Ärzte Zeitung, 15.11.2010
 

Der App-Store hat auch Gesundheit im Regal

Der App-Store hat auch Gesundheit im Regal

Der Markt der Applikationen für Smartphones wächst rasant. Das hat auch die Healthcare-Branche erkannt: Die Apps reichen von Hör- und Sehtests über Pulsdruckrechner bis hin zu Lexika. Auf der Medica werden viele neue Apps auch für Ärzte vorgestellt.

Von Kerstin Mitternacht

Die unkomplizierte Bedienung der mobilen Applikationen auf dem Smartphone macht das Leben für viele Nutzer einfacher. Mit einem Navi fürs Handy werden Landkarten überflüssig, und beim Einkaufsbummel lassen sich mit einem App über das Mobiltelefon Preise und Produkte im Geschäft vergleichen.

Der App-Store hat auch Gesundheit im Regal

Ein iPhone liegt gut in der Hand. Hier mit einem Arznei-App von ifap.

© [M] ifap

Aber was genau sind Apps? Der Begriff kommt von Application und bezeichnet Anwendungen für Smartphones (Mobiltelefone mit leistungsfähigem Mikroprozessor). Apps können aus dem Internet, zum Beispiel im App-Store (Portal von Apple für Applikationen), auf das Smartphone heruntergeladen werden und sind direkt nach dem Datentransfer nutzbar.

In Mode kamen die Apps durch das amerikanische Unternehmen Apple mit den iPhone. Seitdem boomt der Markt. Die Applikationen können den Alltag erleichtern, und natürlich wollen App-Fans darauf auch nicht verzichten, wenn es um ihre Gesundheit geht.

Es gibt mehr als 5000 Apps im Gesundheitswesen

Auch Anbieter im Gesundheitswesen haben das Potenzial der Apps erkannt. Zum Beispiel gibt es eine kostenlose Pulsdruck-Applikationen von Merck Serono, die man sich im App-Store aufs iPhone herunterladen kann. Damit können Patienten, die regelmäßig ihren Blutdruck messen, aus den gemessenen Werten gleich den Pulsdruck von ihrem Smartphone berechnen lassen.

Dieser Wert sagt etwas über die Dehnbarkeit der arteriellen Gefäße aus und gibt dem Patienten somit Hinweise auf sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit einem Ampelsystem werden die Werte interpretiert und per E-Mail können sie an den behandelnden Arzt geschickt werden.

Es lassen sich aber mit Apps auch Seh- oder Hörtests auf dem iPhone machen. Einfach den Seh- oder Hörtest-App herunterladen und schon kann der Selbsttest beginnen. Der Sehtest auf dem Smartphone sieht dann genauso aus, wie bei einem Augenarzt.

Auch bei Diäten können Apps unterstützen: Als Waage kann man das Smartphone zwar noch nicht einsetzen, aber der Nutzer kann mit einem entsprechenden App täglich sein Gewicht eingeben und so den Gewichtsverlauf verfolgen oder seinen BMI (Body Mass Index) berechnen.

Die Nachfrage nach Apps boomt. Nach Einschätzungen des Verbandes BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) werden deutsche Nutzer in diesem Jahr voraussichtlich 755 Millionen Apps auf ihr Mobiltelefon laden.

Dies wäre ein Anstieg von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits im ersten Halbjahr 2010 wurden in Deutschland 346 Millionen Apps heruntergeladen, weltweit waren es etwa 3,9 Milliarden Apps. Schon heute existieren laut Angaben von BITKOM 500 000 Apps weltweit, im Gesundheitsbereich sind mehr als 5000 mobile Applikationen für Smartphones erhältlich.

Neben Navi und Sehtest gibt es auch viele Apps, die für Fachleute von Nutzen sein können: So gibt es ein App über Arzneimittel, das von Apothekern und Ärzten entwickelt wurde. Bei Eingabe des Präparats erhalten Nutzer Informationen über Wirkstoffe, Darreichungsformen und Wirkweise des Präparats.

Auch über Zusatzstoffe und Hersteller sind Infos abrufbar. Auch das bekannte klinische Wörterbuch Pschyrembel ist für iPhone oder iPad erhältlich. Die Kosten sind meist gering, viele Apps sind sogar gratis erhältlich. Der Durchschnittspreis von Apps soll laut BITKOM bei etwa 2,82 Euro liegen.

Das iPhone wird zum Diktiergerät

Auf der Medica in Düsseldorf, der größten Medizinmesse der Welt, vom 17. bis 20. November können sich Besucher über die neuesten Applikationen für Ärzte und Patienten informieren. Dort wird zum Beispiel ein spezielles App vorgestellt, das das Diktieren, etwa von Arztbriefen, erleichtert.

Mit dem App dictate on demand® der Firma DictaTeam kann an jedem Ort und zu jeder Zeit ein Diktat aufgenommen werden - das iPhone wird zum digitalen Diktiergerät. Es nimmt das Diktat oder einen Mitschnitt auf und anschließend kann das Dokument vom Sekretariat oder einem Schreibdienst erstellt werden (Halle 15, Stand F27).

Ein App zur Überprüfung der Arzneimittelsicherheit verordneter Präparate hat der Pharmadatenbankanbieter ifap entwickelt (Halle 15, B35).

Um gemeinsam das Potenzial für Apps im Gesundheitswesen auszuloten und die Vorteile von mobilen Anwendungen auch für Ärztenetzwerke und Krankenhäuser zu nutzen, haben das amerikanische Softwareunternehmen InterSystems und cobago systems eine Kooperation vereinbart.

Cobago systems konzipiert Business-Lösungen für das mobile Internet. Besucher können sich bei InterSystems über die Kooperation informieren (Halle 15, Stand G18).

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