren bei den MFA einiges getan", so Leybold.

Es stünden bereits modulare Fort- und Weiterbildungen zur Auswahl. Die Fortbildung zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung hätten im vergangenen Jahr bereits 129 Kolleginnen absolviert.

Mehr Wertschätzung gefordert

Auch die Fortbildungsmöglichkeiten in der Hausarztassistenz wie VERAH oder EVA würden gut angenommen. Diese Möglichkeiten müssten allerdings noch stärker publik werden.

"Zudem wünschen wir uns eine Entwicklung, dass MFA präventive Aufgaben übernehmen können, wie es bereits bei den ZFA der Fall ist", erklärte Verbandspräsidentin Sabine Ridder.

Ein weiterer Dauerbrenner für Leybold und ihre Kolleginnen: die Vergütung der Medizinischen Fachangestellten. "Junge Frauen und Männer von heute wollen einen Beruf erlernen, in dem sie nicht nur selbstständig arbeiten können, sondern der ihnen auch eine eigenständige Existenzsicherung ermöglicht", betont Leybold.

Das sei selbst bei Zahlung der Tarifgehälter besonders in den Jahren der Ausbildung nicht gegeben. "Wir fordern ein Anfangsgehalt von zehn Euro die Stunde", sagte Margret Urban, beim Verband verantwortlich für das Ressort Tarifpolitik.

"Zurzeit sind wir bei MFA bei 9,20 Euro, bei ZFA bei 9,01 Euro und bei TFA bei 8,41 Euro brutto."

Vor allem in den neuen Bundesländern würde häufig unter Tarif bezahlt. Für die neue Tarifrunde sieht Urban vor allem die Interessenvertretung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Fokus.

Durch die neue Struktur der Gehaltstabellen dürfen junge Kollegen nicht mehr wegen ihres Alters weniger verdienen als erfahrene Fachangestellte. "Wir wollen auf jeden Fall, dass Frauen mit mehr Berufserfahrung künftig nicht weniger als bisher bekommen, sie dürfen nicht durchs Raster fallen."

Die unattraktive Entlohnung verstärkt zudem den Effekt des Fachkräftemangels, der bereits in vielen Regionen Deutschlands Realität ist, meint Ridder. Dafür müssten die Berufe der Fachangestellten eine höhere Wertschätzung als bisher erhalten.

Ridder sieht vor allem die Ärzte mit ihrer Arbeitgeberverantwortung gegenüber den Krankenkassen in der Pflicht.

"Ärzte müssen ihre Mitarbeiter nicht nur an den Honorarerhöhungen teilhaben lassen, sondern auch gegenüber den Kassen selbstbewusster und deutlicher auftreten und die Forderungen der Angestellten in die Verhandlungen mit einbringen".

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Mehr Kampfgeist bitte!

[15.01.2013, 13:27:06]
Denis Nößler 
Per E-Mail erreichte und folgender Leserbrief
Sehr gehrte Frau Gröger,

Ich bin seit 28 Jahren Hausarzt. Der EBM 2000plus vom 01.04.2005 hat mir eine Minderung des Honorars von ca. 22 Prozent beschert, wahrscheinlich nicht nur mir. Außerdem hat es in den letzten 20 Jahren niemals einen Inflationsausgleich für niedergelassene Vertragsärzte gegeben.
Kampfgeist? Forderungen an die kranken Kassen werden von den Schiedsämtern sofort abgeschmettert.
Ich glaube, viele MFA haben nur noch deshalb ihren Arbeitsplatz, weil viele Ärzte es nicht übers Herz bringen, einer langjährigen Mitarbeiterin zu kündigen, obwohl es wirtschaftlich notwendig wäre.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Schloen zum Beitrag »

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